Werner Hostettler

Es sind nicht einfach «ein paar alte Häuser», die der Abbruchbagger derzeit in der Fricker Zwidellen zu Boden reisst. Vielmehr handelt hier um den ältesten Gebäudekomplex in diesem Quartier - und es besteht auch ein Zusammenhang mit dem Bau der Bözbergbahn.

Im Februar 1873 wurden auch in Frick die Arbeiten für den Bau der offenen Strecke aufgenommen, die Zahl der am Bahnbau beschäftigten Mitarbeiter erreichte im Mai 1874 mit deren 4600 ihren Höhepunkt. Diese Gastarbeiter fanden anfänglich bei Familien im Dorf eine Unterkunft, später auch in einem Barackenlager.

Start mit Bahnhäuschen

Die Aufseher wohnten in eigenen für sie erstellten Häusern. Mit der offiziellen Betriebsaufnahme der Bahn am 2. August 1875 hatten diese «Aufseherhäuser von Rieg und Holz» ausgedient. Es war Pintenwirt Eduard Hohler, der in der Folge eines dieser Gebäude erwarb und es später in die Zwidellen hinunter- verpflanzte. Dies war denn auch der Anfang der Schreinerei-Epoche in diesem Gebiet. Nach verschiedenen Eigentümern ging das Aufseherhaus 1947 in den Besitz von Georg und Maria Huber über, die sich, aus dem Bernbiet kommend, in Frick niedergelassen hatten und mit diesem Erwerb ihr Unternehmen aufbauten. Das Ehepaar Huber wohnte zu Beginn auch im Erdgeschoss des «Bahnhäuschens», das sich nun im Alter von weit über 100 Jahren dem Abbruchhammer beugen muss.

Erinnerung an wehrhafte Zeiten

Der Abbruch des Gebäudekomplexes in den Zwidellen erfüllt einige Fricker mit einem leisen Hauch von Wehmut, werden doch Erinnerungen an eine «ebenso paradiesische wie wehrhafte Zeit» wach, wie Gemeindeschreiber Heinz Schmid der AZ leicht schmunzelnd erzählt: «Ich wuchs gleich gegenüber der Schreinerei Huber auf und für uns Kinder war dies ein richtiges Paradies, durften wir uns doch mit Holzabfällen eindecken und diese für unsere Aktionen verwenden.» Damit meinte er nicht nur den Bau von Hütten, sondern auch eine treffsichere Rarität: «Wir haben einen veritablen Panzer aus Holz gebaut.» Doch nicht genug damit: «Wir bauten hinten einen Gummizug aus einem alten Veloschlauch und vorne ein Ofenrohr ein. Als Munition besorgten wir uns Kastanien vom nahen Schulhausgelände.» Verständlich, dass die Zwidelle damals in den 50er-Jahren als «gefährliche Passage» bezeichnet wurde. «Unsere Feinde bekamen schon dann und wann blaue Flecken ab . . .»

Apropos wehrhaftes Quartier: Es gibt keine andere Strasse oder Gasse in der Gemeinde Frick, aus der so viele Milizoffiziere hervorgegangen sind wie eben die Zwidellen. Stand und steht doch dort kaum ein Haus, in dem nicht ein Hauptmann oder Oberst wohnte oder wohnt. In gewissem Sinne darf die Schreinerei Huber daher für sich in Anspruch nehmen, ihren Teil zu dieser «Offiziersstrasse» beigetragen zu haben, durften sich doch die jungen «Panzerbauer» von damals auch mit Abfallholz für die Herstellung von eigenen Schwertern zur erfolgreichen Verteidigung ihres Territoriums eindecken.