Verkehr

Erst auf den zweiten Blick positiv

Unhaltbar: In einem sind sich alle einig: Es muss sich etwas ändern. Ernst Glur

Verkehr

Unhaltbar: In einem sind sich alle einig: Es muss sich etwas ändern. Ernst Glur

Seit knapp einer Woche sind die Aarwanger im Besitz einer Broschüre, in der Lösungen für das Verkehrsproblem in ihrem Dorf vorgeschlagen werden. Einige äussern sich positiv, andere eher kritisch. Klar ist nur eines: Es muss dringend etwas geschehen.

Irmgard Bayard

Mit dem Anzeiger flatterte den Aarwanger vergangenen Donnerstag die Broschüre «Mehr als eine Durchfahrt: Dorfzentrum Aarwangen» in die Haushalte. Herausgeber ist das Netzwerk Verkehr. Federführend ist der VCS Oberaargau-Emmental, Partner sind die Ober-aargauer Organisationen WWF, Pro Natura sowie die Parteien SP, Juso und Grüne Langenthal.

In der Broschüre zeigt Planer Daniel Grob (Langenthal/Roggwil) Ideen für eine sanierte und umgestaltete Ortsdurchfahrt Aarwangen auf. Damit werde ein teurer Autobahnzubringer hinfällig, sagen die Initianten.

Gemeindepräsident will Zubringer

Diese Zeitung wollte nun von den Aarwanger wissen, was sie von den Vorschlägen zur Verbesserung der Verkehrssituation in ihrer Gemeinde halten. Als Erstes kommt Gemeindepräsident Hans Leuenberger (SVP) zu Wort: «Ich sehe nicht viel Neues darin. Wir haben uns in der Gemeinde schon oft Gedanken gemacht und nach Lösungen gesucht, aber verkehrsmässig bringt alles nichts.»

Aus seiner Sicht muss als Erstes nun der Autobahnzubringer gebaut werden. «Nur so können wir die Verkehrsteilnehmer, vor allem die Lastwagenchauffeure, darauf aufmerksam machen, dass eine Alternative zur Ortsdurchfahrt besteht», sagt er. Sei die Umfahrungsstrasse einmal gebaut, so mache der eine oder andere Punkt in der Broschüre allenfalls Sinn, «vor allem in Bezug auf den Langsamverkehr». Für die meisten Vorschläge sei gar kein Platz im Dorf und: «Die Strasse gehört dem Kanton. Wir forcieren sicher keine Forderungen in dieser Richtung.»

Befremdet zeigte sich Leuenberger darüber, dass er von der Broschüre erst aus der Zeitung erfahren hat. «Ich habe sie wie alle Aarwanger erst mit dem Anzeiger erhalten.»
Der zuständige Oberingenieur Kreis IV, Walter Brodbeck, kennt den Inhalt der Broschüre. Diese sei ihm anlässlich der Einspracheverhandlung zum generellen Strassenplan am 10. September vorgelegt worden, sagt Adrian Wüthrich, SP-Gemeinderat von Huttwil und Präsident des VCS Oberaargau.

Brodbeck weilt zurzeit in den Ferien und kann deshalb nicht persönlich Stellung nehmen. Auf den Vorwurf, es habe in Aarwangen zu wenig Platz, antwortete Wüthrich: «Der Platz ist überall knapp.» Man müsse die Strasse von einer zur anderen Fassade betrachten, dann seien die Ideen umsetzbar.

«Einmischung Auswärtiger»

Ebenfalls keine Freude hat die SVP Aarwangen. Sie spricht von unerwünschter «Einmischung Auswärtiger» in Aarwanger Verkehrsprobleme. Und Heinrich Baumann aus Aarwangen schreibt in einem Leserbrief, er verstehe nicht, wie man einen solchen Vorschlag präsentieren könne. «Damit gefährdet man weitere Bemühungen, ein schwerverkehrsfreies Dorfzentrum in Aarwangen doch noch zu erreichen», schreibt er.

Er könne sich nicht vorstellen, dass die «Erfinder» dieses Netzwerkes «täglich in unserem Dorf ihre Einkäufe tätigen und ihre Kinder zur Schule schicken müssen». Dass die Verfasser, mit einer Ausnahme, alle von auswärts stammen, wurde denn auch von den Befragten am meisten bemängelt.

Auf der Strasse haben sich viele spontan für die Umfahrung ausgesprochen. Beim näheren Betrachten der Broschüre fanden viele deren Inhalt aber von «wünschenswert» über «umsetzbar» bis zu «gar nicht so schlecht» oder gar «sehr gut». Aber auch Worte wie «es blöds Gschtürm», man solle nun endlich die Umfahrung in Angriff nehmen, waren vernehmbar.

Noch nicht gelesen

Ein grosser Teil der Befragten hatte aber die Broschüre noch gar nicht gelesen und konnte sich deshalb nicht konkret dazu äussern. Viele glauben aber, dass vor allem die Zunahme des Verkehrs das Problem sei, so wie Fritz Kilchemann. Der 68-Jährige findet: «Bauvorhaben wie dasjenige des Grossverteilers Aldi an der Bützbergstrasse verursachen immer mehr Verkehr. Da helfen auch Vorschläge wie jene in der Broschüre nichts.»

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