Erkenntnis aus dem Fasten ist auch für Kinder wichtig

«Gegenseitiger Respekt ist wichtig»: Claudia Bandixen, Kirchenratspräsidentin der reformierten Landeskirche des Kantons Aargau. (Fotos: sih)

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«Gegenseitiger Respekt ist wichtig»: Claudia Bandixen, Kirchenratspräsidentin der reformierten Landeskirche des Kantons Aargau. (Fotos: sih)

Über das Gemeinsame und das Trennende in der islamischen und der christlichen Erziehung haben am Samstagabend Vertreter der beiden Religionsgemeinschaften diskutiert.

Sibylle Haltiner

Im Rahmen des Lernfestivals lud Turquisse zu einem Symposium zum Thema «Bildung und Erziehung im Christentum und Islam» ein. Turquisse, ein Projekt junger Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, hat sich zum Ziel gesetzt, junge Türken bei der Ausbildung zu unterstützen und den Familien Hilfe anzubieten, um ihnen die Integration zu erleichtern. Der Verein organisiert beispielsweise Nachhilfeunterricht und hilft bei der Steuererklärung oder der Suche nach der richtigen Krankheitsvorsorge.

Am Samstagabend fand sich eine grosse Anzahl Interessierter zur Podiumsdiskussion im Grossratssaal in Aarau ein. Vor allem viele junge Männer und Frauen, aber auch Familien verfolgten das Gespräch.

Mensch im Mittelpunkt

Mathias Küng, Politikchef Aargau der Aargauer Zeitung, führte als Moderator durch die Diskussion. Gesprächspartner waren Farhad Afshar, Präsident der Konföderation Islamischer Organisationen Schweiz, Roland-Bernhard Trauffer, Generalvikar des Bistums Basel, Halit Duran, Präsident des Verbandes Aargauer Muslime, und Claudia Bandixen, Kirchenratspräsidentin der reformierten Landeskirche des Kantons Aargau.

«Wir reden hier über das Gemeinsame und das Trennende in Christentum und Islam», erklärte Küng zu Beginn der Diskussion. «Die Christen setzen den Menschen in den Mittelpunkt, die Muslime jedoch Gott», erklärte Afshar. Trauffer wies darauf hin, dass im Christentum der Mensch Gottes Ebenbild sei und deshalb eine besondere Aufgabe innerhalb der Schöpfung habe.

Säkularität gegen Religion

Auf Küngs Frage, wie denn die trennenden Elemente im Alltag überbrückt werden könnten, meinte Claudia Bandixen: «Wir sollten nicht destruktiv über Weltprobleme streiten und einander verurteilen, sondern den anderen respektieren.»

Duran sah die grössten Gegensätze nicht zwischen den Religionen, sondern im Spannungsfeld mit der säkularen Welt.

Danach hatte das Publikum die Möglichkeit, sich an der Diskussion zu beteiligen, wobei unter anderem Fragen zu den Themen Ethikunterricht und Förderung von Migrantenkindern zur Sprache kamen.

Hunger erfahren

Punkt acht Uhr ertönte aus dem Lautsprecher der Ruf des Muezzins. Damit war es Zeit für das Fastenbrechen. «Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islams», erklärte Burak Akyol, Präsident von Turquisse. Es gehe darum, zu erfahren, wie es sich anfühle, Hunger zu haben, arm zu sein. Afshar nannte diese Er-kenntnis einen Perspektivwechsel, der auch in der Erziehung wichtig sei.

Mit einer Dattel beendeten die Muslime ihren Fastentag. Im Rathauskeller wurde neben Suppe und Salat auch Manti aufgetischt, eine türkische Spezialität aus handgeformten Teigtaschen mit Hackfleischfüllung, serviert mit Joghurt und zerlassener Butter. Auch Süssigkeiten durften nicht fehlen. Bei diesem Festmahl konnte die Diskussion über Erziehung und Bildung im Christentum und im Islam im kleineren Kreis fortgeführt werden.

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