Vielmehr werde davon ausgegangen, "dass die Motive und Ursachen in dem Täter selber liegen", sagte Münsters Polizeipräsident Hajo Kuhlisch am Sonntag. Nach der Tat hatte es Berichte über angebliche Kontakte des Täters in die rechtsextreme Szene gegeben, einen islamistischen Hintergrund sahen die Behörden bereits zuvor nicht.

Kuhlisch sagte, der Mann habe über insgesamt vier Wohnungen - zwei in Münster und zwei in Ostdeutschland - verfügt. Zudem habe er mehrere Fahrzeuge besessen. Laut Staatsanwaltschaft liefen gegen den Mann in den Jahren 2015 und 2016 mehrere Verfahren unter anderem wegen Bedrohung, Sachbeschädigung und Betrugs. Diese seien aber alle eingestellt worden. Es habe "keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität" gegeben, teilten die Ermittler mit.

Nordrhein-Westfalens Innenministers Herbert Reul (CDU) bekräftigte die bisherigen Informationen zum Täter. Es gebe "eine Menge Erkenntnisse", dass das Motiv in der Person des Täters liege. Allerdings würden die Ermittlungen dazu noch Stunden und Tage dauern. "Wir sind noch lange nicht am Ende. Es ist die Stunde der Ermittler", sagte der CDU-Politiker.

Notoperationen

Nach der Amokfahrt gab es derweil in der Uniklinik mehrere Notoperationen. Insgesamt würden vier Schwerstverletzte behandelt, sagte eine Sprecherin am Sonntagmorgen. Die Ermittler suchten derweil weiter nach dem Tatmotiv.

Die Klinik habe nach der Amokfahrt mit mehr als 20 Verletzen am Samstagnachmittag sofort alle verfügbaren Mitarbeiter informiert, so die Sprecherin der Klinik. 250 Ärzte und Pfleger seien in kürzester Zeit einsatzbereit gewesen. Hunderte Menschen folgten zudem dem Aufruf, sich zum Blutspenden zu melden "Das ist beispiellos, wie die Münsteraner da gehandelt haben."

In der Innenstadt von Münster war am Samstagnachmittag ein Mann mit einem Campingbus in eine Menschengruppe gefahren. Anschliessend hatte er sich in dem Wagen erschossen. Bei der Amokfahrt kamen eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann ums Leben.Absperrungen weitgehend aufgehoben

Am Sonntagvormittag hob die Polizei die Absperrungen in der Altstadt weitgehend auf. Lediglich der unmittelbare Tatort an der Kiepenkerl-Statue unweit des Doms war durch Gitter zunächst weiter gesperrt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. In der Nacht hatte die Polizei zuvor ihre Tatortarbeit fortgesetzt.