Geroldswil
«Es war ein idealer Job»

33 Jahre stand Susi Meierhofer im Dienst der Geroldswiler Bibliothek. Ende Jahr verlässt sie die Bibliothekl. Mit ihr geht das letzte Mitglied der «Bibliothekarinnen der ersten Stunde».

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Susi Meierhofer

Susi Meierhofer

Limmattaler Zeitung

Sandro Zimmerli

«Ein wenig Wehmut schwingt mit», sagt Susi Meierhofer. Ende Jahr geht die Geroldswiler Bibliothekarin in den Ruhestand und mit ihr auch ein Stück Dorfgeschichte. 33 Jahre lang hielt sie der Bibliothek die Treue. Jener Bibliothek, die sie selber mithalf aufzubauen. Mit Susi Meierhofer verabschiedet sich das letzte Mitglied der so genannten «Bibliothekarinnen der ersten Stunde». Einer Gruppe von Frauen, die 1976 damit begannen, die Gemeindebibliothek vorzubereiten.

«Damals veröffentlichte der Gemeinderat ein Inserat. Er suchte Leute, die helfen wollten eine Bibliothek zu gründen und zu betreiben», erinnert sich Meierhofer. Das sei ein idealer Job gewesen. «Für mich als Mutter von kleinen Kindern war es sehr praktisch im Dorf zu arbeiten», sagt Meierhofer. Zudem hätten sie Bücher schon immer interessiert. «Ich musste keinen Moment überlegen, um ich zu melden», hält sie fest.

Anstrengende Handarbeit

Bevor das Abenteuer «Bibliothek» gestartet werden konnte, mussten zuerst Bücher beschafft werden. «Viele Bücher bekamen wir von der Bevölkerung. Im Schulhaus waren wir dann ein Jahr lang damit beschäftigt, die Bücher einzubinden», so Meierhofer. Gleichzeitig habe man im Schulhaus Weiningen das Katalogisieren geübt.

Eine mitunter anstrengende Handarbeit, die erst in den 90er-Jahren durch den Computer erleichtert wurde. «Die Einführung des Computers war sicher die grösste Veränderung im Bibliothekswesen», erklärt Meierhofer. Von Vorteil sei gewesen, dass sie gleichzeitig bei einem Ingenieurbüro gearbeitet habe und sich so Kenntnisse bei der Computeranwendung aneignen konnte.

Einen Wandel erlebte die Bibliothek aber nicht nur im Bereich der Datenerfassung. Auch das Angebot habe sich stetig weiterentwickelt, sagt Meierhofer. «Die Non-Book-Abteilung, also das Angebot an DVD und CD ist in den letzten Jahren stark gewachsen», sagt die Bibliothekarin. In den 70er-Jahren seien vor allem Romane bei den Kunden gefragt gewesen.

Besonders bei der jüngeren Kundschaft steige aber die Nachfrage nach Computerspielen. «Gleichzeitig werden Sachbücher immer weniger verlangt. Viele Leute greifen lieber auf das Internet zurück, als sich aus Büchern über ein Thema zu informieren», so Meierhofer. Einzig dem Krimi habe dieser Wandel nichts anhaben können. Er gelte nach wie vor als Klassiker-Genre.

«Obwohl es spannend war all diese Veränderungen mitzumachen, waren die Begegnungen mit den vielen Menschen immer das Schönste für mich», blickt Meierhofer zurück. Sie habe während ihrer Tätigkeit viele Kinder heranwachsen sehen. «Vor Jahren kamen sie mit ihren Müttern in die Bibliothek. Mittlerweile sind sie selber Eltern und nehmen ihre Kinder mit», sagt Meierhofer. Zudem habe sie es auch genossen in einem guten Team zu arbeiten. «Das werde ich mit Sicherheit vermissen. So oft es geht, werde ich die Bibliothek als Kundin besuchen.»