Anton Mosimann

«Fast Food ist nicht mein Ding»

Am 16. Mai kocht Starkoch Anton Mosimann in Schlieren. Im Vorfeld äussert er sich zu seinem Verhältnis zur Schweiz - und zu seinen Essgewohnheiten.

Von Sidonia Küpfer

Herr Mosimann, am 16. Mai kochen sie im Schlieremer Belltree Tower. Sie wohnen und arbeiten aber seit 1975 in London, wie oft kann man Sie noch in der Schweiz antreffen?

Anton Mosimann: Momentan bin ich öfter geschäftlich in der Schweiz. Ich habe seit einem Jahr eine Wohnung am Genfersee und bin im Advisory Board der Hotelfachschule Lausanne - dadurch ergeben sich immer wieder Abstecher.

Sind Sie mittlerweile in Grossbritannien zu Hause?


Mosimann: Nach so vielen Jahren fühle ich mich in London heimisch, aber ich habe in der Schweiz gute Kollegen und Freunde, und deshalb komme ich immer wieder gerne hierher. Ausserdem steht hier mein Oldtimer: Ich habe mir einen Kindertraum erfüllt und mir einen Jaguar E Roadster gekauft. Mit diesem Auto durch die Schweizer Berge zu fahren, den Wind um die Ohren zu haben, ist ein herrliches Erlebnis.

Klischees besagen, dass die englische Küche nicht besonders gut sei. Haben Sie demnach in Grossbritannien leichtes Spiel?


Mosimann: Die englische Küche hat sich in den letzten Jahren stark verbessert - vor allem in London. Die Engländer reisten viel, und mit den neuen Erfahrungen, die sie machten, verlangten sie auch eine bessere Küche. Nun sind die Köche besser ausgebildet, und auch die Medien haben ihren Teil dazu beigetragen. Als ich 1975 nach Grossbritannien kam, kochte man noch ganz anders.

Inwiefern?

Mosimann: Nehmen wir das Beispiel Gemüse: Früher hat man es einfach in gesalzenem Wasser gekocht - eben à l'anglaise. Das Fleisch wurde bereits am Morgen für den ganzen Tag gebraten und bei Bedarf aufgewärmt. Ich nannte das «unhappy looking meat» - also unglücklich aussehendes Fleisch. Das habe ich geändert. Heute wird viel Wert auf das frische Zubereiten der Speisen gelegt. Aber bis es so weit war, brauchte es ein grosses Umdenken.

Wie halten Sie es persönlich mit der Ernährung?

Mosimann: Viele Leute sind überrascht, dass ich es geschafft habe, trotz meinem Beruf mein Gewicht zu halten. Der Schlüssel ist eine gesunde Ernährung. Auf meinem Menüplan steht natürlich meine eigene Küche, also leichtes, ausgewogenes Essen möglichst ohne Rahm, Butter und ohne dicke Saucen. Ausserdem bin ich diszipliniert und ich jogge täglich. Es ist eine Einstellungssache: Ich sage immer, wenn ich es kann, können andere das auch.

Könnte man Sie auch einmal in einem Fast-Food-Restaurant treffen?

Mosimann: Nein, Fast Food ist nicht mein Ding. Hingegen geniesse ich es hin und wieder, eine Bratwurst zu essen.

In Ihrem Leben dreht sich vieles ums Kochen. Stellen Sie sich da in Ihrer Freizeit auch noch an den Herd?

Mosimann: Ich bin Koch aus Leidenschaft, deshalb findet man mich auch privat oft in der Küche. Zu Hause koche ich oft gemeinsam mit meiner Frau.

Und wie ist es umgekehrt? Wagen es Ihre Freunde überhaupt, Sie zu einem Essen einzuladen, oder fürchten Sie Ihre Kritik?

Mosimann: Ich stelle tatsächlich fest, dass es da eine gewisse Hemmschwelle gibt, mich zum Essen einzuladen. Aber im privaten Kreis halte ich mich mit Kritik sehr zurück und wie gesagt: Mit einer Bratwurst vom Grill kann man mir eine grosse Freude machen. Die Angst ist also unbegründet.

In der Schweiz gaben Sie 2003 den Betrieb des Sälischlösslis in Olten auf. Das Klubsystem funktionierte in der Schweiz nicht. Was waren für Sie rückblickend die ausschlaggebenden Faktoren, dass es nicht geklappt hat?

Mosimann: Da gab es verschiedene Gründe. Das Klubsystem hatte nicht zuletzt deshalb keinen Erfolg, weil das Restaurant nicht in einer Grossstadt angesiedelt war. Die Lage des Sälischlösslis oberhalb von Olten war sicher auch nicht optimal. Aber für mich war das Projekt die Erfüllung eines Kindheitstraums. Rückblickend war das Engagement ein Fehler, aber ich habe es zumindest probiert. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.

Denken Sie an einen neuen Versuch, die Schweiz mit einem Restaurant zu erobern?

Mosimann: Ich habe zwei Söhne, welche die Hotelfachschule in Lausanne absolviert haben. Danach habe ich sie in die Welt geschickt, damit sie neue Erfahrungen sammeln konnten. Nun sind sie zurück, und wenn sich eine entsprechende Gelegenheit ergäbe, würden wir das sicher prüfen. Ich sage jedenfalls nicht «niemals».

Sie sind 62 Jahre alt - wird der Ruhestand zum Thema?

Mosimann: Ruhestand? Nein, noch nicht. Ich finde, solange ich Freude habe am Beruf, will ich weitermachen. Ich kann mir vorstellen, etwas kürzerzutreten und mich vermehrt meinen Hobbys zu widmen. Ich sammle alte Kochbücher. Die zu suchen, anzuschauen und auch abzustauben, braucht seine Zeit. Aber ganz aufzuhören, kann ich mir noch nicht vorstellen.

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