Biometrie
Erste «Biometrie-Krippe» im Aargau

Im Januar war ein 20-Jähriger in eine belgische Kinderkrippe eingedrungen und hatte zwei Kinder und eine Erzieherin getötet. Dieses Ereignis weckte beim Kinderhaus Häsliburg in Baden das Bedürfnis nach mehr Sicherheit. Seit Ende April ist es die erste Krippe im Kanton mit Fingerabdruck-Scanner.

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Biometrie in Kinderkrippe

Biometrie in Kinderkrippe

Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

Frühenglisch und -französisch oder Notfallbetreuung - das Kinderhaus-Häsliburg in Baden-Dättwil bietet vieles, was andere Krippen nicht bieten. Und seit Ende April besitzt es als erste Krippe im Kanton Aargau einen Fingerabdruck-Scanner. Das ist ein kleines, schwarzes Gerät, das an der Eingangstür installiert ist. Geschäftsführerin Hanny Weissmüller hält ihren Zeigefinger auf das Gerät - ihr wird Einlass gewährt. Als es die Journalistin versucht, bleibt die Tür zu. Ihr Fingerabruck wird nicht erkannt.

In das Kinderhaus kommt nur rein, wer seine Fingerabdrücke in einem System registriert hat. Registriert werden Mitarbeiterinnen, Eltern und Personen, welche die Kinder abholen dürfen. Hanny Weissmüller ist begeistert: «Bisher war die Eingangstür unverschlossen, es kam vor, dass sich Fremde in die Krippe verirrten.» Zudem sei die Technologie praktisch: «Früher hatten unsere Mitarbeiterinnen Schlüssel. Diese mussten wir verwalten. Zudem konnten sie verloren gehen.»

Grösseres Sicherheitbedürfnis

Der Fingerabdruck-Scanner ist eine biometrische Zugangskontrolle mit Identifikation durch digitale Fingerabdrücke. Vor einem Jahr installierte die Firma Easydentic das Gerät zum ersten Mal in einer Krippe. Heute besitzen es etwa 30 Krippen in der Schweiz. «Der erste Kunde schaffte das System aus Komfortgründen an. Die Sicherheit stand nicht im Vordergrund», sagt Idris Nguepnang, Direktor von Easydentic Deutschschweiz.

Seit diesem Januar stiegen die Verkaufszahlen deutlich an. Damals drang ein 20-Jähriger in eine belgische Kinderkrippe ein, tötete zwei Kinder und eine Erzieherin. «Dieses Ereignis bewegte viele Krippen dazu, ein solches Gerät anzuschaffen. Sicherheit ist gut für das Image», so Nguepnang. Die Eltern fühlten sich nicht sicher, wenn man einfach so die Krippe betreten könne.

Auch im Kinderhaus Häsliburg in Baden-Dättwil stieg nach dem Attentat von Belgien das Bedürfnis nach mehr Sicherheit. Über die Anschaffung eines Fingerabdruckscanners hat man aber schon vorher nachgedacht, wie Geschäftsführerin Weissmüller sagt. «Noch bevor wir von der Technologie überhaupt wussten, hatten wir von einem Fingerabdruck-Scanner geträumt.» Später erfuhr die Geschäftsführerin, dass es diese tatsächlich gibt. «Nach dem Vorfall in Belgien zögerten wir nicht mehr länger.» Doch Sicherheit hat ihren Preis, der geheim ist: «Das System ist teuer. Die Kosten werden aber nicht auf die Eltern abgewälzt», so Weissmüller.

Was passiert mit den Daten?

Die Eltern sind froh über das neue System. Nicole Schenk, Mutter eines zweieinhalbjährigen Kindes, findet die neue Eintrittskontrolle auf keinen Fall übertrieben: «Die Krippe tut ihr Möglichstes für die Sicherheit der Kinder.» Dies gebe ihr ein gutes Gefühl.

Momentan registriert die Kinderkrippe die Fingerabdrücke. Ein Kinderspiel, wie Weissmüller sagt: «Es dauert zwei Minuten.» Die Fingerabdrücke werden den passenden Namen zugeordnet. Diese Daten sind in einem Laptop des Kinderhortes gespeichert. Was passiert damit? «Sie bleiben bei uns und können nicht weitergegeben werden. Sobald Eltern ihr Kind nicht mehr zu uns bringen, werden die Daten gelöscht.»

Auch Idris Nguepnang von der Firma Easydentic hat keinen Zugang zu den Daten: «Man kann damit sowieso nichts anfangen. Selbst wenn man den Laptop klauen würde.» Trotzdem: «Eine neue Technologie weckt natürlich Ängste. Viele verwechseln die biometrische Zugangskontrolle mit einem biometrischen Pass.» Was ist denn der Unterschied? «Es ist nur eine Zugangskontrolle. Die Daten bleiben lokal und es gibt keine zentrale Datenbank, zu der die Polizei Zugang haben könnte.»

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