Altersheim Sonnenberg
«Es herrscht ein Klima der Angst»

Zehn Angestellte des Altersheims Sonnenberg in Reinach haben sich mit einem offenen Brief an den Stiftungsrat und die Heimleitung gewandt. Sie prangern die Personalführung der Heimleiterin Miriam Lo Conte an. Ein Teil der Angestellten und der Stiftungsrat stellen sich jedoch hinter die Leiterin und sind mit deren Führungsarbeit zufrieden.

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Aargauer Zeitung

Peter Siegrist

Der offene Brief von zehn Angestellten des Altersheims Sonnenberg in Reinach an den Stiftungsrat und die Heimleitung liegt der Redaktion vor. Die Autoren haben nicht mit ihrem Namen unterzeichnet und begründen dies so: «Weil wir in ungekündigtem Arbeitsverhältnis stehen, sind wir gezwungen, ohne unsere Unterschriften mit diesem Brief an Sie zu gelangen.» Verschiedene gegenwärtige und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Bereichen Küche, Logistik, Hausdienst und Pflege haben sich gegenüber der AZ geäussert, alle wünschten, nicht namentlich genannt zu werden.

Zentrales Anliegen der Mitarbeitenden ist die Stimmung unter der Leitung von Heimleiterin Miriam Lo Conte. «Es herrscht ein Arbeitsklima der Angst, der Unsicherheit und des Misstrauens. Das wirkt sich negativ auf die Pensionäre aus, man hat den Eindruck von Herzlosigkeit und Kälte.» Weiter beklagen die Briefschreiber, dass offene Gespräche mit der Heimleitung und den Bereichsleitern aus Angst vor Konsequenzen gemieden würden. Dies wird allerdings von der Leiterin und Mitgliedern des Stiftungsrats dementiert.

Mobbing gegen Angestellte

In einer Liste zählen die Schreibenden auf, weshalb sie zum Schluss kommen, die Heimleitung betreibe Mobbing gegen Einzelne von ihnen. «Mitarbeitende werden angeschrieen, ihre Arbeit wird ständig kritisiert; unsere Anliegen und Vorschläge werden ignoriert.»

«Versuche, sich zu wehren, werden als unrechtmässige Auflehnung taxiert.» Diese Vorwürfe führten zu Konsequenzen beim Personal, «viele ziehen es vor, aus den oben genannten Gründen zu kündigen». Die Heimleitung gehe die Probleme trotzdem nicht an, nehme den Mitarbeiterverlust lieber in Kauf. Im Gespräch erwähnten mehrere Mitarbeiter, die gekündigt haben, dass die Heimleiterin sie übermässig kontrollierte und sich in ihre Bereiche einmischte.

Mehr als eine Person erklärte, sie vermisse jegliche Unterstützung seitens Miriam Lo Conte. Es zeige sich, dass die Heimleiterin und die Hauswirtschaftsleiterin ein strenges Regime führten. «Die interne Kommunikation ist schlecht», sagt eine Mitarbeiterin, «selbst beim Weggang von Kaderpersonen liessen sie uns im Unwissen.» Die Heimleitung trete weder auf Vorwürfe noch auf Anregungen ein. «Das Gefühl zu haben, nichts bewegt sich, macht uns vom Personal rasend.»

Mehrere Kündigungen

Die Recherchen der AZ zeigen, dass die Angestellten ganz verschieden auf die für sie schwierige Situation reagieren. Einzelne handeln pragmatisch: «Ich arbeite Teilzeit, halte mich da raus und verwende meine Energie ganz auf die Arbeit für meine Senioren, die ich betreue.» Anderen jedoch schlägt das schlechte Klima auf die Psyche. So haben es auch langjährige Angestellte vorgezogen, ihre Stelle zu kündigen. Mehr als eine Person sagte, sie habe Anzeichen von Burnout gehabt. Allerdings gibt es ebenso zufriedene Angestellte, das sei an Mitarbeitertreffen kürzlich explizit gesagt worden, bestätigt ein Mitglied des Stiftungsrates.

Klarer Wunsch des Personals

Weil die Angestellten «eine fachliche und konstruktive Personalführung» vermissen, gelangten sie sie mit folgendem konkretem Anliegen an den Stiftungsrat: «Wir bitten Sie, eine externe Prüfstelle zu verpflichten, diese Zustände aus neutraler Sicht untersuchen zu lassen.»

Als erste Reaktion auf den Brief habe zwar eine Mitarbeiterversammlung stattgefunden, erzählt eine Angestellte. Allerdings sei es da nicht zum offenen Austausch gekommen, «die Leute hatten Angst, ihre Meinung zu äussern». Der Präsident des Stiftungsrates, Theodor Hunziker, erklärt, der Stiftungsrat habe rasch reagiert. «Wir haben an Meetings mit sämtlichen Mitarbeitenden gesprochen.» Sie hätten einige Konsequenzen gezogen. «Für mich ist die Sache wieder im Lot, es war eher ein Sturm im Wasserglas.»

Im Übrigen wies der Präsident darauf hin, dass Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber eine Grundvoraussetzung sei für eine gute Zusammenarbeit. Gemeindeammann Heiz ist als Mediator aufgetreten und hat mit dem Personal Gespräche geführt.

Die Sozialvorsteherin der Gemeinde Reinach, Pia Müller, sitzt als Vertreterin des Gemeinderates im Stiftungsrat des Altersheims. «Ich mache mir Sorgen», sagt sie, «ich denke und handle menschenorientiert, und habe ein soziales Herz und ein offenes Ohr für die Angestellten und die Pensionäre.» Ich nehme aber die Anliegen aller Beteiligten ernst und will mithelfen, Lösungen zur Verbesserung der Situation zu suchen.»