Das Haus von Kanal K ist ein Betonquader im Torfeld Nord beim Bahnhof Aarau. Jürg Morgenegg begrüsst nicht wie ein Chef, sondern wie ein Gastgeber. Er macht Tee, dann erzählt er entspannt.

Kanal K wird 30 Jahre alt. Wie fühlt sich das an?

Jürg Morgenegg: Irgendwie crazy. Es ist unglaublich, was diese Idealisten geleistet haben, mit welcher Kontinuität und Energie sie am Werk waren. Einerseits haben wir deshalb nostalgische Gefühle, anderseits sagen wir uns: Hey cool, wir werden schon 30, aber jetzt machen wir weiter!

Ein glückliches Geburtstagskind?

Sehr. Wir werden in der Bevölkerung gut wahrgenommen, weil wir kontinuierlich gut arbeiten.

Worin zeigt sich das?

An einem aktuellen Beispiel: Der Verein Musikschaffende Schweiz vergibt dieses Jahr erstmals den #SwissMusicOnAir-Award. Kanal K wurde als einziges nicht-kommerzielles Radio attestiert, dass wir uns überdurchschnittlich für das einheimische Musikschaffen engagieren. Das freut uns riesig.

Warum?

Weil es zeigt, dass unsere Arbeit auch von den Urhebern, also die Schweizer Musikerinnen und Musiker, wahrgenommen und geschätzt wird. Ein schöneres Kompliment gibt es kaum.

Die Musik ist zentral auf Kanal K. Wer wählt diese aus?

Wir haben eine ambitionierte Musikredaktion, die sehr gute Kontakte zu kleinen und grossen Labels pflegt. Musik ist ihre Leidenschaft. Wir haben das Ziel, jede Woche 20 neue Tracks ins Programm zu nehmen. Und kein Song, der auf Kanal K im regulären Programm läuft, ist älter als zwei Jahre.

Wie wichtig sind die internationalen Sendungen in 13 Sprachen?

Sie sind ein Herzstück und für das Community-Radio sehr wichtig. Landsleute hängen zwei Stunden lang richtiggehend am Radio, wenn jeweils in ihrer Sprache gesendet wird.

Wie viele Leute hören Kanal K?

Gemäss Mediapulse verfügen wir über eine Tagesreichweite von rund 35 000 Personen, die uns mindestens einmal einschalten. Die Topografie kommt uns dabei zugute: Weil wir für den ganzen Aargau drei Frequenzen brauchen, ergibt sich ein weitläufiges Sendegebiet.

Begonnen hatte man als Versuch mit 15 Minuten Sendezeit auf Radio Argovia. Welchen Status hat man heute in der Schweizer Radiowelt?

Einerseits haben wir eine wichtige Laborfunktion und einen guten Ruf als Ausbildungsradio. Viele Radiomachende, die bei uns im Praktikum waren, arbeiten heute bei grossen Stationen. Anderseits sind wir mit dem werbefreien Nonstop-Musikprogramm eine Ergänzung zu den Privatradios. Deshalb auch das K im Namen, für komplementär.

Die Zeiten, als die Wilden vom K belächelt wurden, sind passé?

Ja. Man begegnet sich in der Branche respektvoll und wertschätzend.

Was beschäftigt Sie aktuell?

Die Frage, wie gut wir die Jubiläumssause überstehen werden ... Nein, im Ernst: Die Digitalisierung und die No-Billag-Initiative, die auch für nicht-kommerzielle Radios existenzielle Folgen hätte. Man vergisst das gerne bei dem ganzen SRF-Bashing. Derweil arbeiten wir an einer neuen Website, mit Schwerpunkt auf Podcasts, und wollen unser DAB+-Gebiet ausbauen.

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