Falscher Leim mit grossen Konsequenzen

Zu hohes Risiko: Wegen Mängel an den Tragkonstruktionen bleiben die Schwimmbecken des Burgdorfer Hallenbades bis auf weiteres geschlossen. Das Ausmass der Schäden ist noch nicht bezifferbar.

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Solothurner Zeitung

Fabienne wüthrich

Der Leim ist der Hauptschuldige. Er trägt im Prinzip die Verantwortung, dass das Burgdorfer Hallenbad bis auf weiteres den Betrieb der beiden Wasserbecken einstellen muss (wir berichteten). An der gestrigen Medienkonferenz zeigten Vertreter der Hallenbad AG und des Ingenieurbüros Gruner AG die Konsequenzen der Schliessung auf. Beat von Allmen, Vertreter des Verwaltungsrates machte sofort klar: «Die Sicherheit ist etwas vom Grössten - sie ist uns sehr wichtig.» Seit das Hallenbad 1975 eröffnet worden sei, «ist viel passiert». Die Hallenbad AG hätte kontinuierlich Renovationen und Sanierungen vorgenommen. «Auch haben Spezialisten periodisch das Gebäude überprüft», sagte er. Das war ebenfalls vor zwei Wochen der Fall. Bei einer Inspektion wurde Erschreckendes festgestellt: Es gibt Mängel an den Tragkonstruktionen.

Niemand wird für die Schäden haftbar gemacht

Weder das Ausmass der Schäden am Burgdorfer Hallenbad noch die Kosten sind laut den Verantwortlichen momentan abschätzbar. Wieviel die Sanierung koste, könne er nicht konkret sagen, so Fredy Fecker vom Ingenieurbüro Gruner AG. «Zahlen liegen noch keine vor.» Auch wie teuer die gesamten Untersuchungen werden, sei derzeit noch unklar. Ebenso wenig ist laut Verwaltungsratsmitglied Beat von Allmen der Umsatzverlust definierbar. «Wir wissen ja erst seit zwei Wochen von den Mängeln.» Bezahlt wird der Schaden unter anderem von der Stadt - sie ist mit 21 Prozent die Hauptaktionärin der AG. Im Finanzplan sind jedoch laut Geschäftsleitungsmitglied Jörg von Ballmoos Sanierungen angedacht, deshalb habe die AG dort einen gewissen Spielraum. Zudem werde beispielsweise der vorgesehene neue Plattenboden für das grosse Schwimmbecken wegen des jetzigen Projektes nicht eingebaut. Betrage die Sanierung eine Million Franken, «können wir das verkraften», sagte von Ballmoos. Werde die Abrechnung höher ausfallen, «müssen wir nach Lösungen suchen». Haftbar kann für den Schaden niemand mehr gemacht werden, sagte Fecker. «Der Bau des Hallenbades ist zu lange her.» (fwb)

Es besteht keine Einsturzgefahr

Von Allmen erklärte: «Wir sind zum Handeln gezwungen.» Sofortmassnahmen seien eingeleitet worden. Das betreffe die Schliessung der Wasserbecken - das Grosse und das Kleine. Planmässig würden hingegen das Restaurant, die Wellnessanlagen, die Turnhalle sowie der Fitnessraum aufgehen. Laut von Allmen ist das Ausmass des Schadens noch nicht bezifferbar. Ebenfalls nicht, welche Arbeiten konkret vorgenommen werden müssten. «Das kann erst nach einer abschliessenden Analyse gesagt werden», so von Allmen. Wichtig sei: «Wir wollen kein Risiko eingehen.» Wann der Betrieb der beiden Becken wieder aufgenommen werde, sei unklar. «Jedoch rechnen wir nicht vor Ende Jahr damit.»

Sicher ist aber: «Das Hallenbaddach stürzt nicht ein», sagte Fredy Fecker vom Ingenieurbüro Gruner AG. Diese Gefahr bestehe nicht. Die Holzträger würden einfach nicht mehr den heutigen Sicherheitsnormen entsprechen. «Sie erfüllen die Anforderungen nicht mehr.» Bei der Inspektion hätten sie Risse in den Holzträgern entdeckt. Die Vermutung liege nahe, dass der Leim in den Brettschichten nicht mehr richtig halte. Dieser weise Verfärbungen auf - und habe damit nicht mehr die volle Tragfestigkeit. «Ausgelöst hat das die Feuchtigkeit», sagte Fecker. Im wahrsten Sinne des Wortes sind die damaligen Bauherren dem Klebemittel auf den Leim gegangen. Laut Fecker wurde vor 30 Jahren der Leim noch rege benutzt. Heute sei jedoch bekannt: Das Klebemittel sei nicht für ein feuchtes Klima geeignet.

«Da kein Sicherheitsrisiko eingegangen werden will, haben wir die beiden Wasserbecken schweren Herzens geschlossen», sagte Fecker. Der Betrieb könne aber natürlich nicht gewährleistet werden, denn: Die Decke müsse weg, damit die Träger sichtbar würden. «Dann können wir das minutiös betrachten.» Eines sei klar: «Bei der letzten Inspektion im vergangenen Jahr war der Zustand noch in Ordnung.» Die Schäden müssten demnach jüngeren Datums sein.

Die Schäden sind jüngeren Datums

«Wie weiter?» - diese Frage stelle sich jetzt. Fecker: «Ein Holzbaufachmann wird das nun detailliert betrachten.» Sein Bericht bilde schliesslich die Entscheidungsgrundlage, was genau gemacht werden müsse. Ob die Träger nur verstärkt oder ersetzt werden, werde sich dann zeigen. «Wir erwarten die Ergebnisse im September», sagte er.

Zum Glück sei das Hallenbad bereits geschlossen, sagte Jörg von Ballmoss, Mitglied der Geschäftsleitung. «Das bietet uns Spielraum.» Die Schäden hätten sie aber «wie ein Blitz getroffen». Das Kerngeschäft des Hallenbades seien die Kurse. 45 Angestellte würden dahinter stehen und den Betrieb gewährleisten. «Wir suchen mit Hochdruck nach Lösungen», sagte er. So seien die Einsatzpläne bereits neu kreiert worden. Einige Kurse könnten vielleicht im Trockenen abgehalten werden. «Das ist eine Alternative.» Auf das Freibad ausweichen, komme nur bis im Herbst in Frage, schliesslich werde es nicht geheizt. Und: «Unseren Hauptumsatz machen wir von Oktober bis März.» Betroffen seien auch die Schulklassen; sie würden im Winter das Hallenbad rege nutzen. Alle, die die Schliessung etwas angehe, würden nun persönlich von ihnen angeschrieben. Doch von Ballmoos versprach: «Wir suchen konstruktive Alternativen.» Eines steht fest: Bei der kommenden Renovation lassen sich die Betreiber des Hallenbades sicher nicht «hereinleimen».

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