Regula Vogt-Kohler

Wenn das Leben im Einfamilienhaus zu beschwerlich wird, aber der Schritt ins Altersheim noch zu gross erscheint, ist Wohnen mit einem Betreuungsangebot à-la-carte eine gefragte Alternative. Dies zeigt ein Beispiel aus Lausen: Alle 18 Wohnungen im Anfang September eingeweihten altersgerechten Mehrfamilienhaus auf dem Areal Bifang sind besetzt. Mit der Integration des Spitex-Zentrums Lausen-Ramlinsburg in das Haus ist die Betreuung vor Ort in idealer Weise gewährleistet.

Den Grundstein für das Projekt legte das in den Jahren 2002/3 ausgearbeitete Alterskonzept. Für die vom Gemeinderat 2004 ins Leben gerufene Alterskommission gehört die Bereitstellung von altersgerechtem Wohnraum zu den Schwerpunkten einer zukunftsgerichteten Alterspolitik. Dass die Alterskommission damit richtig lag, bestätigte damals eine Umfrage bei der älteren Bevölkerung und jetzt die grosse Nachfrage.

Im Gegensatz zu Lausen und anderen Gemeinden wie etwa Muttenz verfügt die mit rund 19 000 Einwohnern grösste Baselbieter Gemeinde Allschwil (noch) über kein Alterskonzept. Altersgerechter Wohnraum ist aber auch in Allschwil seit ein paar Jahren ein Thema. Angekurbelt hat die Diskussion ein Volksentscheid: Mit dem Nein der Allschwiler Stimmberechtigten zum Quartierplan «Wohnen im Bachgrabenpark» im Mai 2006 scheiterte auch ein Projekt für begleitetes respektive betreutes Wohnen auf dem zentral gelegenen Areal Wegmatten. Bis jetzt existiert neben der Alterssiedlung des Alterszentrums Am Bachgraben nur das Angebot von BonVita Genossenschaft für individuell begleitetes Wohnen am Hegenheimermattweg. Weitere Projekte gibt es zurzeit nicht, jedenfalls nicht in definitiver Form.

Wie der Bedarf im Detail aussieht, ist nicht bekannt. Der für Gesundheit und Soziales zuständige Gemeinderat Arnold Julier hatte an einer gutbesuchten Podiumsveranstaltung im Juni 2007 eine Bedürfnisabklärung in Aussicht gestellt, eine solche liegt aber bis jetzt nicht vor.

Wohnen im Alter gehört zu den Themen, mit denen sich eine gemeinderätliche Arbeitsgruppe im Rahmen der Erarbeitung eines Alterskonzeptes befasst. Ob es eine Bedürfnisanalyse geben wird, sei noch nicht entschieden, hält Julier auf Nachfrage fest. Der Zeitplan der Arbeitsgruppe sieht vor, dass der Gemeinderat dem Einwohnerrat das Alterskonzept Anfang 2011 vorlegen wird.

Arbeitsgruppe gründen

Die SP Allschwil-Schönenbuch fordert in einer Petition für den Bereich Wohnen im Alter mehr Tempo: Bis Ende 2009 soll der Gemeinderat nichts weniger als die Gründung einer «Arbeitsgruppe altersgerechte Wohnformen» einleiten, eine Bedarfsabklärung durchführen sowie Möglichkeiten, Orte und Finanzierung prüfen und dies alles dem Parlament und Volk vorlegen.

Eines ist jetzt schon klar: Die Gemeinde wird schon aus rein finanziellen Gründen nicht als Investor auftreten. Anders die Bürgergemeinde: Zu den Traktanden der gestrigen Bürgergemeindeversammlung gehörte auch eine Vorlage, welche den Verkauf der Baurechtsparzellen an die Baurechtsnehmer und die Reinvestierung des Verkaufserlöses in Projekte für Alterswohnungen beinhaltet.