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FDP bekämpft Kunstrasen

Dereinst auch in Biel-Benken? Die Biel-Benkemer FDP bläst jedenfalls zum Widerstand gegen den Kunstrasen

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Dereinst auch in Biel-Benken? Die Biel-Benkemer FDP bläst jedenfalls zum Widerstand gegen den Kunstrasen

Biel-Benkens Gemeinderat unterstützt neuerdings den Kunstrasen. Die FDP denkt bereits an ein Referendum.

Andreas Maurer

Einzelne Buh-Rufe unterbrechen Manuel Mohlers Worte. Der Präsident der Biel-Benkemer FDP erhebt sich an der Informationsveranstaltung zum Kunstrasen als Einziger, um das Projekt grundsätzlich in Frage zu stellen. Die finanzielle Situation lasse einen Kunstrasen nicht zu, betont er. Eine Steuererhöhung werde unabwendbar. «Dabei wurde Biel-Benken bisher wegen der tiefen Steuern geschätzt: Viele ziehen mit hohen Einkommen hierher», betont er.

Der Kunstrasen ist neben dem Schulhaus geplant und erfordert Brutto-Investitionen von 2,1 Millionen Franken. Der Kanton hat im Rahmen des kantonalen Sportanlagenkonzeptes (Kasak) 356 000 Franken bewilligt. Der FC Biel-Benken steuert 60 000 Franken bei. Dies bezeichnet Mohler als «sehr bescheiden». In anderen Gemeinden übernähme der Verein 20 Prozent der Kosten. Der FC entgegnet, dass er nicht mehr Geld habe. «Biel-Benken hat nur 300 Fussballer. Pro Fussballer entstehen so Investitionskosten von 6000 Franken», rechnet Mohler vor. Das wecke Begehrlichkeiten, warnt er. Gleichzeitig betont er, dass er das Engagement des FC schätze. Es sei aber falsch, mit Steuergeldern einen Kunstrasen zu erstellen.

Der Gemeinderat hat in dieser Frage eine Kehrtwende vollzogen. Als es um die Erheblichkeitserklärung des Antrags ging, war er aus finanziellen Gründen dagegen. Die Gemeinde baut derzeit ein neues Schulhaus für 8,4 Millionen Franken und plant eine neue Sporthalle für 6,4 Millionen. Der Steuerfuss wurde daher von 46 auf 49 Prozent erhöht. Für 2012 ist die nächste Steuererhöhung auf 52 Prozent geplant. Für zusätzliche Investitionen fehle das Geld, betonte der Gemeinderat im Frühling.

Finanzverwalter Hans-Peter Schmidiger zeichnet unterdessen ein anderes Bild: Der Spielraum werde zwar sehr eng, der Kunstrasen sei aber finanzierbar. Im Jahr 2015 wäre die Nettoverschuldung pro Einwohner mit 4800 Franken aber extrem hoch. Derzeit ist die Gemeinde praktisch nicht verschuldet. Geplante und notwendige Projekte müssten allenfalls hinausgeschoben oder die Steuern erhöht werden, prophezeit Schmidiger.

Gemeindepräsident Peter Burch gab zu, dass sich der Gemeinderat den Kunstrasen nicht gewünscht habe. «Wenn wir ihn aber wollen, dann können wir uns das auch leisten», betont er. Es sei unbestritten, dass der FC ein Platzproblem habe.

Das unterstreicht auch Claudio Lovato, Antragsteller des FCBB. «Durch den Boom im Dorf sind unsere Mitgliederzahlen explodiert», berichtet er. Seit der Gründung 1991 ist die Anzahl Junioren von 30 auf 140 angestiegen. Der Fussballplatz sei hoffnungslos überlastet: Pro Wochenende finden auf dem Naturrasen im Schnitt acht Heimspiele statt. Von der Infrastruktur her sei ein gutes Training nicht mehr möglich. Der Rasen müsse ständig gesperrt werden. Der Kunstrasen wäre demgegenüber bei jedem Wetter bespielbar. Die Lebensdauer soll 15 Jahre betragen. Der Plastikrasen sei kein Sondermüll, sondern könne mit dem normalen Kehricht entsorgt werden, loben die Vertreter des FC.

«Genügt es uns, in einem Schlafdorf zu wohnen mit sehr vielen Fernsehkanälen?», fragt sich Gemeindepräsident Burch. FDP-Sektionspräsident Manuel Mohler antwortet: «Es hängt nicht von einem Kunstrasen ab, ob Biel-Benken eine Schlafgemeinde ist.»

Die Gemeindeversammlung vom 17. September werde der FC wohl für sich entscheiden, da er viele Leute mobilisiere, vermutet er. «Bei einer Niederlage werden wir uns ein Referendum überlegen. Hier rechnen wir uns bessere Chancen aus», sagt Mohler gegenüber der bz.

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