WhatsApp

Facebook sichert sich mit dem Kauf von Whatsapp eine Flut persönlicher Daten

Facebook hat für 19 Milliarden Dollar den Messaging-Dienst WhatsApp übernommen. Der Deal dürfte die Situation in Bezug auf den Datenschutz kaum entspannen. Schweizer Datenschützer beobachten die Entwicklung von Facebook mit Besorgnis.

Ein Bikini-Foto hier, ein Familienvideo da, ein Liebesgeständnis dort - per Whatsapp lassen sich Botschaften bequem und gratis verschicken.

Entsprechend beliebt ist der Dienst: Weltweit hat Whatsapp die 450-Millionen-User-Grenze bereits geknackt - täglich kommen neue Benutzer hinzu.

Und auch in der Schweiz wird der Gratis-Nachrichtendienst eifrig verwendet. Die Gefahren blenden dabei viele aus: Was genau mit den teils heiklen Daten passiert, ist unklar.

Der Verkauf von Whatsapp dürfte die Situation in Bezug auf den Datenschutz kaum entspannen. Der neue Besitzer Facebook ist bekannt dafür, im grossen Stil persönliche Informationen zu sammeln.

Facebook baut Privatsphäre ab

Im Team des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) beobachtet man die Entwicklung mit Besorgnis: «Die Zusammenführung von Facebook und Whatsapp wäre problematisch, da so sehr umfassende Kommunikations- und allenfalls Persönlichkeitsprofile entstünden.»

Ein zentrales Problem bei Whatsapp sei, dass die Applikation auf das Telefonbuch der Nutzer zugreife und somit Daten von Freunden, Bekannten und anderen Personen übermittle, ohne diese darüber zu informieren.

Damit verstärken Marc Zuckerberg und seine Mitarbeiter die Bemühungen, möglichst viel über die User zu erfahren.

«Facebook baut Schritt für Schritt die Privatsphäre ab», sagt IT-Sicherheitsberater Marc Ruef.

Mit dem umfangreichen Datenmaterial liesse sich viel Geld verdienen. «Durch die Übernahme von Whatsapp haben sie nun auch Zugriff auf Adressbücher inklusive Telefonnummern.»

Die Präsidentin des Datenschutzforums Schweiz Ursula Uttinger beobachtet die Entwicklung ebenfalls skeptisch: «Facebook hat nun noch mehr Daten, um die Leute etwa durch personalisierte Werbung zu manipulieren.»

Ausserdem sei es gut möglich, dass im Hintergrund Staaten Zugriff auf die Informationen verlangen - wie das Beispiel der NSA gezeigt habe.

So könne etwa ein blöder Witz über eine Bombe plötzlich zu Problemen bei der nächsten Auslandreise führen.

Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden Dollar

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Whatsapp ist unsicher

Von einer dramatischen Verschlechterung im Bereich Datenschutz wollen aber weder Ruef noch Uttinger sprechen. Whatsapp sei seit Anfang an kein sicherer Dienst, um heikle Informationen auszutauschen, sind sich beide einig - obwohl WhatsApp stets das Gegenteil beteuerte.

Datenschützerin Ursula Uttinger würde deshalb nie Mitteilungen auf diesem Weg verschicken. «Gratis ist heutzutage nichts mehr. Bezahlt wird mit Daten, dem Gold von morgen.»

Marc Ruef rät, nur diejenigen Informationen zu verschicken, die «nicht wehtun, wenn sie publik werden».

Die verschickten Fotos, Videos und Mitteilungen landen auf Servern in den USA, wo sie zumindest vorübergehend gelagert werden.

Durch das Löschen von Whatsapp ist das Problem nicht gelöst - die automatisch synchronisierten Adressbücher sowie die Mitteilungen dürften deswegen nicht von den Servern verschwinden.

Der Rat des Edöb lautet deshalb: «Personen, die Whatsapp künftig nicht mehr verwenden wollen, können vom Anbieter die Löschung ihrer Daten verlangen und ihm deren weitere Verwendung untersagen.»

Alternativen zu Whatsapp kommen auch von Schweizer Anbietern: Threema oder myEnigma werben mit dem Schutz der Privatsphäre.

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