Riehen
Erste Hilfe für das Spitalpersonal

Die Gewerkschaft VPOD reagierte als erste auf die geplante Schliessung des Riehener Gemeindespitals. Sie bot den Angestellten vor Ort ihre Unterstützung an.

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Erste Hilfe für das Spitalpersonal

Erste Hilfe für das Spitalpersonal

bz Basellandschaftliche Zeitung

Toprak Yerguz

Wut, Enttäuschung, Empörung, Unverständnis: Die Reaktionen der Belegschaft des Riehener Spitals lassen wenig Interpretationsspielraum - sie können mit der Schliessung der Anstalt per Ende Jahr nur sehr schlecht leben. Diese Unzufriedenheit haben gestern Morgen auch Mitglieder des Verbands des Personals Öffentlicher Dienste (VPOD) mitbekommen. Sie verteilten um 6.30 Uhr vor dem Gemeindespital Flugblätter mit dem Titel «Spital-Schliessung: Wir kämpfen für das Personal» und machten dabei auch gleich Werbung in eigener Sache.

«Die Aktion war erfolgreich», sagte Susanne Nese, im VPOD für den Gesundheitsbereich zuständig, «Ärzte, Krankenschwestern und weitere Angestellten haben nicht nur den Flyer genommen, sondern uns auch gleich ihre Sorgen und Ängste mitgeteilt. Sie sind froh, dass sich jemand um sie kümmert.»

Gewerkschaft will verhandeln

Die Gewerkschaft will nun an zwei Fronten aktiv werden: Einerseits will sie als Sozialpartnerin in die Verhandlungen um die Zukunft der Mitarbeiter eingebunden werden, andererseits will sie auf politischer Ebene alles daran setzen, um die Entscheidung des Gemeinderates rückgängig zu machen. Doch der erste Schritt müsse von der Riehener Bevölkerung kommen, betonte Nese. Nur sie könne den Gemeinderat zum Umdenken bewegen.

Als sich das fünfköpfige VPOD-Team am frühen Morgen auf Haupt- und Personaleingang des Spitals verteilte, um die Flugblätter zu verteilen und sich die Sorgen und Nöte des Personals anzuhören, war noch kein voller Tag seit der Ankündigung des Riehener Gemeinderates verstrichen. Wie in der Riehener Bevölkerung (siehe Umfrage auf dieser Seite) dominierte auch beim Personal das Unverständnis. «Es ist ein Problem des Willens, nicht des Könnens», äusserte sich eine resignierte Angestellte über den Entscheid.

Auch Spitalleitung war überrascht

Für Unmut sorgte auch das Vorgehen des Gemeinderats: Die Mitarbeiter ärgerten sich über die fehlende Kommunikation, selbst die Spitalleitung sei von der Schliessung überrascht worden. Auch der Ausdruck «abgekartetes Spiel» sei mehrmals gefallen, berichtete Nese. Noch am 1. April habe neues Personal die Arbeitsstelle angetreten - am nächsten Tag erfuhren sie von der Schliessung ihres Arbeitsplatzes.

Neben der Sorge um die eigene Zukunft beschäftigten die Angestellten Sachfragen, auf die sie noch keine Antwort erhalten haben: Wieso kam es nicht zur Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital? Und wenn sich nicht einmal die reiche Gemeinde Riehen ein Spital leisten kann, wer dann? Sie sei schon «sehr gespannt», wie der Gemeinderat seinen Entscheidung begründen wolle, erklärte eine Krankenpflegerin mit bitterem Zynismus. «Aber eigentlich stehe ich immer noch unter Schock.»

Nese versprach, dass der VPOD die Sache weiter verfolgen will. Spätestens am 23. April, wenn die Bevölkerung an einer öffentlichen Veranstaltung informiert werden soll, möchte man wieder Präsenz markieren.