Es gibt keine Ruine Schänkenberg

Kommt Schenkenberg von Schank oder Schenken? Egal: Die Reform gilt nicht für historische Namen. (Bild: Micha Wernli)

ruine schenkenberg

Kommt Schenkenberg von Schank oder Schenken? Egal: Die Reform gilt nicht für historische Namen. (Bild: Micha Wernli)

Müssen wegen der neuen Rechtschreibung im Kanton die Strassenschilder ausgewechselt werden? Schreibt man die Ruine Schenkenberg nun mit «ä»? Die MZ fragte nach.

Sabine Kuster

Die Diskussion war heftig und emotional, als 1996 die erste Version der Rechtschreibereform kam. Sprachpuristen schimpften über die neuen Schreibregeln, andere lobten die Vereinfachungen. Über 10 Jahre lang war seit dem so ziemlich alles erlaubt punkto Gross- und Kleinschreibung, Kommasetzung oder Worttrennung. Nun kriegen ab 1. August, beziehungsweise zu Beginn des neuen Schuljahres Schüler, die «verlorengehen» statt «verloren gehen» schreiben einen Fehler.

Am bekanntesten ist die so genannte Stammregel, die besagt, dass «überschwänglich» von «Überschwang» abgeleitet wird. Würde man die Regel konsequent auf den Aargau anwenden, wohnten die Bewohner an der Adresse «Im Greuel» in Muri ab dem 1. August «Im Gräuel» und die Ruine Schenkenberg könnte auf «Schänkenberg» umbenannt werden - abgeleitet von «grau» und «Schank».

Doch die Rechtschreibereform betrifft die Flurnamen nicht. So wird auch die Bändlistrasse in Holziken nicht wegen der Reform neu mit «ä» geschrieben (früher: der Bendel) sondern hiess schon immer so.

Nun heisst es: Schifffahrtgesellschaft

Anders verhält es sich mit der Schifffahrtgesellschaft Hallwilersee Meisterschwanden. Bei der Überarbeitung der Statuten vor rund 10 Jahren musste das «s» aus der ehemaligen «Schiffahrtsgesellschaft» gestrichen werden und ein «f» kam hinzu. Früher wurden, wenn bei zusammengesetzten Wörtern drei gleiche Buchstaben aufeinander trafen, manchmal nur zwei geschrieben. (Heute auch: Bestellliste und Teeei .)

Das Seehotel «Delphin» am Hallwilersee oder die «Spaghetti Factory» hingegen behalten ihr «h» nicht nur, weil es Markennamen sind, sondern auch, weil bei «gh» und «ph» meist beides richtig ist. Philosophie, Mathematik, Theater und Ähnliches wird weiter mit «ph» geschrieben.

Erinnerung für Aargauer Schulleiter

Rote Köpfe gab es im Kanton trotz allen Änderungen oder Nicht-Änderungen keine. Das einzige, was geschieht: Nächste Woche verschickt das Bildungsdepartement eine Erinnerung an die Schulleiter im Aargau, dass die neuen Regeln nun gelten und bei nicht Einhalten als Fehler gezählt werden können. «Wir hatten wegen der Anpassungen in der Verwaltung nie eine Sitzung», sagt Anita Walser von der Staatskanzlei. Das Computer-Programm Word führte die neue Rechtschreibung automatisch in der Verwaltung ein. So wird beispielsweise «plazieren» beim Schreiben in «platzieren» geändert. Tatsächlich sind in kantonalen Publikationen die neuen Regeln weitgehend eingehalten. Einzig auf der Internetseite des Bauernverbandes Aargau hat sich ein Stengel statt «Stängel» eingeschlichen.

Schwieriger ist die Getrennt- und Zusammenschreibung. Hier gilt als Faustregel: Verbindungen mit einem Verb schreibt man nun meistens getrennt (fallen lassen, übel nehmen).

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