«Es guets Nöis» mit Stacheln und Räre

«Es guets Nöis» mit Stacheln und Räre

«Es guets Nöis» mit Stacheln und Räre

In Hallwil haben die 15 Bärzeli das neue Jahr mit ihrem uralten Brauch begrüsst

Peter Schmid

Wenn Mädchen mit spitzen Schreien und schrillem Kreischen so tun, als ob sie der pieksenden Umarmung durch den Stächpaumig entfliehen wollten, treiben in Hallwil die 15 Bärzeli-Figuren ihr Unwesen. Das ebenso lärmige wie farbenfrohe Spektakel zum Jahresanfang lockte Zuschauer in Scharen an, wozu natürlich auch das schöne Wetter beitrug.

3000 Schneckenhäuschen

Letztes Jahr gesellte sich erstmals der Schnäggehüüslig zur wilden Schar. Er trägt sicherlich das heikelste Kostüm, denn die 3000 Schneckenhäuschen, die auf eine alte Militär-Uniform aufgenäht sind, brechen leicht. «Gegen 200 Häuschen mussten wir ersetzen», erklärte Thomas Bucher, Obmann der Bärzeli und Mitglied der Haubuer Brauchtumskommission, im Kostüm des Straumaa gegenüber der AZ.

Wie der Schnäggehüslig mussten vor dem grossen Tag auch die Kostüme des Tannreesig, ebenso des Stächpaumig, des Hobuspönig oder des Speeuchärtlers in aufwändiger Büez für den grossen Auftritt, der jeweils erst spät in Nacht zu enden pflegt, aufbereitet werden. Das Geld dafür wird von drei Figuren, die mit Spendenkässeli statt mit Söiblootere oder stacheligem Grünzeug bewaffnet sind, gesammelt.

Die Zuschauer hatten jedenfalls schlicht den Plausch, liessen sich mit den Wünschen für ein gutes Neues mit Söiblootere traktieren, erschraken ob dem Lärm der Räre und hirnten nicht darüber nach, woher der Brauch, der einst im ganzen Seetal verbreitet war, jetzt aber nur noch in Haubu gepflegt wird, stammen könnte. Die Ursprünge verlieren sich in keltischen oder germanischen Sagen und Mythen. Jetzt wird unterschieden zwischen Dürren und Grünen, wobei die Grünen für Fruchtbarkeit und Frühlingserwachen stehen sollen, die Dürren für Leblosigkeit, dunklen Winter und Unfruchtbarkeit. Doch das sind alles nur Spekulationen.

Lebendig und gepflegt

Hauptsache, dass der vielleicht schönste Mittwinterbrauch mit so viel Liebe und Sorgfalt gepflegt wird. Ein Brauch, der von den 15 jungen Burschen, welche in den Kostümen stecken, einiges an Kondition abverlangt. In den letzten Jahren hat man mit Kostümen und Masken, die nicht mehr so recht zu gefallen wussten, aufgeräumt. Jetzt wirken die Figuren so lebendig und gepflegt, als seien sie eben erst gebastelt worden. Dafür sorgt auch die Brauchtumskommission, die übrigens die Schreibweise der Figuren im Haubuer Dialekt fixiert hat.

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