Schnee
Europa zwischen Idylle und Chaos

Atemberaubende Landschaften, nervenaufreibendes Warten: Der Winter bereitet Reisenden weiterhin Schwierigkeiten.

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Flanieren am verschneiten Hamburger Hafen, Langlaufen im Stockholmer Stadtpark oder vom Eiffelturm über die weissen Dächer von Paris schauen – so idyllisch kann Europa in diesen Tagen sein. Doch Schnee und Eis haben an einem der verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres auch den Flug- und Bahnverkehr in Europa gelähmt.

Probleme auf Schienen

Fluggesellschaften rieten zum Umsteigen auf Züge, doch bei der Bahn sah es nicht viel besser aus: Viele Züge waren überfüllt, verspätet oder fielen aus. Die Deutsche Bahn empfahl, für Sonntagnachmittag geplante Zugfahrten zu verschieben. «Die Flugpläne sind völlig durcheinander», sagte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens. Hier wurden bis Sonntagabend knapp die Hälfte der rund 1300 Flüge gestrichen. Tausende Reisende stauten sich in den beiden überfüllten Terminals. Am Samstag lagen am Check-in die Nerven blank: Als frisch angekommene Fluggäste versuchten, eine neue Schlange zu bilden, sahen einige seit Stunden festsitzende Reisende rot. Die Polizei musste einschreiten.

Besonders schwer war am Wochenende Europas grösster Passagierflughafen London-Heathrow betroffen, der schliesslich sogar geschlossen wurde. Tausende Passagiere sassen fest und schliefen unter Isolier-folien auf dem harten Fussboden. Heathrow sollte heute wieder öffnen, rechnet aber mit weiteren Flugausfällen. Auch der Betrieb an den Flughäfen in Lüttich und Charleroi sowie in Luxemburg wurde zeitweise eingestellt. Ebenso bereiteten sich in Brüssel 1500 Passagiere auf eine zweite Nacht im Terminal vor.

Schweizer Flughäfen betroffen

Genf-Cointrin musste am Freitagmorgen geschlossen werden. Weil aber die Flughäfen in Paris, London und Frankfurt auch am Sonntag noch mit grossen Problemen zu kämpfen hatten, fielen bis zum Sonntag an die 200 Flüge aus. In Zürich-Kloten wurden bis zum Sonntagnachmittag 335 annullierte Flüge gezählt. Betroffen seien mehr als 1000 Passagiere gewesen, die aus Zürich hätten abfliegen wollen, sagte Maurus Stocker, Dienstleiter Betriebszentrale, auf Anfrage. 20 Passagiere ohne Schengen-Visum sind derzeit am Flughafen gestrandet, weil ihre Flüge nicht in London landen konnten. In Basel mussten angesichts des Flugplans und der Grösse des Flughafens weniger Flüge annulliert werden. Es kam dennoch zu wetterbedingten Annullationen in Dutzenden von Fällen.

Zwei eiskalte Nächte hat Grenchen hinter sich. In der Nacht auf Sonntag sank die Temperatur auf –14,6 Grad, in der Nacht zuvor wurden –13,9 Grad gemessen, wie Meteonews mitteilte. Kalt war es in der Nacht auf Sonntag mit –16 Grad auch in Bern. Den Rekord dieses Winters mit –31,4 Grad hält weiterhin La Brévine im Neuenburger Jura.

Für die kommenden Tage kündigten die Meteorologen von SF Meteo mildere Temperaturen an. Trotzdem seien die Chancen auf weisse Weihnachten intakt – dank den Schneemassen. Nach dem Wochenende falle zunächst noch Schnee bis ins Mittelland, danach gebe es zeitweise Regen, bei Temperaturen knapp im Plusbereich. (dpa/sda)