«Existenziell wichtig für uns»

Hansruedi Wirz, Präsident des Früchte-Zentrums Basel, erklärt, wie sich die aus anderen Branchen bekannten Qualitätssicherungs-Systeme im Obstbau etablieren.

Bauern sind in der Regel allergisch gegen Regulierungen und administrativen Aufwand. Ihr QS-33 erinnert aber an die Gurkenkrümmungsnorm der EU . . .
Hansruedi Wirz: . . . nein, das ist nicht so. Wir haben uns mit QS-33 ein System geschaffen, mit dem wir die Qualität der Zwetschgen in den Mittelpunkt stellen. Es war wichtig, von Beginn weg keine Massenproduktion aufzuziehen, bei der die innere Fruchtqualität nicht stimmt. Die Bauern machen gut mit.

Obstbauern scheinen bei Regulierungen Vorreiter. So haben viele das SwissGAP-System übernommen, gegen das sich beispielsweise die Kartoffelbauern wehren. Weshalb?
Wirz: Einerseits haben wir den bürokratischen Aufwand bei SwissGAP auf ein erträgliches Mass reduzieren können. Andererseits sind viele der SwissGAP-Kriterien bezüglich Hygiene und Betriebssicherheit auch berechtigt und bringen auch reale Verbesserungen. Das QS-33 dagegen ist vor allem auf die Qualität ausgerichtet. Deshalb ist es nicht mit SwissGAP vergleichbar: Es werden die praktischen Sachen kontrolliert. Hat der Bauer die Bäume geschnitten? Hat er die Zwetschgen ausgedünnt? Der Bauer wird nicht mit Papierausfüllen belästigt. Aber für die Abgrenzung gegenüber Importfrüchten ist diese Art der Qualitätssicherung existenziell wichtig.

Würde Ihnen Bundesrätin Leuthard so etwas vorschreiben, hätte sie nicht mit massivem Widerstand zu rechnen?
Wirz: Frau Leuthard sagt ja immer, wir sollten uns von anderen Produzenten abheben. Wir haben das QS-33 vor beinahe zehn Jahren selbst kreiert. Wenn man etwas selbst festlegt, funktioniert das halt immer besser, als wenn es einem aufgezwungen wird.

Sie haben im QS-33 neun Sorten Zwetschgen. Besteht durch diese Beschränkung nicht die Gefahr genetischer Verarmung?
Wirz: Nein. Wir haben im Gegenteil die Vielfalt gesteigert: Früher hatten wir in der Region die Sorten Bühler, Hauszwetschgen und Fellenberg. Wir wollen verhindern, dass das Angebot ausufert und wir uns mit zu vielen Neuzüchtungen endlos verzetteln. Wir nehmen deshalb neue Sorten erst einmal provisorisch ins Sortiment. Erst wenn wir die Erfahrung machen, dass sie den Qualitätsansprüchen entspricht, kommt sie auf die definitive Liste. Mit dem QS-33 haben wir die Kontrolle über die Flächen, auf denen jede Sorte angepflanzt wird und können deshalb die Erntemengen voraus abschätzen. Das ist für die Abnehmer wichtig. Mit zu vielen Sorten würde dies zu unübersichtlich. (dh)

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