Gericht
Ex-Banker erleichterte seine Bekannten um Millionen

Als selbständiger Optionenhändler versprach er seinen Kunden saftige Gewinne, die er aber aus den Einlagen anderer Klienten finanzierte. Die 55 Geschädigten verlangen vom inzwischen mittellosen Angeklagten fast 8,5 Millionen Franken zurück.

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Rolf Schenk

Vor der Fünferkammer des Baselbieter Strafgerichts hat gestern ein auf 14 Tage Dauer anberaumter Prozess gegen einen Personalberater begonnen, der sich 1998 als Optionenhändler selbständig gemacht hatte.

Wohl zuerst nicht ganz freiwillig, wie Strafgerichtspräsident Adrian Jent gestern bei der eingehenden Befragung zur Person schliesslich aus dem Angeklagten herausgebracht hat. Es sei wohl eher «eine Zwangshandlung denn eine Wunschlösung» gewesen, liess sich der von ihm entlocken. Anlass für diese Kündigung war eine Reorganisation bei der Grossbank Credit Suisse (CS), bei welcher der Angeklagte einst eine kaufmännische Lehre absolviert hatte. 1990 kam er zur CS zurück, wo es der inzwischen zum Personalberater weiter ausgebildete Angeklagte bis ins Kader schaffte und später sogar Kundenberater im Retailbankengeschäft wurde.

Nach der Reorganisation wurde er jedoch in die Kreditabteilung «transferiert», was offenbar seine Kündigung ausgelöst hatte. Zwar hatte er sich während der Kündigungsfrist Ende 1997 noch als Personalchef bei der Basler Bürgergemeinde beworben, erhielt jedoch eine Absage.

Der heute 55-Jährige, der einmal von einer Profifussballer-Karriere geträumt hatte, aus gesundheitlichen Gründen jedoch darauf verzichten musste, wendete später einiges Geld auf, um seinen Söhnen eine Sportlerkarriere zu ermöglichen. Offenbar erfolglos, obwohl es die beiden in ihrer Sportart bei den Junioren zu mehreren Meistertiteln gebracht hatten.

Pensionskassengelder als Startkapital

Bereits während seiner Zeit bei der CS habe er mit einer «Scheinfirma» vom Arbeitsplatz aus Geschäfte mit Optionen gemacht. «Das macht doch jeder Banker so», erklärte er dem Gericht. Darum habe er sich auch entschlossen mit dem Optionenhandel den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu verdienen. Basis dafür waren seine Pensionskassengelder von gut 100 000 Franken, die er in einem Jahr verdoppeln wollte. Dass er zu dieser Zeit von den Steuerbehörden der stadtnahen Vorortsgemeinde bereits einen Zahlungsaufschub für Steuerschulden verlangen musste, hat er einfach ignoriert.

Seinen späteren Kunden, die er hauptsächlich im eigenen Bekanntenkreis angeworben hat, habe er keine Verdoppelung ihrer Einlagen versprochen, schwächte er ab. Immerhin hatte er ihnen jedoch saftige Gewinne von bis zu 30 Prozent versprochen. Dass das bei diesen extrem risikoreichen Geschäften nicht haltbar war, gab er gestern schliesslich zu. Darum musste er in der Folge Forderungen seiner Kunden aus den Einlagen der übrigen Klienten begleichen.

Insgesamt läpperten sich schliesslich fast 13 Millionen Franken zusammen, die er als Händler und Vermögensverwalter für seine Geschäfte eingesetzt hat. Das Besondere Untersuchungsrichteramt (BUR) klagt ihn deshalb unter anderem des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Veruntreuung und der Urkundenfälschung an. Die gemäss den Zivilforderungen ermittelte Schadensumme beträgt 8,48 Millionen Franken.

Bei der Befragung durch den Vorsitzenden zeigte der Angeklagte, der auch einen Suizidversuch unternommen hat, gestern immer wieder Gedächtnislücken. Ob sie echt sind, könnte wohl nur ein medizinisches Gutachten klären. Einen entsprechenden Antrag wollte sein Pflichtverteidiger jedoch nicht stellen, sondern bat nur, diese Möglichkeit bei der Urteilsfindung allenfalls zu berücksichtigen.

Die Plädoyers sind für den kommenden Montag vorgesehen, das Urteil soll am 25. oder 26. Juni eröffnet werden.