Restaurant Vindonissa
«Es läuft einfach zu wenig»

Das Wirtepaar Annette Schneitter und Giuseppe Graziano geben schweren Herzens das Restaurant «Vindonissa» in Windisch auf. Wie es mit der Quartierbeiz weitergeht, ist noch offen.

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Aargauer Zeitung

Erik Schwickardi

«Ende Juni zapfen wir das letzte Chübeli», hat das Basler Wirte-Duo Annette Schneitter und Giuseppe Graziano schweren Herzens beschlossen. «Es läuft einfach zu wenig.» Am 17. März 2007 übernahmen die freundlichen Wirtsleute das Quartier-Restaurant an der Reutenenstrasse 16. «Wir haben einen sehr guten und treuen Stammtisch. Aber es wird einfach zu wenig gegessen», erklärt Annette Schneitter. Das Wirtepaar litt auch unter dem schlechten Ruf des Vor-Vorgängers: «Wenn die Leute zur Mittagszeit das Menu bestellen wollten, war er mit der Tochter in der Badi!»

«Wir bleiben in Windisch»

Quartier-Restaurants haben es nicht einfach, das war sich das Wirtepaar von Anfang an bewusst. «Die Stammgäste haben uns sehr herzlich aufgenommen - wir fühlen uns sehr wohl in Windisch», betont Graziano. «Doch das reicht halt nicht.» Robert Wyss, einziger Aussendienst-Mann der Menziker Traditions-Mosterei «Schlör» und zufälligerweise am Tisch, ist ein profunder Kenner der Schweizer Beizen-Szene: «Früher waren die Beizen soziale Treffpunkte: Von der Taufe über Gemeinde-Versammlung, Wahlen und Turnerabend bis zum Leichenmahl - alles spielte sich im Säli ab.»

Heute gibt es Mehrzweckhallen, geheiratet wird in der Waldhütte, Bauarbeiter verpflegen sich im Container. Robert Wyss: «Das Umfeld hat sich in den letzten 30 Jahren gewaltig verändert. Zudem sparen die Leute in der Krise: In die Beiz muss niemand.» Zum Misslieben der Wirte greifen vermehrt auch Altersheime und Behinderten-Werkstätten mit gastronomischen Angeboten in den hart umkämpften Markt ein.

Ende Juni ziehen Annette Schneitter und Giuseppe Graziano den Schlussstrich: Bis dann ist das «Vindonissa» nach wie vor offen. Beliebt ist das «Vindonissa» auch bei Jassern und vielen Windischer Vereinen. Mit der einzigen Kegelbahn in Windisch, Dart, Töggeli-Kasten und Flipper ist für Spiel und Spass gesorgt. Im Sommer lockt die schöne Gartenbeiz.

«Privat bleiben wir in Windisch», betont Wirt Giuseppe Graziano, der bei der Basler Gugge «Claraschnooge» mitmacht. «Jetzt sind wir offen für eine neue Herausforderung - ich würde sogar bei der UBS arbeiten», sagt Graziano, früher als Teppichbodenleger, Kaffeemaschinen-Techniker und Sicherheitsmann im Einsatz, grinsend. Partnerin Annette Schneitter ist fünfsprachig, war Service-Angestellte und diplomierte Fachfrau für Sicherheit und Bewachung. Verschiedene Interessenten haben die Quartierbeiz besichtigt. Ein Stammgast: «Hoffentlich gibt's hier keine China-Beiz!»