«Es ist ein perfektes Jahr»

Der Sportjournalist, Schauspieler und Comedian Oliver Welke über seine neue Nachrichtensatire «heute-Show» und die Rückkehr von «ran» bei Sat.1.

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Aargauer Zeitung

Cornelia Wystrichowski

Herr Welke, im deutschen Superwahljahr 2009 starten Sie eine eigene Nachrichten-Satire. Kann man über die Politik derzeit überhaupt noch lachen?

Oliver Welke: Das ist sogar ein perfektes Jahr, um eine Nachrichtensatire zu starten. Viele Entscheidungen, die im Superwahljahr fallen, haben ganz direkten Einfluss auf das Leben der Menschen. Wenn man also überhaupt so ein Format ausprobieren will, dann jetzt. Sogar die Privatsender entdecken ja demnächst die Politik wieder für sich, siehe Sabine Christiansens neue Polittalkshow auf Sat.1.

ZU PERSON UND SENDUNG

Er ist ein Hansdampf in allen Gassen: Sportjournalist, Comedian, Schauspieler - jetzt geht Oliver Welke, unter anderem Stammgast in der Sat.1-Comedyshow «Schillerstrasse », auch noch unter die Satiriker: In der neuen Satiresendung «heute-Show» (ab 26. Mai, 23 Uhr, ZDF) nimmt der 43-Jährige künftig einmal im Monat aktuelle Politiknachrichten aufs Korn. Aber auch dem Fussball bleibt der in Bielefeld geborene Welke, der mit seiner Familie in Berlin lebt, treu: Wenn im Sommer die Sat.1- Fussballshow «ran» auf den Bildschirm zurückkehrt, mit der er in den 90er-Jahren bekannt wurde, ist Welke als Moderator wieder mit von der Partie. (SKI)

Geht es in der «heute-Show» nur um Politik oder auch um Themen beispielsweise aus dem Sport?

Welke: Tendenziell wird sich die «heute-Show» in ihrer Machart ganz klar an Nachrichtensendungen orientieren - und zwar schon angefangen beim Studiolook. Es wird Schalten zu Reportern vor Ort geben, und ich werde zum ersten Mal in meinem Leben im Fernsehen eine Krawatte tragen. Wer genauer hinhört, wird hoffentlich merken, was uns von den anderen Nachrichtenformaten unterscheidet.

Wie aktuell wird das Ganze sein?

Welke: Wir wollen keinen Monatsrückblick machen, denn alles, was schon ein paar Wochen her ist, interessiert die Leute erfahrungsgemäss kaum noch. Unsere erste Sendung zeichnen wir wenige Stunden vor der Ausstrahlung auf, und wir haben das Glück, dass das kurz nach der Bundespräsidentenwahl ist. Ausserdem gibt es unmittelbar vor Sendung eins ja auch noch die grossen Feiern zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik. Da werden wir hoffentlich schönes Material bekommen und auch Reporter vor Ort haben.

Es wird also auch Spassinterviews geben, bei denen Reporter Politiker mit der Kamera überfallen?

Welke: Überfallen ist ein hartes Wort, ich bevorzuge «interviewen».

Täuscht der Eindruck, oder gibt es bei der «heute-Show» Parallelen zur legendären «Rudis Tagesshow»von Rudi Carrell?

Welke: Da gibt es durchaus ein paar Parallelen, weil auch wir Originalausschnitte aus den Nachrichten bearbeiten. Insgesamt hat Nachrichtensatire im deutschsprachigen Raum leider keine grosse Tradition, in anderen Ländern gibt es so etwas im Fernsehen viel häufiger.

Rudi Carrell hatte in seiner Sendung seinerzeit erheblichen Ärger mit einer Parodie auf Ajatollah Chomeini. Haben Sie selber Angst, sich mit Ihrer neuen Show in die Nesseln zu setzen?

Welke: Da wir eben sehr viel Originalmaterial verwenden, können die Politiker dann eigentlich nur sauer auf sich selbst sein. Im Übrigen: Wenn am Ende gar kein Parteienvertreter ans ZDF schreibt, hätten wir vermutlich irgendwas falsch gemacht.

Schreiben Sie die Texte selber?

Welke: Meine eigenen schon. Ansonsten arbeitet für die Show aber natürlich ein ziemlich grosses Autoren-Team.

Die «heute-Show» ist nicht Ihr einziges neues TV-Projekt: Sie moderieren die Neuauflage der legendären Fussballsendung «ran» auf Sat.1, die im Sommer auf den Bildschirm zurückkehrt. Als «ran» in den 90er-Jahren startete, brachte sie viel frischen Wind in die Fussball-Berichterstattung, mittlerweile haben andere Sendungen wie die «Sportschau» der ARD die flotte Machart übernommen. Was wollen Sie in «ran» Neues bieten?

Welke: Der Unterschied ist ja, dass das früher eine Bundesligasendung aus einem Studio war. Jetzt geht es um Uefa-Cup beziehungsweise Champions League und wir übertragen live aus dem Stadion. Zurzeit überlegen wir gemeinsam, was wir aus alten «ran»-Tagen herüberretten wollen und was eher nicht. Wir haben ja damals vieles eingeführt, wie die legendäre «ran»-Datenbank. Speziell die Arbeit mit Daten wurde dann aber phasenweise etwas inflationär. Gut waren viele «ran»-Beiträge, Filme, in denen wir eigene Themen gesetzt haben, statt nur den Sportteil der Zeitungen zu verfilmen. Daran wollen wir wieder anknüpfen.

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