Sandro Brotz

Herr Borer, haben Sie mit der Berner Polizei mitgelitten?

Léon Borer: Ja, ein gewaltiger öffentlicher, politischer und interner Druck lastete während langer Tage und Nächte auf der Polizeiführung. Endlich konnte der Täter gefasst werden. Die Fahndung ist erfolgreich abgeschlossen. Polizei und Bevölkerung von Biel werden bestimmt erleichtert sein. Jetzt wird es wichtig sein, herauszufinden, wie es zu den zwei Schusswechseln kam und warum es dem Rentner gelang, zweimal unerkannt zu flüchten.

Ist die Kritik gerechtfertigt?

Borer: Der Polizeieinsatz hinterlässt eine Reihe von Fragen auf deren Beantwortung die Öffentlichkeit, aber auch die Polizei anderer Kantone einen Anspruch anmelden dürfen. Der Polizeidirektor hat dieses Bedürfnis erkannt und erklärt, dass er den Ablauf genau abklären lassen will. Die Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, dienen der gesamten Schweizer Polizei. Die Sache sollte meines Erachtens sehr rasch angepackt werden.

Kann man als Kommandant eine solche Kritik einfach wegstecken?

Borer: Die Kritik bleibt natürlich im Hinterkopf, darf aber nicht lähmen. Man muss die Kritik ernst nehmen und sie gut analysieren. Kritik muss man ertragen, und mit etwas Distanz findet man dabei in der Regel viel gute und echte Substanz sowie berechtigte Hinweise auf Schwachstellen, um sich für den nächsten Einsatz zu verbessern.

Was passiert intern bei der Polizei?

Borer: Jetzt folgt ohne Verzug die seriöse kriminalistische Kleinarbeit, um die Abläufe zu klären, aber auch um erste Erkenntnisse über die Qualität der Polizeiarbeit zu gewinnen. Intern muss der Polizeikommandant nun ebenfalls den Fürsorgeaspekten grosse Beachtung schenken, denn ein solcher Grosseinsatz mit einem Schwerverletzten auf der Polizeiseite hinterlässt Spuren. Ich hoffe sehr, dass der verletzte Polizist sich gut erholt und den Dienst wieder aufnehmen kann. Meine besondere Sympathie gilt auch seinen Angehörigen.

Soll Peter K. verwahrt werden?
Borer: Peter K.  ist gefährlich und handelt rücksichtslos, stellt somit ein öffentliches Risiko dar. Eine psychiatrische Begutachtung wird mehr über die Persönlichkeit aussagen. Eine Verwahrung wird das Gericht sicher prüfen.