Naima

Es bleiben Zweifel

Nach dem Widerruf zur Zwangsheirat bleiben dennoch Zweifel, ob alles wirklich nur erfunden war.

Myriam Sperisen

Naima aus Egerkingen soll die Geschichte mit der Zwangsheirat definitiv nur erfunden haben (wir berichteten). Gemäss einem klärenden Gespräch mit dem Mädchen, seinen Eltern sowie einem Freund der Eltern sei eine «Zwangsheirat nie - auch nur annähernd - ein Thema war», so eine Mitteilung aus Solothurner Rathaus, wo man sich mit dem Fall befasst hat.

Das Mädchen könne nun externe Hilfe beanspruchen und werde auch von der Schule unterstützt. An der Kreisschule Gäu ist allerdings nichts mehr wie vorher, wie Schulleiter Hanspeter Aebischer berichtet: «Auch innerhalb der Klasse wird das Mädchen Hilfe kriegen, wir haben schon darüber gesprochen.»

Als Naima wieder in der Schule auftauchte, seien die Mitschüler verständlicherweise nicht in Jubel ausgebrochen. Aber: «Wir achten darauf, dass das Mädchen nicht noch mehr unter Druck gerät», betont Aebischer. Zufällig bestreitet die Klasse von Naima derzeit ein Sozialprojekt. Laut Aebischer wird das Thema mit der erfundenen Geschichte aufgegriffen, und vielleicht auch die Zwangsheirat. Der Schulbetrieb sei ansonsten normal abgelaufen, im Lehrerzimmer habe es aber heftige Diskussionen gegeben.

Eine Gefahr bleibt

Nur Naima selbst und ihre Familie wissen, wie viel Wahrheitsgehalt die Geschichte um die Zwangsheirat hat. Und was Naima dazu bewogen hat, alles in Abrede zu stellen. Es besteht nun die Gefahr, dass Verdachtsmomente als Hirngespinste und Wichtigtuerei abgetan werden. Ein Blick auf die Homepage «www.zwangsheirat.ch» zeigt aber, dass es auch in der Schweiz schon zum Äussersten kam.

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