Johannes Reichen

Die Radiostationen können die Verkehrsmeldungen für den kommenden Frühling schon jetzt niederschreiben. In den nächsten zwei Jahren wird die Stadttangente Bern zwischen Wankdorf und Bümpliz (siehe Kosten) umfassend saniert. Es wird dann «eng auf den Strassen Berns», sagte gestern Gemeinderätin Regula Rytz (Grüne) vor den Medien. Stau auf der Autobahn ist vorprogrammiert.

Jeweils zwischen März und Oktober in den Jahren 2010 und 2011 wird auf der Autobahn A1 ein Fahrstreifen weniger zur Verfügung stehen. Zwischen Bern-Neufeld und Bern-Wankdorf sind in Richtung Zürich nur noch zwei Spuren geöffnet; in der Gegenrichtung bleibts bei drei Spuren.

Diese eine fehlende Spur hat grosse Auswirkungen. 3800 Fahrzeuge können noch geschluckt werden, zu den Spitzenzeiten befahren aber pro Stunde zwischen 4500 und 5000 Fahrzeuge in Richtung Zürich: Für einen flüssigen Verkehr sind das 1000 Fahrzeuge zu viel.

Auwirkungen in der Stadt

«Wir wollen den Verkehr auf der Autobahn behalten», sagte David Wetter, Chef der Thuner Filiale des Bundesamts für Strassen (Astra), das seit 2008 alleine für die Nationalstrassen zuständig ist. Es wird aber dennoch damit gerechnet, dass sich 350 Fahrer je Stunde einen Weg durch die Stadt bahnen.

«Die Menschen, die in Bern wohnen und arbeiten, werden sehr stark betroffen sein», sagte Rytz. Darum wollen es Stadt und Bund nicht darauf ankommen lassen. Bauliche Massnahmen wird es nicht geben. Es sind eher Eingriffe kosmetischer Art, die Vestopfungen verhindern sollen - und den Ausweichern das Leben schwer machen wollen.

Vorfahrt für öffentlichen Verkehr

Bei den Autobahnanschlüssen wird der Vekehr dosiert, das Ampelregime wird angepasst, auch gibt es neue Lichtsignalanlagen, zum Teil Durchfahrtsbeschränkungen und neue Spuren für Busse und Abbieger. Zudem soll der öffentliche Verkehr in verstärktem Mass Vorfahrt geniessen. «Das alles ist eine enorme Herausforderung», sagte Stadtingenieur Hans-Peter Wyss.

Erschwerend kommen die zahlreichen Baustellen hinzu, etwa für das Tram Bern-West, den Wankdorfplatz oder den neuen Feuerwehrstützpunkt. Die Hindernisse sind im Konzept berücksichtigt. «Wir wollen keinen Verkehrskollaps», sagte Wyss. Auf wichtigen Routen durch die Stadt - etwa den Verbindungen über die Monbijoubrücke oder den Bahnhofplatz - wird in den nächsten beiden Jahren nicht gebaut.

Umsteigen oder bleiben

«Wir rechnen in den Spitzenstunden mit etwa 350 Fahrzeugen», sagte Wyss zum erwarteten Schleichverkehr. Es gibt aber noch eine weitere Route übers Land, die von ungeduldigen Fahrern rege benutzt werden dürfte. Auf der Strecke von Bern-Bethlehem über Wohlen, Kirchlindach und Zollikofen nach Schönbühl gibt es ebenfalls Anpassungen.

Die Verantwortlichen hoffen aber, dass die Autofahrer auf den öffentlichen Verkehr umsteigen - oder wenigstens auf der Autobahn bleiben. «Auch mit Stau ist die Autobahn der schnellste Weg», sagte Wetter. So können sich die Radiosprecher den einen gängigen Satz sparen. Denn eine Umfahrung ist nicht signalisiert.