Es hatte für alle etwas darunter

Sobald sich erste Frühlingsboten zeigen, neigen Velofahrer dazu, im Keller eine Bestandesaufnahme zu machen. Davon profitieren auch Velobörsen. 207 Zweiräder wechselten in Solothurn den Besitzer – 81 Herren-, 58 Damen- und 68 Kindervelos.

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Es hatte für alle etwas darunter

Es hatte für alle etwas darunter

Solothurner Zeitung

KATHARINA ARNI-HOWALD

Für die Familie aus Bellach ist der Fall klar: An diesem Velo ist alles dran, was sie sich von ihm erhofft haben. Es ist leicht, hat einen Gepäckträger und ein Schutzblech und ist «verkehrskonform». Für Peter Klaus und seinen Sohn Pascal dagegen dauert es noch eine Weile, bis sie wissen, ob sie einen Käufer für das Kindervelo finden, das Pascal einem Kollegen abgekauft hat. «Wir waren nicht einverstanden, deshalb musste er das Velo aus der eigenen Tasche bezahlen», sagt der Vater. Inzwischen habe Pascal erkannt, dass der Kauf ein Fehler war und müsse nun versuchen – wohl mit Abstrichen – es wieder loszuwerden.

Renner Kindervelos

Ein paar Meter entfernt nimmt ein Velokenner ein Fahrrad genau unter die Lupe. «Für mich kommt nur ein Nabendynamo infrage, der ist nicht so anfällig wie eine gewöhnliche Lichtanlage», sagt er, und seine Frau nickt. So wählerisch sind nicht alle, die zwischen den sorgfältig geordneten Drahteseln hin und her schlendern und hie und da innerhalb der aufgestellten Abschrankungen eine kleine Runde drehen. Ein Renner sind – das wird Pascal freuen – nebst den verschiedenen City- und Mountainbikes auch in diesem Jahr die Kindervelos. Die meisten Eltern sind sich einig, dass es sinnlos ist, Kindern ein neuwertiges Velo zu kaufen. «In ein bis zwei Jahren ist ein Kind dem Velo bereits wieder entwachsen», bringt es ein Vater auf den Punkt.

Ein Velo für den Alltag

Immer wieder fällt das Wort «Bahnhofvelo». Wer ein solches sucht, hat seine Ansprüche hinuntergeschraubt. «Meine Tochter besucht in Olten eine Schule und braucht ein Velo, das sie am Bahnhof stehen lassen kann», sagt eine nicht eben wählerische Mutter. Man begreift rasch, dass es in einem solchen Fall egal ist, ob der Rost an Veloketten und Zahnrädern nagt. Überhaupt: Es ist unschwer zu erkennen, dass sich auch bei den Erwachsenen der Trend immer mehr durchsetzt, dass ein Gebrauchtvelo für den Alltag genügt – vor allem auch wegen der zahlreichen Diebstähle.

Aber selbst wer nicht auf eine Neuanschaffung verzichten will, kann an der Velobörse nach einem Schnäppchen jagen. «Es sind immer wieder nigelnagelneue Fahrräder dabei», weist Heinz Flück auf die Vielfalt der vom Verkehrs-Club Solothurn (VCS) organisierten Velobörse hin. Während Flück die ankommenden Velos annimmt und den Verkaufswilligen ein Formular in die Hand drückt, fällt sein Blick auf ein Anhängervelo, das ganz offensichtlich Aufsehen erregt. Der so genannte Trailer ist für aktive Kinder gedacht, die nicht mehr im Anhänger sitzen wollen und noch zu unsicher und zu wenig kräftig sind, um mit einem eigenen Velo mithalten zu können.

Die Kasse hat geklingelt

Wie 2009 finden auch in diesem Jahr zwei Elektrofahrzeuge den Weg auf den Platz vor der Gewerbeschule. Eines davon wurde verkauft», erzählt die Börse-Hauptverantwortliche Regula Aeppli später und ergänzt: «Es erstaunt mich nicht, dass in diesem Sektor das Geschäft nur zögerlich anläuft. Das sind teure Velos, und man überlegt sich wohl zweimal, ob man so etwas an die Börse bringen will.»

Auch ohne teure Flyer lassen sich die Zahlen sehen, die Aeppli bereits zwei Stunden nach Börsenschluss auf den Tisch legt. Mit den 207 verkauften Velos (300 wurden zum Verkauf angeboten) konnte ein Umsatz von 35000 Franken erzielt werden. Davon fliessen 5090 Franken in die Kasse des VCS. «Das ist zweifellos ein Erfolg», freuen sich Aeppli und die 15 ehrenamtlichen Mitarbeitenden.

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