Bern
Ferienstimmung an der Aare

Ob sonnenbaden, Frisbee spielen, schwimmen oder bräteln: Das Berner Eichholz bietet durch den Sommer für jeden Geschmack etwas.

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Berner Rundschau

Katharina Schwab

«Gang doch e chli der Aare naa, dere schöne, schöne, schöne grüene Aare naa» singt Endo Anaconda mit Stiller Has am Anfang des Liedes «Aare» von 1996. Im Sommer folgen die Menschen dem Ruf Anacondas zu Hauf und spazieren in Badehose oder Bikini Aare aufwärts. Vom Berner Marzili aus bis zum Schönausteg - oder wer es weiter mag und länger schwimmen will - bis ins Eichholz. Dort gestaltet sich der Einstieg ins grüne fliessende Wasser je nach Wasserstand als anspruchsvoll. Es gibt keine Treppe mit Geländer dort, welche Hilfestellung beim Einstieg bieten würde. Die Schwimmer müssen über die Steine flach ins Nass laufen. Sobald die Knie im Wasser sind, wird die Strömung immer stärker und wer keinen guten Stand hat, wird von der Aare mitgerissen. Christin Rossetti ist sich diesen Einstieg gewohnt. Geübt geht sie über die Steine, spritzt sich nass und schon lässt sie sich während gut zehn Minuten treiben, bis nach der letzten Kurve das Bundeshaus auftaucht. Diesen Anblick lässt wohl jedes Berner Aareschwimmer-Herz höher schlagen; auch das von Christin Rossetti.

«Ruhig und idyllisch»

Erfrischt kommt Christin Rossetti im Marzili an und steigt aus dem Wasser. Aber nun geht's bereits wieder Aare aufwärts, denn ihr Badetuch liegt im Eichholz. Im Sommer geht sie - wenn es das Wetter erlaubt - mindestens einmal pro Woche dort in die Aare. «Das Eichholz ist nicht so voll wie das Marzili, es ist ruhiger und idyllischer», findet die Bernerin, während sie sich auf ihr Badetuch legt. Wenn ihre Kollegen keine Zeit für einen Sprung in die Aare haben, gehe sie alleine. «Es hat immer Leute, die hier ins Wasser gehen, deshalb fühle ich mich nie alleine während des Schwimmens.» Die Menschen spielen Frisbee, Beachvolleyball, manche sind mit dem Gummiboot gekommen und lassen es in der Sonne trocknen. Es herrscht eine friedliche Stimmung.

Die Sonne verschwindet langsam hinter den Bäumen und stetig kommen Menschen den Hügel hinunter, vollbepackt mit Einkaufstaschen, Kohle und Brennsprit. Am Ufer der Aare sind schon die ersten Grillmeister am Einfeuern. Im Eichholz gibt es seit diesem Jahr nur noch sechs offizielle Feuerstellen. «Das sind viel zu wenige», sagt Mirjam Spreiter, die mit ihren Kollegen gerade erst gekommen ist und nach einer freien Feuerstelle Ausschau hält. Überall steigt Rauch auf; dass die Aare dahinter fliesst, kann teilweise nur noch erahnt werden.

Eigentlich verboten

Mirjam Spreiter und ihre Freunde können ihr Fleisch doch noch grillieren; sie haben sich einer anderen Gruppe angeschlossen und können ihre Sachen nach den anderen auf den Rost legen. Wenn Christin Rossetti mit ihren Kollegen bräteln will, plant sie wegen der mangelnden Feuerstellen ihren Tag anders. Sie schaut, dass sie besonders früh unten sind, um sich einen Platz zu sichern und besetzen, oder sie nehmen selber einen Grill mit und stellen ihn irgendwo auf: «Auch wenn es eigentlich verboten wäre, aber es machen ja alle», sagt sie. Einige Waghalsige wagen sich auch nach Einbruch der Dunkelheit nochmals ins Wasser. Allerdings müssen diese schauen, dass sie vor dem Marzili aus der Aare steigen, denn dieses schliesst um 20 Uhr, und schon manch einer musste sich mit dem hohen Zaun abmühen.

Ein zweites Eichholz

Gerade wegen seiner gemütlichen Atmosphäre und der Möglichkeit zum Grillieren kommen viele Leute ins Eichholz. Die Stadt Bern plant nun ein zweites Eichholz am anderen Ende der Stadt, neben dem Lorrainebad. Dort wo momentan noch Schafe weiden, soll es ab 2011 diverse Feuerstellen und eine grosse Liegewiese zum Spielen geben. Ob es mit dem besonderen Flair des echten Eichholz mithalten kann, wird sich übernächstes Jahr zeigen. Denn im Eichholz gibt es neben der grossen Liegewiese noch den Campingplatz: «Durch die Zelte und Campierer komme ich richtig in Ferienstimmung», sagt Christin Rossetti, «und das Eichholz ist einfach ein richtiges Erholungsgebiet.»

34 & 39: (Beides sind legale Feuerstellen im Eichholz) Ob jedes Stück Fleisch genügend Platz hat?

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