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Es fehlen Passagiere

Der Weinberg-Bus unterwegs an der Oberdorfstrasse in Dietikon – nur in den Hauptverkehrszeiten ist er gefüllt

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Der Weinberg-Bus unterwegs an der Oberdorfstrasse in Dietikon – nur in den Hauptverkehrszeiten ist er gefüllt

Platznot zu den Hauptverkehrszeiten, leere Sitze über Mittag: Die Buslinie 325 in den Dietiker Weinberg kämpft drei Monate nach der Einführung mit Anlaufschwierigkeiten. Insgesamt genügt die Auslastung den Ansprüchen der Verkehrsbetriebe Zürich (noch) nicht.

Von Matthias Kessler

Haltestelle Bahnhofstrasse, die Passagiere 11 und 12 steigen zu. Es ist Montagabend, kurz nach 17 Uhr. Schülerinnen, Schüler, Pendlerinnen, Pendler füllen den Kleinbus der Linie 325 in den Dietiker Weinberg. Ab der Haltestelle beim Stadthaus wird es eng. «Die Leute im Quartier sind begeistert vom Bus», sagt dann auch Anwohnerin Christa Jordi, eine jener Personen, die seit bald sechs Jahren für die Erschliessung des Wohngebiets im Süden der Stadt kämpfen. Und sie habe noch niemanden getroffen, der das Angebot überflüssig finde.

Zehn Passagiere nötig - pro Kurs

Seit Mitte Dezember 2008 fährt vom Bahnhof Dietikon ein Bus ins Dietiker Weinberg-Quartier, finanziert von der Stadt Dietikon - für den bis im Dezember 2010 laufenden Versuchsbetrieb hatte das Parlament einen Kredit von 368 000 Franken bewilligt. Um danach von den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) ins reguläre Angebot aufgenommen zu werden, ist eine Auslastung von zehn Passagieren pro Bus erforderlich.

Eine erste Erhebung, während einer Woche im Januar gemacht, ergab eine Auslastung von exakt 5,76 Personen pro Kurs - klar zu wenig also, um den Ansprüchen der VBZ zu genügen. Es handle sich «eindeutig um eine Pendlerlinie», sagt Jasmin Wiederkehr, bei den VBZ für die Angebotsentwicklung zuständig. Zwischen 6.30 und 8 Uhr sowie zwischen 17 und 19 Uhr sei der Bus jeweils gut gefüllt, auf einem solchen Kurs habe man einmal gar 27 Personen gezählt. Zwischen 8 und 9.30 Uhr sowie nach 19 Uhr sei jedoch fast kein Passagieraufkommen mehr festzustellen, so Wiederkehr.

Sie habe, führt Wiederkehr aus, durchgerechnet, was es bringe, wenn man jene Kurse streiche, die am schlechtesten genutzt würden; man komme auch dann nicht auf mehr als 6,5 Passagiere pro Fahrt. Und: Kurse nach Belieben wegzulassen, könne nicht die Lösung sein. Um von einem Angebot sprechen zu können, müssten mindestens zwölf Kurse pro Tag gefahren werden.

«Nicht hin und her fahren»

Für Anwohnerin Jordi ist die Anforderung von zehn Passagieren pro Fahrt «fast unlösbar. Wir können ja nicht hin und her fahren, nur um auf genug Fahrten kommen.» Zudem sei der Unterbruch zwischen dem Morgen und dem Mittag für viele Nutzer ungünstig. Wer um 9 Uhr zum Einkauf ins Zentrum wolle, könne erst um 12 Uhr zurückfahren: «Zum Kochen ist es dann zu spät.»

Es sei sowieso «eine Zumutung, dass wir für dieses Angebot so kämpfen müssen», meint Jordi; die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr müsse vielmehr «eine Selbstverständlichkeit» sein. Schliesslich sei das Quartier in den letzten Jahren stark gewachsen. Und gerade auch in diesem Zusammenhang sei der Bus sehr wertvoll: «Er fördert die Kommunikation im Quartier, man kommt mit den anderen Anwohnern ins Gespräch.»

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