Arche-Bar

Erst kurz vor Mitternacht schenkt es ein

Für Nachtschwärmer: Obwohl beide Lokale in den jeweiligen Zentren liegen, sind die Ausgangslagen für die Bürener Riverbar und für die Arche-Bar (Bild) in Arch völlig unterschiedlich.

Büren_Arche- und Riverbar

Für Nachtschwärmer: Obwohl beide Lokale in den jeweiligen Zentren liegen, sind die Ausgangslagen für die Bürener Riverbar und für die Arche-Bar (Bild) in Arch völlig unterschiedlich.

Die Arche-Bar und die Riverbar wollen auf Begehren ihrer Kundschaft länger öffnen. Beide liegen in Kernzonen. Doch beim Empfinden der Barbetreiber zur Akzeptanz in der Nachbarschaft öffnet sich ein Graben, der breiter ist als die Entfernung zwischen Arch und Büren.

Daniela Deck

«Beide Betriebe liegen sehr zentral. Ich könnte mir vorstellen, dass man da in Sachen Lärm genauer hinhöhren muss.» Das sagt Regierungsstatthalter Rolf Widmer, auf dessen Tisch die Anträge liegen. Der Betreiber der Arche-Bar will künftig am Wochenende bis 3.30 Uhr morgens öffnen. Der Betreiber der Bürener Riverbar im «Löwen» geht sogar noch einen Schritt weiter. Er beantragt werktags eine Bewilligung bis 2 Uhr und am Wochenende bis 3.30 Uhr morgens.

Hüben wie drüben berufen sich die Barbetreiber auf die Wünsche ihrer Kundschaft. «Es geht um meine Existenz», sagt Alen Dzidic von der Riverbar schlicht. Christian Hänni von der Arche-Bar macht dieselbe Erfahrung: «Der Betrieb läuft erst ab 23 Uhr richtig. Da will ich nicht gleich wieder schliessen müssen.»

Gegen die Bar oder den Betreiber?

In beiden Fällen dauert die Einsprachefrist bis zum 4. Mai. Während bei der Arche-Bar bis gestern niemand Widerspruch erhoben hat, sind zur Riverbar vier Einsprachen eingegangen. Alen Dzidic nimmt das mit einer gewissen Bitterkeit zur Kenntnis. Er hat das Gefühl, dass sich ein Teil des Widerspruchs eher gegen seine Person als gegen den Barbetrieb richtet. Obwohl völlig integriert, eingebürgert und sechssprachig, sei er für gewisse Leute halt immer noch «ein Jugo», vermutet er.

Die Recherchen dieser Zeitung zeigen hingegen, dass Nachbarn der Riverbar differenziert argumentieren. Dieter Hagen von der Glasbläserei findet: «Jeder soll arbeiten und seinen Lebensunterhalt verdienen können. Deshalb werde ich keine Einsprache machen. Aber verbunden mit der Bewilligung sollte man dem Barbetreiber die Auflage machen, dass er nach der Schliessung seines Lokals die Laube putzt.»

Beim Pub funktioniere das, sagt Hagen, der sich seit der Wiedereröffnung der Bar letzten Oktober mehrmals aufgeregt hat. Besonders eklig findet der Geschäftsinhaber, wenn Betrunkene gegen sein Schaufenster pinkeln. Auch Georges Folly von der Apotheke findet, Überzeitbewilligungen entsprechen dem Zeitgeist. Auf sein Geschäft habe die Bar keinen Einfluss. Unordnung und Schmutz stören ihn allerdings: «Gelegentlich sehe ich Verwüstungen.»

«Wir müssen den Seich wegputzen»

Kritischer äussert sich Marianne Ingold: «Ich habe nichts gegen den Barbetreiber, aber das darf nicht sein. Wir werden Einsprache erheben. Denn wir Nachbarn sind es, die den Seich wegputzen müssen und den Lärm haben. Urin, Abfall, Flaschen, die herumliegen: Das ist alles sehr unangenehm.» Dabei denkt die Hausbesitzerin auch an ihre Mieter, die nachts schon vom Gröhlen von Betrunkenen aus dem Schlaf gerissen worden seien.

Selbst bei mehr räumlicher Distanz tönt es ähnlich. Hansruedi Kocher von der gleichnamigen Metzgerei ergreift Partei für die Nachbarn und fordert, dass die Einhaltung der Öffnungszeiten nachts besser kontrolliert wird. Bruno Rentsch, Tattoo-Studio, äussert für Barbetreiber und Nachbarn gleichermassen Verständnis.

Lehrgeld in Arch bezahlt

In Sachen Öffnungszeiten hat Christian Hänni in Arch bereits Lehrgeld bezahlt. Letztes Jahr habe er es mit der Polizeistunde nicht immer so genau genommen, sagt er. Die Strafe folgte auf dem Fuss, in Form von Bussen, Ermahnungen - und einer Schlägerei. Damit das nicht wieder geschieht, bemüht er sich nun um die Überzeitbewilligung.

Die Nachbarn stehen bei Christian Hänni nicht wie bei seinem Berufskollegen in Büren unter Generalverdacht. Grundsätzlich sei das Verhältnis entspannt, ist Christian Hänni überzeugt. Seine Eltern führen das Restaurant Arche, und auch da sei die Akzeptanz im Quartier gut.

Vor seiner Entscheidung lädt der Regierungsstatthalter die beiden Gemeinden ein, Stellung zu nehmen. Beide halten sich mit Hinweis auf das laufende Verfahren bedeckt. Büren hat seine Einschätzung unabhängig von den Einsprachen verfasst, die bisher eingegangen sind, wie Gemeindeschreiber Marco Reber erklärt. Arch wartet vorerst ab und lässt sich von der Reaktion im betroffenen Quartier leiten, so Gemeindeschreiber Christian Kurth.

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