Ruedi Kuhn, Neuenburg

Der FC Aarau und die Krux mit den individuellen Fehlern: Erst zog Veli Lampi im Laufduell mit Raphael Nuzzolo den Kürzeren und traf innerhalb des Strafraums statt des Balls das linke Bein des Xamax-Spielers. Den folgenden Penalty verwertete Carlos Varela nach neun Minuten und auf geradezu aufreizende Art und Weise zum Führungstreffer für die Neuenburger.

Dann, Mitte der zweiten Halbzeit beim Stand von 1:1, unterlief Jonas Elmer nach einem Corner von Aarau ein Stellungsfehler, Omar Ismaeel lief auf und davon, wurde bei seinem Flankenlauf über 50 Meter nicht angegriffen, spielte den Ball nahe der Grundlinie zum völlig frei stehenden Baba Fatadi – und der Mann aus Bahrain brachte Xamax erneut in Führung.

Zwei Fehler, zwei Gegentore, null Punkte: Das wars. Wars das wirklich? Nein. Der FC Aarau spielte in der ersten Halbzeit zwar schlecht und ohne jede Leidenschaft und Aggressivität, steigerte sich in der zweiten Hälfte jedoch und hatte zwischen der 47. und der 76. Minute fünf klare Chancen. Von diesen nutzte der Gastklub aber nur eine: Emir Sinanovic traf in der 58. Minute mit einem Kopfball und nach herrlicher Vorarbeit von David Marazzi und Steven Lang zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

Der entscheidende Konter

Wenig später verpasste Sinanovic das 2:1 für Aarau um Haaresbreite. Kurze Zeit später lief der Tabellenletzte der Super League in einen Konter und kassierte prompt den entscheidenden Gegentreffer. Danach traf Lang mittels abgefälschtem Freistoss den Pfosten und Joker Michele Polverino setzte einen Kopfball aus kurzer Distanz knapp neben das Tor. In der Schlussviertelstunde versuchte der Aussenseiter, das Glück mit der Brechstange zu erzwingen. Es blieb beim Versuch und damit beim 2:1 für die Neuenburger.

Aaraus Trainer Martin Andermatt sprach während seiner Analyse zu Recht von individuellen Fehlern, die seinem Team Frust statt Lust brachten. «Nach dem Wechsel», so Aaraus Chefcoach, «haben die Spieler alles versucht, waren nahe an einem Punktgewinn, ja sogar an einem Sieg. Und als wir das 2:1 anstreben, laufen wir in einen Konter. Das ist bitter.» Sehr bitter sogar. Umso mehr, als es vom FC Aarau durchaus auch Positives zu berichten gibt. So zeigten die beiden von Beginn an spielenden Greenhorns Joël Mall und Sinanovic ansprechende Leistungen. Mall ersetzte den an einem Bauchmuskelriss laborierenden Ivan Benito und verdiente sich während der 93 Minuten sogar das Prädikat «fehlerlos».

Mall hin, Sinanovic her; der FC Aarau stand am Schluss mit abgesägten Hosen da. Kam zu schlechter Letzt eine Szene hinzu, die für Diskussionsstoff sorgte. Böses Blut gabs nach der Auswechslung von Sandro Burki. Der Captain musste seinen Platz bereits nach 24 Minuten Polverino überlassen und war über diese Massnahme des Trainers sichtlich verärgert. Zwar erhielt Burki nach einer Viertelstunde einen Schlag aufs Knie, fühlte sich Minuten später jedoch wieder pudelwohl. Andermatt aber nahm ihn trotzdem vom Feld und begründete diese Massnahme wie folgt: «Ich wollte Burki schützen und nichts riskieren.»