Erwartungen übertroffen

Die Erfahrungen mit dem neuen kantonalen Fischereigesetz wurden an der Delegiertenversammlung des kantonalen Fischereiverbands in Lüsslingen durchaus positiv gewertet. Noch befindet sich aber vieles in einer Übergangsphase.

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Solothurner Zeitung

Pascal Mülchi

«Für die grossen Gewässer wie Aare und Emme ziehe ich ein positives Fazit, für die Kleineren ist die neue Fischereigesetzgebung nicht unbedingt ein Vorteil», resümierte Vizepräsident Urs Hinden. Der Wechsel vom Pacht- zum Patentsystem (seit 1. Januar 2009) hatte vor allem einen Mitgliederschwund bei den Vereinen zur Folge. Die Mitgliederzahl der elf Vereine sank von 2350 auf 795. Gleichzeitig wurden über 2000 Kantonalpatente vergeben. «Damit wurden unsere Erwartungen übertroffen», meinte Regierungsrätin Esther Gassler, die der Versammlung eine Stippvisite abhielt.

Vizepräsident Hinden glaubt an eine Erholung der schwierigen Lage in den Vereinen: «Ich erwarte wieder mehr aktive Fischer und Fischerinnen in den Vereinen, denn nur organisiert können wir unsere Ziele erreichen.» Der neue Präsident des kantonalen Fischereiverbands Marco Vescovi - als zweiter Vize steht ihm künftig neben Hinden auch Sepp Käser zur Seite - schliesst dagegen künftige Vereinsfusionen nicht aus.

Nächstes Jahr wird durchgegriffen

Urs Morgenthaler, der die Einhaltung der neuen Gesetzgebung als Bereichsleiter der freiwilligen Fischereiaufsicht überwacht und neu auch im Kantonalverband Einsitz nimmt, musste im laufenden Jahr bislang vier Anzeigen sprechen - indes alles gegen Wiederholungstäter. «Wir konzentrierten uns vor allem darauf, die Fischer und Fischerinnen auf die neuen Regeln aufmerksam zu machen», meinte er im Wissen ob der Übergangsphase. Ab 2010 will er konsequenter durchgreifen.

So ist es zum Beispiel neu Pflicht, eine Fangstatistik zu führen. Ansonsten droht gar ein Patententzug. Im Jahr 2008 gelangte nur rund die Hälfte aller Fangstatistiken der Vereinmitglieder zurück. Ganz oben auf der Liste stand der Barsch mit 4615, gefolgt von 2043 Bachforellen von insgesamt 9360 registrierten Fängen. Ausgesetzt wurden 30 000 Bach- und Flussforellen, 15 000 Äschen und 13 000 Hechte.

Zwei Verordnungen aufgehoben

Zwei Verordnungen des neuen Gesetzes werden bereits wieder aufgehoben. Zur Freude der 49 Delegierten verkündete Marcel Tschan, kantonaler Verwalter der Abteilung Jagd & Fischerei, dass die Schontage (bisher Montag, Mittwoch und Samstag) für Gewässer mit Edelfischbestand aufgehoben würden. Ebenfalls wird Kleinlützel wieder zu einem Schongebiet erklärt. Die beiden neuen Bestimmungen werden nächsten Februar aufgenommen.

Eine Bilanz der vom Kanton neu erteilten Leistungsaufträge ist laut Verbandspräsident Vescovi derzeit nur «schwer abschätzbar». Es fehlt beispielsweise nach wie vor ein konkreter Leitfaden für die Ausbildung der Jungfischer. «Die Entwicklung muss noch abgewartet werden.»

Zur Debatte stand in Lüsslingen auch der schon vor zwei Jahren eingebrachte Vorschlag eines Solidaritätsbeitrages von Fischern, die nicht in einem Verein aktiv sind. «Wir wollen keine Trittbrettfahrer», meinte ein anwesender Fischer. Das Ansinnen, das im Tessin und Wallis schon umgesetzt ist, ist in den Augen der Verantwortlichen eine zu prüfende Massnahme. Vescovi befürwortet sie, der als Gast anwesende Geschäftsführer des Schweizerischen Fischereiverbandes, Philipp Sicher, nannte die Massnahme eine «denkbare Variante».

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