Mode
Fashion Week Paris: Wenn Kaufen Nebensache ist

Vieles, was an der Pariser Fashion Week auf dem Laufsteg gezeigt wird, kommt gar nie in die Läden. Dennoch rentiert das Geschäft mit der Luxusmode.

Stefan Brändle, Paris
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Eine Schau kostet bis zu fünf Millionen Euro: Fashion Week in Paris.Key

Eine Schau kostet bis zu fünf Millionen Euro: Fashion Week in Paris.Key

Paris steht eine Woche lang im Zeichen der Haute Couture. Die attraktivsten und originellsten Ausstellungsorte sind seit Monaten ausgebucht für Dior, Chanel, Armani oder Gaultier. Eine Woche lang werden die Fachmedien voll sein von Bildern der exklusiven Gewänder, die sich Normalsterbliche gar nicht leisten können.

Und selbst wenn sie könnten: Die sündig-schöne Kollektion Versaces oder anderer Marken sind auch in keiner Boutique zu finden. Haute Couture, die Formel 1 der Modebranche, wird nur auf Bestellung und nach Mass hergestellt. Ein paar wenige Kundinnen aus den USA, Saudi-Arabien oder China sitzen bei Versace in der ersten Reihe; andere werden sich die Kleider zu Hause vorführen und anpassen lassen.

Und auch wenn sie zum Schluss zwischen 10'000 und 100'000 Euro für das Traumkleid hinblättern: Die Haute Couture arbeitet buchhalterisch mit Verlust. «Nicht einmal Chanel, die kommerziellste Anbieterin, ist in diesem Bereich rentabel», meint der Pariser Modeberater Jean-Jacques Picart. Schuld sind die hohen Auflagen: Um an den Couture-Schauen teilnehmen zu können, müssen die Kreateure sämtliche Kleider von Hand nähen lassen und zu diesem Zweck mindestens zwanzig «petites mains» (kleine Hände) beschäftigen – so heissen die besten Näherinnen des Modeplatzes Paris.

Eisberg und eine Million Blumen

Auch sonst scheuen die Konkurrenten keinen Aufwand, um die Aufmerksamkeit der Weltmedien zu gewinnen. Chanel liess aus Skandinavien einmal einen Eisberg von 265 Tonnen nach Paris transportieren. Dior dekorierte die letztjährige Kollektion des neuen Schöpfers Raf Simons mit einer Million Blumen. Versace setzt lieber auf illustre Namen und platziert auch interessierte Hollywoodstars im Publikum – zum Nulltarif kommen sie kaum nach Paris.

Ein zwanzigminütiges Defilee kann deshalb mit allen Nebenkosten bis zu fünf Millionen Euro kosten. Doch warum betreiben die grossen Modehäuser diesen Aufwand, wenn er ein Verlustgeschäft ist? «Die Haute Couture ist ein Schaufenster für die ganze Mode», sagt die deutsche Versace-Vertreterin Alexandra Degel. Ein grosses, globales Schaufenster, das sich dank TV-Feuilleton, Frauenmagazinen und Internetportalen rund um den Planeten spannt.

Die Modehäuser kaufen für Millionen Werbeflächen; der Luxuskonzern LVMH, Besitzer unter anderem von Dior, achtet zum Beispiel darauf, in der nicht gerade schlanken Modebibel Vogue stets bei den drei präsentesten Werbeauftraggebern zu sein. Und wenn die Chefredaktorin der US-Ausgabe, Anna Wintour, gerade einmal im Hotel bleiben möchte, erhält sie im «Ritz» anstandslos eine Privatvorführung der neuen Dior-Kollektion.

Es rechnet sich trotzdem

Zum Schluss wird das Verlustgeschäft der Haute Couture doch noch ein Gewinn: «Wenn man den medialen Niederschlag einer Couture-Präsentation mit den Kosten für ein gleich grosses Werbevolumen vergleicht, rechnet sich die Investition», meint Jimmy Pihet vom französischen Modeverband. Dieser sorgt mit diversen Massnahmen dafür, dass die Haute Couture ihre Funktion als Aushängeschild der breiter gestreuten Konfektionskleidung (Prêt-à-porter) bewahrt.