Flugverkehr

Fahrwerkprobleme: Swiss-Airbus kreist eine Stunde lang über dem Aargau

Ein Airbus A340 der Swiss hatte Probleme mit dem Fahrwerk

Ein Airbus A340 der Swiss hatte Probleme mit dem Fahrwerk

Wegen Problemen mit dem Fahrwerk hat ein Swiss-Flieger am Donnerstagabend seinen Flug von Zürich ins brasilianische São Paulo abbrechen müssen. Der Airbus A340 kreiste rund eine Stunde lang über dem Aargau, bevor er wieder sicher in Kloten landete.

Rainer Röder staunte nicht schlecht, als er einen Airbus A340 über seinem Wohnort Erlinsbach kreisen hörte. «Das waren etwa 3000 Meter Flughöhe. Da stimmt doch was nicht, dachte ich mir», so Röder zur «Nordwestschweiz». Dann konsultierte er den Flugradar. Wie die Aufzeichnungen auf flightradar24.com dem Erlinsbacher Aviatikfan zeigten, drehte die Maschine von Flug LX92 mit Ziel Sao Paulo über Spreitenbach in Richtung Fricktal ab, ehe sie über weiten Teilen des Aargauer Juraparks ihre Schlaufen zog.

So kreiste LX92 über dem Aargau.

So kreiste LX92 über dem Aargau.

Aus ihrem Weiterflug in Richtung Brasilien wurde nichts. Die Swiss-Maschine zog schliesslich eine weitere Schlaufe über dem Emmental und landete mit ihren Passagieren eine Stunde nach Abflug um halb ein Uhr nachts wieder in Zürich Kloten, wie die Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack gegenüber der «Nordwestschweiz» bestätigt.

Maschine hatte Fahrwerkprobleme

Bei Rainer Röder und am Nachthimmel über dem Aargau kehrte Ruhe ein, doch bei den gestrandeten Swiss-Reisenden begannen damit erst die Strapazen. Einzig die 43 Business-Passagiere wurden in Hotels einquartiert. Die Economy-Passagiere wurden noch im Flugzeug verpflegt – am Standplatz beim Gate. Danach wurden ihnen notdürftig Matratzen in einem Massenlager zugeteilt. Die Passagiere verbrachten eine unangenehme Nacht im Flughafengebäude. Erst um 9 Uhr diesen Vormittag konnten sie doch noch Zürich mit einer anderen Maschine in Richtung Sao Paulo verlassen.

Was war passiert? «Das linke Hauptfahrwerk konnte nicht eingefahren werden», sagt Swiss-Pressesprecherin Ziesack. Für die Passagiere hätte nie eine Gefahr bestanden. Trotzdem werde in solchen Fällen der Flug abgebrochen. Der Grund: Wegen der schlechten Aerodynamik steige der Treibstoffverbrauch. Letztlich sind es also ökonomische Gründe, die die Swiss-Maschine umdrehen liessen.

Kerosin abgelassen über Jurapark?

Die Fluggesellschaft wollte Kerosin sparen – trotzdem löste sich ein Teil des Kerosins sprichwörtlich in Luft auf. Um nicht zu schwer für die ausserplanmässige Landung zu sein, musste eine Minimalmenge Kerosin abgelassen werden.

Wer die Flugroute von LX92 betrachtet, fragt sich: Hat der Pilot das Kerosin ausgerechnet über dem regionalen Naturpark, dem Aargauer Jurapark abgelassen? «Die Maschine hat über verschiedenen Kantonen gekreist. Sie befand sich in genügender Höhe, so dass das Kerosin in der Luft verdampfte», sagt Swiss-Sprecherin Ziesack.

Mit «wenig» Übergewicht landete das Flugzeug wenig später sicher in Kloten. Doch warum behielt die Fluggesellschaft die Economy-Passagiere auch am sicheren Standplatz noch in der Kabine und gönnte ihnen kein Hotelzimmer? «Die meisten Hotels waren bereits ausgebucht. Wegen der Leichtathletik-EM, die dieses Wochenende in Zürich beginnt, waren nicht genügend Zimmer mehr verfügbar», so Ziesack. In solchen Fällen würden Hotels in einem weiten Umkreis abgeklappert.

Kehrt ein Flugzeug aufgrund technischer Probleme auf den Flughafen Zürich zurück, wird stets die Feuerwehr vorsorglich aufgeboten. So auch bei der Rückkehr von LX 92.

Ein Screenshot der Webcam auf dem Flughafen Zürich. Feuerwehr war vor Ort.

Kehrt ein Flugzeug aufgrund technischer Probleme auf den Flughafen Zürich zurück, wird stets die Feuerwehr vorsorglich aufgeboten. So auch bei der Rückkehr von LX 92.  

Auch die Verpflegung an Board habe nichts mit Geiz zu tun: «Zur entsprechenden Nachtzeit waren am Flughafen Zürich bereits sämtliche Restaurants zu», sagt Ziesack.

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