Fällt das Alba-Vinea-Grundstück an die früheren Besitzer zurück?

Nach der Abstimmung vom Juni 2008 über das Projekt «Alba Vinea – betreutes Wohnen im Alter» könnten die Gemeinden rechts der Limmat nun auch noch das Land verlieren, das sie dafür gekauft hatten. Ein erster Interessent ist bereits aufgetaucht.

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Schweiz am Sonntag

Von Jürg Krebs

Betreutes Wohnen im Alter rechts der Limmat – eine Leidensgeschichte

Unter dem Titel Alba Vinea wollten die fünf Gemeinden Oetwil, Geroldswil, Weiningen, Unterengstringen und Oberengstringen eine Einrichtung für betreutes Wohnen im Alter realisieren. Dabei stützten sie sich auf eine Umfrage aus dem Jahr 2001 ab. Diese hätte es älteren, grundsätzlich noch selbstständigen Menschen erlaubt, im Bedarfsfall einen 24-Stunden-Notfalldienst, einen Mahlzeitendienst oder einen Wäscheservice zu nutzen oder auch Spitexdienste, ansonsten aber unabhängig zu leben. Für eine Alterssiedlung hatten die Stimmberechtigten der erwähnten fünf Gemeinden im Sommer 2003 einem Landkauf zugestimmt. So wurden für 2,1 Millionen Franken neben dem Alters- und Pflegeheim Im Morgen in Weiningen 4400 Quadratmeter Land erstanden. 2006 einigten sich die fünf Gemeinden auf die Form einer Interkommunalen Anstalt als Trägerschaft.
Das Projekt sah einen Neubau südlich des bestehenden Altersheims für gegen 29 Millionen Franken vor. Geplant waren 56 Mietwohnungen, hauptsächlich mit 2 bis 3 Zimmern, aber auch 1-Zimmer-Wohnungen.
Am 1. Juni 2008 kam es dann zum Urnengang - der im Desaster endete. Das Projekt wurde insgesamt mit gut 64 Prozent der Stimmen verworfen. Der Grund: Bereits im Vorfeld der Abstimmung war kritisiert worden, das Projekt sei zu teuer. Den Todesstoss hatte Alba Vinea aber die Nein-Parole aller fünf Rechnungsprüfungskommissionen gegeben.
Nach einer Analyse des Abstimmungsereignisses zog sich Geroldswil aus dem Projekt betreutes Wohnen zurück. Oetwil, Weiningen, Unterengstringen und Oberengstringen wollten dieses vorerst nicht aufgeben. Vertreter von Behörden und Parteien legten Ende 2008 fest, dass ein Nachfolgeprojekt zu Alba Vinea in der neuen Legislaturperiode 2010-2014 mit «neuen, unvoreingenommenen Personen» an die Hand genommen werden soll.
In den nächsten Wochen haben die Stimmberechtigten der fünf Gemeinden an den jeweiligen Gemeindeversammlungen über die Abrechnung des Projekts Alba Vinea zu befinden.
Was die Gemeinden nicht geschafft haben, überlegt sich nun eine private Firma aus Bern. Die Firma Sensato («Lebensraum im Alter, Beratung und Führung» prüft, ob ein Projekt für betreutes Wohnen auf privater Basis eine Chance auf Realisierung hat. (jk)

Der 1. Juni 2008 ist als Datum einer der grössten Abstimmungsniederlagen der Gemeinderäte von Oetwil, Geroldswil, Weiningen, Unterengstringen und Oberengstringen in die Annalen eingegangen. Insgesamt 64 Prozent der Stimmberechtigten hatten das Projekt «Alba Vinea - betreutes Wohnen im Alter» vor einem Jahr verworfen und damit ein knappes Jahrzehnt des Analysierens, Planens und Projektierens für null und nichtig erklärt. Die Kritik damals: zu teuer.

«Die Luft für ein gemeinsames Projekt ist draussen», sagte Geroldswils Gemeindepräsidentin Ursula Hofstetter noch am Abstimmungstag. Sie sollte recht behalten. Zwar bekannten Behörden und Parteien der fünf Gemeinden später, ein neues Projekt erarbeiten zu wollen - aber erst in der neuen Legislaturperiode 2010-2014. Dies bleibt vorerst eine reine Absichtsbekundung.

Die Geschichte erhält nun eine unerwartete Wendung. Die Firma Sensato aus Bern prüft, ob sie anstelle der Gemeinden ein Projekt Alterswohnen in Weiningen realisieren kann. «Ja wir versuchen, etwas Neues auf die Beine zu stellen», sagt Sensato-Geschäftsführer Guido Reber auf Anfrage. Man sei daran, die Machbarkeit zu prüfen. Reber weiss um das sensible Thema Alba Vinea und drückt sich entsprechend vorsichtig aus. Es gehe darum, die entscheidenden Leute wieder an einen Tisch zu bringen, sagt er. Und: Es brauche neue Lösungsansätze. Sogar eine Kooperation mit den Gemeinden ist laut Reber vorstellbar. Vor allem aber braucht es günstigere Ideen. Denn auch Reber will herausgefunden haben, dass das Projekt Alba Vinea zu teuer war.

Die Firma Sensato wirbt mit dem Spruch «Vernünftiges Alterswohnen ist unsere Kompetenz und unser Ziel». Der Name - sensato bedeutet «vernünftig» - sei zudem Programm. Die Berner Firma hat sich auf Beratung, Entwicklung und Führung von Alterseinrichtungen spezialisiert. Im Fall von Weiningen steht ihr die Generalunternehmung Losinger Construction AG zur Seite.

Geprüft wird nun als Erstes, ob die 4400 Quadratmeter Land in Weiningen, welche die fünf Gemeinden rechts der Limmat 2003 zu einem Preis von 2,1 Millionen Franken für ihr Vorhaben erstanden haben, gekauft werden können. Dafür trifft sich Guido Reber zusammen mit Vertretern von Losinger mit Eduard Meier. Der Dietiker vertritt die Erbengemeinschaft Heinrich Meier-Gubler, die das Alba-Vinea-Grundstück einst besass - und dereinst wieder besitzen könnte. Denn sie hält ein Rückkaufsrecht.

Vereinbart wurde bei Vertragsabschluss, dass das Rückkaufsrecht in Kraft tritt, wenn die Gemeinden 2010 nicht mindestens 50 Prozent des Alba-Vinea-Projekts realisiert haben. Das Nein der Stimmberechtigten vom Juni 2008 hat dies verhindert. Selbst für ein Nachfolgeprojekt reicht die Zeit bis nächstes Jahr nicht aus. Das Rückkaufsrecht gilt für drei Jahre und verfällt im November 2013. Es kann von einem einzigen Erben ausgeübt werden.

Darauf angesprochen, ob die Erben Heinrich Meier-Gubler vom Rückkaufsrecht Gebrauch machen werden, erklärt Eduard Meier: Die Familie unterstütze nach wie vor ein Projekt für eine Alterseinrichtung in Weiningen und hoffe auf eine schnelle Wiederaufnahme der Bemühungen - sei es durch die Gemeinden oder eben durch Private. Deshalb lasse er sich die neue Idee der Sensato einmal präsentieren.

Der Bedarf für betreutes Wohnen im Alter scheint in den Gemeinden rechts der Limmat ausgewiesen. Bereits zum Zeitpunkt der Abstimmung lagen den Gemeinden 26 einbezahlte Reservations- und Absichtserklärungen vor. Nun dürfen sich diese Leute berechtigte Hoffnungen machen, dass es in Weiningen in absehbarer Zeit doch noch eine Einrichtung für betreutes Wohnen geben wird.

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