Lucie
Fall Lucie hat Konsequenzen für Bewährungshilfe

Die Folgen des Tötungsdelikts Lucie Trezzini: Die verwaltungsexterne Bewährungshilfe Aargau soll in den kantonalen Strafvollzug integriert werden. Der Verein selber steht nun vor einem Neuanfang.

Michael Spillmann
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Tötungsdelikt Lucie Die kantonalen Strafvollzugsbehörden und die Bewährungshilfe Aargau standen in der Kritik.Raphael Hünerfauth

Tötungsdelikt Lucie Die kantonalen Strafvollzugsbehörden und die Bewährungshilfe Aargau standen in der Kritik.Raphael Hünerfauth

Aargauer Zeitung

Wie geht es weiter mit der Bewährungshilfe Aargau? Die Tötung der 16-jährigen Lucie Trezzini durch einen Bewährungshilfe-Klienten - den 25-jährigen Wiederholungstäter Daniel H. - war auch an der zweiten Generalversammlung nach der brutalen Tat, die im März 2009 die Schweiz erschüttert hatte, omnipräsent.

Neben den Strafvollzugsbehörden war damals auch der Verein Bewährungshilfe, der seine Aufgaben für den Kanton per Leistungsvertrag ausführt, unter Beschuss gestanden. Eine Administrativuntersuchung kam später zum Schluss, Einzelpersonen hätten sich strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen. Die Eltern von Lucie reichten darauf Strafanzeige ein. Nun ermittelt ein ausserordentlicher Untersuchungsrichter.

Von den Ermittlungen könnten auch Mitarbeiter der Bewährungshilfe tangiert sein. «In diesem Fall erhält jeder Rechtsbeistand», versprach Vereinspräsident Hansjörg Geissmann an der Versammlung. Beim Verein ist seit dem Tod von Lucie nichts mehr, wie es einmal war. Erst gab es die Sofortmassnahmen, dann die Administrativuntersuchung und nun die strafrechtliche Aufarbeitung. Kommt hinzu: Der Verein steht vor einer ungewissen Zukunft.

Alles deutet auf eine Eingliederung

So war es nicht erstaunlich, dass Budget und Mitgliederbeiträge für einmal nur Nebensache waren. Oberrichter Hansjörg Geissmann kam schnell zum wesentlichen Punkt: «Eine Integration in den Strafvollzug zeichnet sich ab.» Ein vom Kanton in Auftrag gegebenes Gutachten empfehle demnach klar die Eingliederung der Bewährungshilfe ins Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Das Gutachten führe keinen einzigen Punkt auf, der gegen die Massnahme spreche.

Wie DVI-Generalsekretär Hans Peter Fricker als Kantonsvertreter erklärte, entscheide der Regierungsrat Mitte Sommer endgültig über das Schicksal der Bewährungshilfe. Im Fall der Fälle solle es aber eine «faire Integration der Mitarbeiter» geben. Obwohl am Dienstagabend mehrfach betont wurde, es sei noch keine Entscheidung gefällt, schlug auch der Kantonsvertreter Vorstand und Mitgliedern vor, zu überlegen, was der Verein selber in Zukunft für eine Rolle übernehmen könnte - ohne sein Kerngeschäft Bewährungshilfe.

«Wir müssen die Weichen frühzeitig stellen», meinte Präsident Hansjörg Geissmann. Im Vorstand seien die Signale bezüglich Fortbestand nicht eindeutig gewesen. Entscheide man sich für ein Weitermachen, stelle sich die Frage nach dem Vereinszweck. Schliesslich sprach sich die Versammlung für den Verein aus - viele Mitglieder enthielten sich jedoch der Stimme. Der Vorstand will nun Modelle entwickeln. Zur Diskussion steht etwa das ehrenamtliche Betreuen von ehemaligen Straftätern, die ihre Strafe verbüsst haben.

Wechsel in operativer Leitung

Emotional war die Versammlung nicht nur in Bezug auf Veränderungen. Es gab auch einen personellen Wechsel: Nach 33-jähriger Tätigkeit wurde Otto Moser als Leiter der Bewährungshilfe verabschiedet. Er war auf Ende März als Stellenleiter zurückgetreten. Für ihn übernahm Martin Ruta die operative Leitung der Bewährungshilfe und der Beratungsstelle «Gewaltfrei». Martin Ruta war bereits sechs Jahre als Mitarbeiter der Bewährungshilfe Aargau tätig.