Jörg Meier

DIESE MELDUNG kam um 11.19 Uhr via Agentur: In der Krise hätten Bundesbern und Experten an Glaubwürdigkeit verloren, hiess es da. Ein Experte wurde zitiert, der eine repräsentative Umfrage interpretierte, die zum Schluss kam, dass nur noch 56 Prozent der Schweizer Bevölkerung dem Bundesrat vertrauen, dem Parlament gar nur noch 53 Prozent. Noch weniger Vertrauen hat das Schweizervolk in die vielen Experten, die da zur Finanzkrise auftreten und Prognosen und Erklärungen aller Art abgeben. Die Glaubwürdigkeit der Experten liegt noch bei 46 Prozent, sagte der Experte aus.
Die zitierte Studie war auch von Experten verfasst worden.

UND DIESE MELDUNG kam um 11.51 Uhr, auch via Agentur: Die Experten von der Konjunkturforschungsstelle meldeten, die Schweiz stecke weiterhin im Konjunkturtunnel. Allerdings gebe es an dessen Ende eine Aufhellung. Ende Jahr aber werde die Rezession noch nicht vorbei sein. Klar sei aber, dass 2010 deutlich besser werde als 2009.

JEDE DIESER beiden Meldungen ist für sich plausibel. Beide zusammengenommen führen den Leser in ein unlösbares Dilemma. Denn glaubt er die erste Meldung - dass Experten nicht glaubwürdig sind -, dann müsste er ihr sogleich misstrauen. Und glaubt er ihr dennoch, dann muss er spätestens Meldung zwei misstrauen. Denn da sind ja schon wieder am Experten am Werk.
Aber was ist, wenn diesmal die Experten vollumfänglich recht haben? Wahrscheinlicher aber ist: Sie irren sich wiederum gleich doppelt.

VIELLEICHT WÄRE es besser, die beiden Meldungen gar nicht zu veröffentlichen. Oder höchstens eine. Die erste. Oder doch besser die zweite?

joerg.meier@azag.ch