Findeltiere
Es miaut und grunzt bei Forsters

Die Kleintierhilfe der Familie Forster in Aarwangen betreut Katzen, Meerschweinchen, Zwerghasen und ein Minipig. Zum Glück für die Tiere, nicht immer zur Freude der Nachbarn.

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Tierliebhaberin

Tierliebhaberin

Solothurner Zeitung

Irmgard Bayard

«Ich möchte einmal ganz klar festhalten, dass nicht alle Katzen, die in den Gärten der Nachbarn ihr Geschäft erledigen, aus unserem Haus kommen», sagt Alexandra Forster aus Aarwangen. Die 23-Jährige setzt sich seit ihrer Kindheit für Tiere ein. «Ich war 13, als wir in der Schule für die Menschen im Kosovo Hilfsgüter sammelten. Gleichzeitig hörten wir, dass vieles gar nicht dort ankommt», erzählt die junge Frau. «Also wollte ich lieber in meiner Umgebung helfen.»

Gedacht, getan. Das Mädchen sammelte alte Gegenstände und richtete sich in einem kleinen Raum einen Floh-markt ein, vorerst in Wiedlisbach, später in Niederbipp. Heute führt «Alexandra's Fundgruebe» auf über 600 Quadratmetern und dreieinhalb Etagen je zur Hälfte alte und neue Artikel, auch für Tiere. Wie vor über neun Jahren wird heute noch mit dem Reinerlös aus dem Verkauf der Waren die Kleintierhilfe in Aarwangen finanziert.

Die ganze Familie hilft mit

«Wir beherbergen zur Zeit 22 Katzen, 36 Meerschweinchen, sieben Zwerghasen und ein Minipig», zählt die gelernte Pflegeassistentin auf. Bei der Betreuung wird sie von ihrer Mutter Corinne unterstützt, ihr Vater Hansjörg ist «fürs Grobe» zuständig, das heisst, er baut und flickt wo nötig die Gehege usw. Alle zusammen bewohnen ein Zweifamilienhaus.

«Die meisten sind Findeltiere», sagt Corinne Forster. «Wir haben sie eingefangen, geimpft und kastriert respektive sterilisiert.» Vielfach würden die Tiere auch einfach abgegeben mit dem Hinweis, «entweder ihr nehmt sie oder wir bringen sie um». In Niederbipp habe einmal bei der Tankstelle im Abfallkorb eine Katze gesteckt, «einmal hing bei uns ein Plastiksack mit lebenden Meerschweinchen an der Gartenhecke», erzählt Alexandra Forster. Sie appelliert deshalb an die Tierhalter: «Überlegt euch gut, ob ihr euch ein Tier anschafft. Und wenn ja, dann lasst es impfen und kastrieren.»

Die ersten Jahre gab es mit den Nachbar kaum Probleme. Erst mit Kater Tequila fingen
die Diskussionen an. Das Tier war mehr bei der Nachbarin im Bauernhof anzutreffen, als bei Forsters. Nach einigem Hin und Her einigte man sich darauf, dass der Kater bei der Nachbarin wohnen dürfe, aber weiterhin den Forsters gehöre, die ihn gechipt hatten und auch weiterhin tierärztlich betreuen wollten.

Ansichten gingen auseinander

Als das Tier schliesslich krank wurde, kam es zwischen den Familien zu Unstimmigkeiten. «Wir wollten, dass der Kater zu unserem Tierarzt in die Klinik nach Derendingen gebracht wird, weil dieser ihn kennt und genau weiss, welche Medikamente er benötigt», sagt die 50-jährige Corinne Forster. Er sei so krank gewesen, dass er bei ihr im eigenen Urin gelegen habe, erzählt die Nachbarin.

Sie habe den Kater dann zu ihrem Tierarzt gebracht, erklärt die 71-Jährige, die nicht namentlich genannt werden möchte, den Sachverhalt. «Der Tierarzt hat den Kater geröntgt und gesagt, er habe Krebs», sagt sie. «Ich wollte nicht, dass Tequila aufgeschnitten, sondern dass er von seinem Leiden erlöst wird.»

Ganz anders sehen das Fors-ters. «Wir waren mehrmals mit Tequila in der Tierklinik, wo keine Krankheit festgestellt wurde. Man riet uns, vorläufig zuzuwarten und uns bei Bedarf wieder zu melden.» Ob das Tier heute noch lebt? Dazu wollen sich Forsters nicht äussern. «Nein», sagt die Nachbarin. «Ich habe die Bestätigung des Tierarztes gesehen. Das Tier ist während der Operation gestorben.»

Seit diesem Vorfall ist die Luft zwischen den Familien dick. Die Nachbarin spricht von «grossen Problemen», welche die Katzen machten. Sie seien in grosser Anzahl im und um ihr Bauernhaus anzutreffen, «und machen ihr Geschäft überall hin». Das seien nicht alles ihre Tiere», sagen Forsters. «Im Gebiet Muniberg hat es sehr viele neue Häuser, die Katzen haben nicht mehr so viel Platz wie früher, also kommen sie ins Dorf», so ihre Begründung. «Ich kenne doch die Katzen von Forsters», entgegnet die Nachbarin auf diese Aussage.

Die zweite Nachbarsfamilie stört sich weniger an der Katzenvielfalt. «Es sind schon etwas viele und mehr sollten es nicht werden», sagt Claudia Kurt zwar. Aber auch: «Problematisch ist es nicht.» Wenn etwas sei, so würden sie sich direkt an die Familie wenden, sagt die 34-Jährige.

Suche nach einem neuen Heim

«Mehr Tiere können wir gar nicht aufnehmen», bestätigen auch Forsters, die schon mit anderen Tierheimen zusammenarbeiten. Der Grund ist einerseits der Platz, andererseits sind es die Kosten. «Futter, Tierarzt und Pflege sind sehr teuer», so Alexandra Forster. Sie seien deshalb froh, wenn sie unterstützt würden.

«Wir nehmen gerne Futter, aber natürlich auch Geld für die Tierkosten entgegen», betont Alexandra Forster. Sie suchen auch dringend ein neues Zuhause für sich und die Tiere, «ruhiger, mit mehr Platz und nicht so direkt an der Strasse». Wo, spielt keine Rolle. Es könne auch «auf einer Alp» sein, wie ein Nachbar ihnen einmal geraten hätte, lachen die beiden Frauen.

«Alexandra's Fundgruebe» an der Oberen Dürrmühlestrasse 27 in Niederbipp ist von Dienstag bis Freitag, 10 bis 16 Uhr geöffnet.
www.alexandras-fundgruebe.ch

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