Milchpreis

Europäische Milcherzeuger löffelten ihre Suppe selber aus

Nach gemeinsamem Milchsuppenessen demonstrieren die EMB-Vorstandsmitglieder Einigkeit. Links BIG-M-Präsident Martin Haab sowie EMB-Präsident Romuald Schaber, Dritter von links. (Bild Martin Platter)

Milchpreis

Nach gemeinsamem Milchsuppenessen demonstrieren die EMB-Vorstandsmitglieder Einigkeit. Links BIG-M-Präsident Martin Haab sowie EMB-Präsident Romuald Schaber, Dritter von links. (Bild Martin Platter)

Zum Abschluss der Sommerkonferenz des European Milk Board (EMB) beim Kappeler Milchsuppenstein gaben sich die Delegierten kämpferisch. Setzt sich der Milchpreiszerfall fort, droht ein europaweiter Milchlieferboykott.

Von Martin Platter

Martin Haab, Präsident der bäuerlichen Interessengruppe für Marktkampf (BIG-M) hat für den Abschluss der EMB-Sommerkonferenz am letzten Donnerstag absichtlich den Platz beim Kappeler Milchsuppenstein gewählt. In seiner Ansprache erklärte das EMB-Vorstandsmitglied die historischen Zusammenhänge, die sich an diesem Platz abgespielt hatten. Allerdings räumte Haab ein, dass es zwei Jahre nach dem gemeinsamen friedlichen Milchsuppenessen der katholischen und protestantischen Streitparteien auf der Grenze zum Kanton Zug dann 1531 doch noch zu einem blutigen Bruderkrieg gekommen war.


Dieser droht nun auch auf wirtschaftlicher Ebene, sollte sich der rapide Milchpreiszerfall weiter fortsetzen. «Wir haben die unfaire Marktpolitik auf dem Buckel der Milchproduzenten satt», sagte Haab. Es müssten umgehend Gesetzesanpassungen vorgenommen werden, welche die Balance zwischen Angebot und Nachfrage verankerten. Das von den Verarbeitern provozierte Überangebot an Milch habe sich fatal auf den Preis ausgewirkt.

Kanada als Vorbild
In Kanada dagegen bestehe seit Jahren ein funktionierendes System zur Regelung der Milchmenge. Deshalb sei eine Delegation der Diary Farmers of Canada an der dreitägigen EMB-Sommerkonferenz im Kloster Kappel beratend zur Seite gestanden. Ziel des EMB sei, das kanadische Konzept auch auf den Schweizer und die europäischen Märkte anzuwenden, führte Haab aus.


Noch deutlicher wurde EMB-Präsident Romuald Schaber: «Der Milchpreiszerfall in einzelnen Mitgliedsländern beträgt bereits gegen 40 Prozent. Wir können das wirtschaftlich nicht mehr länger verkraften.» Der Systemwechsel, hin zu einer marktorientierten Milchproduktion, bei dem die Bauern ein Mitspracherecht hätten, müsse deshalb baldmöglichst vollzogen werden.


Als weitere dringliche Massnahme forderte der EMB-Präsident die sofortige Reduktion der europaweiten Milchproduktionsmenge um fünf Prozent. «Sollten sich die Politiker den dringend notwendigen Reformen verschliessen, ist ein erneuter, europaweiter Milchlieferstreik unausweichlich», sagte Schaber. Darin seien sich alle Tagungsteilnehmer aus Nord-, Süd-, West- und Osteuropa einig.

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