Falscher Alarm: Freispruch für Dietiker

Laut Anklage hat sich ein Banker aus Dietikon als Arzt ausgegeben und im Spital Zimmerberg in Horgen einen falschen Alarm ausgelöst. Nicht zu beweisen, befand nun das Bezirksgericht.

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Attila Szenogrady

Es war am Abend vom 9. August 2008, als im Spital Zimmerberg in Horgen ein Notfall-Alarm ausgelöst wurde. Ein Arzt hatte per Telefon gemeldet, dass sehr bald ein Helikopter der Rega mit einem erheblich verletzten Patienten eintreffen werde. Grund für die improvisierte Aktion: Das Universitätsspital Zürich sei zu 100 Prozent belegt.

Die verantwortlichen Personen des Horgner Spitals reagierten vorbildlich und leiteten umgehend die notwendigen Schritte ein. So wurde für ein spezialisiertes Notfall-Ärzteteam sogleich ein Schockraum-Alarm ausgelöst. Radiologen, Narkose-Mediziner und Chirurgen begaben sich auf ihre Posten. Dies hatte zur Folge, dass eine geplante Operation kurzfristig abgesagt und auf die Wartebank geschoben werden musste. Der Landeplatz für den Helikopter wurde sofort in Betrieb genommen.

Anruf von der Street Parade

Allerdings wartete die Klinik vergeblich auf einen Helikopter. Schon bald wurde klar, dass sich jemand einen schlechten Scherz erlaubt hatte. Polizeiliche Untersuchungen ergaben, dass eine Person von der Zürcher Street Parade angerufen hatte. Die ermittelte Telefonnummer verwies auf einen heute 29-jährigen Schweizer aus Dietikon. Der Angestellte einer Schweizer Grossbank gab tatsächlich zu, dass er sich zur Tatzeit am berühmten Tanzanlass aufgehalten hatte. Allerdings stellte er in Abrede, das Spital in Horgen angerufen zu haben.

Am Montag musste sich der Limmattaler Business-Analyst wegen falschen Alarms vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Bei einem Schuldspruch drohte ihm nicht nur eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 130 Franken, also insgesamt 15 600 Franken, sondern auch eine zu bezahlende Busse von 1000 Franken.

Angeklagter beteuerte Unschuld

Der Angeklagte erklärte erneut, dass er nicht telefoniert habe. Allerdings konnte er nicht ausführen, wer sein Handy zur Tatzeit tatsächlich benutzt hatte. Das Telefon sei ihm jedenfalls nicht gestohlen worden, hielt er fest. In einem Schlusswort machte er sein Beileid geltend, dass jemand mit seiner Nummer den Anruf getätigt habe.

Gespräch nicht aufgezeichnet

Das Gericht kam aufgrund einer zu dünnen Beweislage zu einem Freispruch. Entscheidend war dabei, dass das Spital den entsprechenden Anruf des vermeintlichen Arztes nicht aufgezeichnet hatte. Was völlig normal sei, wie der Vorsitzende ausführte. Notrufe bei der Polizei und Feuerwehr würden aufgenommen, nicht aber bei Spitälern, sagte er. Aus diesem Grund würden auch andere Personen als Anrufer in Frage kommen, fasste der Präsident zusammen.

Der Dietiker Angeklagte zeigte sich über den Freispruch erleichtert. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft noch zehn Tage Zeit, Berufung gegen das entlastende Urteil einzulegen.