FC Leibstadt

FC-Leibstadt-Präsident: «Ich verzichte auf eine Anzeige»

Disziplinlosigkeiten auf und neben dem Platz, nicht bezahlte Mitgliederbeiträge, eine miserable Trainingsmoral und eine Morddrohung - Peter Richard, Präsident des FC Leibstadt, äussert sich zu den Turbulenzen der letzten Tage.

Die Nachrichten, die im Aargau und darüber hinaus die Runde machten, waren erschreckend: Nachdem der Vorstand des FC Leibstadt dem Aargauischen Fussball-Verband den Antrag gestellt hatte, die 1. Mannschaft aus der 2. Liga zurückzuziehen, erhielt der in Döttingen wohnende Präsident Peter Richard von einem Spieler Morddrohungen. In einem Interview mit der Aargauer Zeitung bezieht Richard Stellung zum Rückzugsentscheid, schildert, wie es dazu kam, und sagt auch, wie es mit dem Fussballclub Leibstadt weitergehen soll.

Herr Richard, Sie sind letzte Woche an der Haustür von einem Spieler mit Morddrohungen eingedeckt worden. Ist der Schock inzwischen überwunden?
Peter Richard: Ich hatte keinen Schock, weil mich solche Dinge nicht erschrecken können. Bei einem Zusammenzug zeigte sich die Mannschaft entsetzt über das Verhalten ihres Mitspielers und verlangte von ihm, sich bei mir zu entschuldigen, was auch geschah. Daraufhin habe ich mich entschlossen, auf eine Anzeige zu verzichten.

Damit ist der Fall vom Tisch?
Richard: Ja, der Fall ist vom Tisch. Für mich persönlich und für den ganzen Verein.

Haben Sie vor eineinhalb Jahren, als Sie das Amt des Präsidenten übernahmen, mit derart gravierenden Vorfällen gerechnet oder kamen die Turbulenzen völlig überraschend?
Richard: Bei meinem Amtsantritt wusste ich, dass es eine schwierige Mission wird. Der Verein stand aufgrund jahrelanger Misswirtschaft vor dem Bankrott. Die Stiftung Pro Leibstadt machte weitere Zahlungen von meiner Amtsübernahme abhängig. Dank den Leistungen von Pro Leibstadt und des «Lebensretterclubs» schreiben wir Ende Saison erstmals seit langer Zeit wieder eine schwarze Null.

In der Regel setzen Präsidenten alles daran, ihren Klub in die nächsthöhere Liga zu bringen. Sie als Präsident des FC Leibstadt sahen sich gezwungen, die 1.Mannschaft zurückzuziehen und in der nächsten Saison in der 3. Liga spielen zu lassen. Ein Entscheid, der Ihnen nicht leichtgefallen sein dürfte.
Richard: Es war ein sehr schwieriger Entscheid. Anderthalb Jahre lang habe ich die Spieler der 1. Mannschaft auf den Knien gebeten, eine sportlichere Einstellung an den Tag zu legen - leider erfolglos. Der Trainingsbesuch war miserabel. Kurz gesagt: Die Spieler haben gemacht, was sie wollten. Schliesslich blieb keine andere Wahl, als die Mannschaft zurück- zuziehen.

Die Spieler haben ihre Mitgliederbeiträge schon längere Zeit nicht mehr bezahlt. Hätte der Vorstand nicht früher reagieren müssen?
Richard: Der Klub hätte weit vor meinem Amtsantritt reagieren müssen. Es herrschten Verhältnisse, die mit normalem Menschenverstand nicht zu erfassen sind. Aber das ist - Gott sei Dank - Schnee von gestern. Dank der immensen Arbeitsleistung von Kassierin Doris Strub sind alle Pendenzen aufgearbeitet und die längst fälligen Rechnungen gestellt. Um es klar und deutlich zu sagen: Ohne den Einsatz von Doris Strub wäre der Verein jetzt pleite.

Bedeutet dies, dass die Spieler ihre Ausstände begleichen müssen?
Richard: Ja. Die Spieler wissen, dass der Vorstand hart bleibt und keine Zugeständnisse macht. Das Hauptproblem aber sind nicht die ausstehenden Mitgliederbeiträge, sondern die Disziplinlosigkeiten im Spiel mit massenhaften Tätlichkeiten und Platzverweisen sowie die miserable Trainingsmoral. Vor allem die Disziplinlosigkeiten auf dem Platz haben dazu geführt, dass der FC Leibstadt in der Bevölkerung einen hundslausigen Ruf hat. Kommt hinzu, dass sich ein Teil der 1. Mannschaft in keiner Weise am Dorf- oder Vereinsleben beteiligt hat und dass die Garderobe nach Trainings und nach Spielen in einem unglaublichen Zustand verlassen wurde.

Wie hat die Bevölkerung von Leibstadt auf den Rückzugsentscheid reagiert?
Richard: Die Bevölkerung sowie die Behördenmitglieder und Sponsoren haben den Entscheid begrüsst. Wäre es im bisherigen Stil weitergegangen, hätte sich ein Teil der Sponsoren unweigerlich zurückgezogen. Den einzigen Vorwurf, den ich zu hören bekam, war: Warum hast du nicht schon früher aufgeräumt? Wegen des Rückzugs ist nachzutragen, dass ich die Reise nach Las Vegas, die die Turbulenzen ausgelöst hat, aus zwei Gründen kritisiert habe: Zum einen, weil die Mannschaft ein vom Klub organisiertes Trainingslager in Marokko boykottierte, und zum anderen, weil auch nach dem Las-Vegas-Trip nur gerade drei bis vier Spieler zum Training erschienen. Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Teil der Spieler hat sich völlig daneben benommen. Mit dieser lausigen Einstellung wäre ein Abstieg nicht zu verhindern gewesen. Inzwischen hat sich die Situation etwas beruhigt und ich bin guten Mutes, dass wir nächste Saison in der 3. Liga eine gute Figur machen.

Wie lange bleiben Sie Präsident des FC Leibstadt?
Richard: Bis der Verein auf sicheren Füssen steht. Ich denke, zwei bis drei Jahre - sofern ich wiedergewählt werde.

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