Familien Ryser: bitte melden

Eine Amerikanerin hofft, ihre Schweizer Verwandten kennen zu lernen Huttwil

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Familien Ryser: bitte melden

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Solothurner Zeitung

Lois Reiser Angelo aus Amerika sucht nach den Spuren ihres Vorfahren Ulrich Ryser. Zusammen mit der Reformierten Kirchgemeinde Huttwil hat sie auf den 1. Juli ein Treffen organisiert und hofft, dass sich viele mögliche Verwandte melden.

Irmgard Bayard

«Lois Reiser Angelo hat sich per Mail bei uns gemeldet», sagt Heinz Graf, Medienbeauftragter des Kirchgemeinderates von Huttwil. Sie komme in die Schweiz und wolle die Kirchenbücher einsehen, um nach den Spuren ihres Vorfahren zu suchen, schrieb die Amerikanerin. Zudem möchte sie sich mit möglichen Verwandten treffen. Dieser Vorfahr, Ulrich Ryser, dürfte in oder um Huttwil geboren worden sein. Er verliess 1709 im Alter von etwa 15 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder die Heimat Richtung Philadelphia in den Vereinigten Staaten. «Leider musste ich sie enttäuschen, denn die Auswanderung fand bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts statt. Die Dokumente aus dieser Zeit sind beim Stadtbrand von Huttwil im Jahre 1834 zerstört worden.»

Von Ryser zu Reiser

Lois Reiser – der Name dürfte gemäss Graf vom englisch ausgesprochenen Ryser herstammen – ist an die Kirchgemeinde Huttwil gelangt, weil diese bis ins 19. Jahrhundert Buch über Zivilstandsänderungen wie Taufe, Konfirmation, Trauung und Todesfall geführt hatte, bevor die Eintragungen in die Hoheit des Kantons übergingen.

Obschon in Huttwil keine Unterlagen mehr vorhanden sind, ist die Amerikanerin in ihrem Heimatstaat fündig geworden. Dort ist sie auf Dokumente gestossen, welche die Geschichte zurückverfolgen lassen. Heinz Graf gibt die Nachforschungen von Lois Reiser Angelo so wieder: Wahrscheinlich zogen die Brüder Ulrich (damals noch Ullrich geschrieben) und Johannes über Dirmstein in der Nähe von Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) nach Rotterdam und segelten nach Amerika. Am 2. Oktober 1727 trafen sie in Philadelphia ein. Um 1734/1735 heiratete Ulrich Ryser seine Frau, Anna Barbara Steinmann, die ihm sieben Kinder schenkte. Die vier Söhne dienten in der Armee während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. Schon kurz nach der Eheschliessung kaufte Ulrich umfangreiche Landstriche und war Gründer der «Great Swamp Reformed Congregation». Diese ist eine «Vereinigung der Reformierten» in der Gegend Spinnerstown ungefähr 100 Kilometer nördlich von Philadelphia. Ulrich Ryser stiftete ausserdem einen beträchtlichen Beitrag an den ersten Kirchenbau. Im Jahr 1784 starb er als sehr angesehener Mann.

«Es ist erstaunlich, dass Ryser bereits in erster Einwanderergeneration so vermögend wurde», findet Graf. Er könne sich vorstellen, dass er mit Anna Barbara Steinmann eine reiche Frau, vielleicht sogar eine Jüdin geheiratet habe und so zu Reichtum gekommen sei. «Das ist aber nur Spekulation», betont Graf. Lois Reiser, als 8. Generation (die Ururururururgrosstochter von Ulrich Ryser) möchte nun ihre Verwandten kennen lernen.

Am 1. Juli ist das Treffen

Mögliche Nachfahren des Ausgewanderten, die heute allenfalls auch Rieser und Riser heissen, sind eingeladen, sich am Donnerstag, 1. Juli, ab 15 Uhr im Mehrzweckraum im Untergeschoss des Kirchgemeindehauses in Huttwil einzufinden. «Es gibt ja hier im Raum Huttwil einige Rysers, vielleicht finden sich tatsächlich noch Leute, die im Besitz eines weit zurückreichenden Stammbaumes sind», hofft Graf. Sollte dies nicht der Fall sein, so hat er ein Ersatzprogramm auf die Beine gestellt und wird den Gästen aus Amerika das Blumenstädtchen und die Umgebung zeigen.

Die Kirchgemeinde hat selber keine Einladungen verschickt. «Wir haben ja auch keinen Zugriff auf entsprechende Adressen», sagt Graf. «Wir wenden uns aber auf diesem Weg an die Bevölkerung. Zudem werden wir einen Aufruf im Kirchgemeindehaus anschlagen.»

Die Gäste aus Amerika – Lois Reiser Angelo ist mit ihrem Mann und einem weiteren Ehepaar auf Europatour und kommt voraussichtlich am 30. Juni von München in die Schweiz – wohnen im Hotel und reisen voraussichtlich am 2. oder 3. Juli bereits weiter. Mit ihnen zusammen freut sich nun Heinz Graf auf ein riesen
Ryser-Fest. Nicht vergessen: alte Dokumente mitnehmen.

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