Fahrende

Fahrende verärgern Anwohner

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Anwohner des Platzes für Fahrende im Gebiet Gräubern in Liestal kritisieren Stadtrat. Auf dem Durchfahrtsplatz in Liestal hat Anfang August eine Razzia stattgefunden. Weder die Polizei noch die Behörden haben darüber berichtet.

Alessandra Paone

In den höchsten Tönen hatten Liestals Stadtpräsidentin Regula Gysin und Stadtrat Lukas Ott am Mittwoch in der bz den Durchfahrtsplatz für Fahrende im Gebiet Gräubern gelobt. Umso mehr lässt ein Leserbrief eines Anwohners in der Freitagsausgabe der bz aufhorchen.

Beim Lesen des Zeitungsberichts sei ihm und anderen Anwohnern die Galle hochgekommen, schreibt Heinz Marending. Seine Kritik: Die Stadt erwähne nur das Positive, verschweige aber die wahren Probleme. Denn der Platz sei in diesem Jahr «entgegen der Abmachung» auch von Roma aufgesucht worden, die sich aber nicht an die gängigen Regeln gehalten hätten.

«Wir haben grundsätzlich nichts gegen diese Leute, aber gegen ihre Kultur», sagt Heinz Marendings Frau, Jolanda Marending, auf Anfrage. Es gehe nicht an, dass sie bis spätnachts Lärm machen und auf dem Spielplatz ihre Notdurft verrichteten. Der ehemalige Stadtrat Heinrich Karrer habe ihnen versprochen, der Platz sei nur für Jenische mit Schweizer Kontrollschildern zugänglich.

Am Abend des 1. August wurde es den Anwohnern aber endgültig zu bunt. Sie verständigten die Kantonspolizei, die dann auch sogleich heraneilte. Laut Polizeisprecher Meinrad Stöcklin befand sich auf dem Platz etwa ein Dutzend Autos mit britischen Kontrollschildern – also keine Roma.

Weil der Durchfahrtsplatz von der Stadt Liestal betrieben wird, wurde auch der Leiter der Stadtpolizei René Nebel zugezogen. Dieser bat die Fahrenden, das Gebiet bis am nächsten Morgen zu verlassen. «Wir haben sie nicht fortgejagt», betont Nebel. Ausserdem stehe nirgends geschrieben, dass der Platz ausschliesslich Fahrenden aus der Schweiz offen stehe. Trotz Versprechen, abzureisen, waren die fremden Gäste am nächsten Morgen jedoch immer noch dort.

Nach langem Hin und Her begleitete Nebel schliesslich einen Teil der Fahrenden nach Läufelfingen. Damit waren die Probleme aber nicht gelöst. Denn in der Zwischenzeit hatte der Platzwart bei einer Kontrolle einen Lieferwagen voll mit minderwertigen Kettensägen entdeckt.

Zollvergehen festgestellt

Nach diesem Fund kontaktierte Stadtpolizist René Nebel die Kantonspolizei. Es wurden Leute von der Sicherheits- und Kriminalabteilung sowie der Grenzwache und Zollfahndung aufgeboten. Diverse Personen und Fahrzeuge wurden kontrolliert. «Die Ware war zwar nicht gestohlen, aber auch nicht verzollt worden», sagt Stöcklin. Ob die Kettensägen beschlagnahmt wurden, kann er nicht sagen. Dies sei Sache des Zollinspektorats.

Die Polizei verzichtete darauf, die Medien über die Razzia zu informieren. Es habe keinen Anlass dazu gegeben, so Stöcklin. Stattdessen beschränkte sie sich darauf, in einer Medienmitteilung vom 3. August vor dem Kauf von minderwertigen Kettensägen zu warnen. Der Meldung war eine Anzeige eines Geschädigten vorausgegangen. Dieser hatte eine Säge im Wert von 35 Euro für 800 Franken gekauft.

Der Stadt war die Grosskontrolle ebenfalls keine Meldung wert. «Wir haben die Probleme nicht absichtlich verschwiegen», weist Stadtpräsidentin Regula Gysin jeglichen Vorwurf von sich. Da eine Lösung gefunden worden sei, habe man es schlicht nicht für nötig gehalten, im Nachhinein darüber zu berichten. Ausserdem sei es normal, dass es hin und wieder Reklamationen gebe. Deswegen dürfe man aber nicht a priori alle Vergehen den Fahrenden anlasten.

Die Kritik, die Behörden wüssten nicht, wer sich auf dem Platz aufhalte, lässt die Stadtpräsidentin ebenso wenig auf sich sitzen. Denn alle Fahrenden müssten sich vorher im Rathaus anmelden.

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