Limmat

Fehlfunktionen in Kraftwerken führten zum Fischsterben

Fische

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Tote Fische mit herausgedrückten Augen und geplatzten Kiemen trieben am Dienstagmittag in der Limmat. Schuld daran sind zwei Fehlfunktionen in den Kraftwerken Dietikon und Wettingen. Man rechnet mit 100000 toten Fischen.

Roman Schenkel

«Ein Unglück kommt selten allein», sagt Harry Graf, Mediensprecher der Elektrizitätswerke Zürich (EWZ). Aus ungeklärten Gründen entliess das Kraftwerk Dietikon irrtümlicherweise dreimal mehr Wasser als im Winter üblich. Das Kraftwerk Wettingen nahm deshalb ein Hochwasser an. «Wegen eines Programmierfehlers wurden dann aber die Grundablässe in der Staumauer geöffnet», sagt Graf. Korrekterweise hätte das Wasser über die Mauerkrone abfliessen sollen.

Beim Ablassen der Grundablässe der Staumauer wurden die Fische, die dort überwintern, in die Limmat gespült und getötet. «Zurzeit überwintern 100000 Fische in der Nähe der Staumauer», erklärt Adolf Bolliger, Ehrenpräsident des Aargauer Fischereiverbands. «Da die Fische in der Winterstarre waren, konnten viele den Unterdruck nicht ausgleichen und wurden getötet.»

Bolliger ist überzeugt, dass das Unglück viel mehr Fische als die geschätzten 10000 getötet hat: «Ich rechne mit 100000 toten Fischen.» Zudem habe es sehr viele Jungfische erwischt. «Diese zählen zur Biomasse und fehlen nun als Nahrung für die Raubfische», sagt er. Das werde eine Kettenreaktion auslösen. «Der Raubfischbestand wird dadurch geschmälert.»

Rechtliche Konsequenzen werden die Fehler für die Kraftwerke kaum haben. «Dann müsste schon Fahrlässigkeit vorliegen», so Bolliger. Da die Kraftwerke computergesteuert sind, sei dies wohl nicht der Fall.

Harry Graf betont aber, dass die EWZ zusammen mit den Fischereiverbänden die Lage analysieren werden. «Wir werden uns nicht aus der Verantwortung stehlen und falls notwendig Massnahmen zugunsten des Ökosystems treffen», sagt Graf.

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