Michael Nittnaus

«Der Ruin ist unbeschreiblich... wenige Wälder machen eine Ausnahme... überall wo noch Waldgrün seyn soll... [ist] nur die Hälfte... mit Holz bewachsen...» So schrieb Georg Falkensteiner 1809. Der Österreicher war zwei Jahre zuvor zum ersten solothurnischen Oberforstmeister ernannt worden und hielt seine Eindrücke auf Reisen im Kanton fest.

«Was Falkensteiner sah, waren Wälder mit nur einem Drittel des heutigen Baumbestandes, und auch die Gesamtfläche war um 20 bis 30 Prozent geringer. Die Wälder wurden durch einen sehr hohen Holzbedarf der aufkommenden Industrie, aber auch einen florierenden Export und die Nutzung als Weideland heruntergewirtschaftet», erklärt der aktuelle Kantonsoberförster Jürg Froelicher, der 13. seit Pionier Falkensteiner. Im Grundsatz sei der Ruin des Waldes eine Energiefrage gewesen, da erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von Kohle eine wirkliche Alternative zum Holz bestand.

Dank Falkensteiners Warnungen reagierte der Solothurner Rat und erliess am 28. September 1809 eines der ersten modernen Forstgesetze der Schweiz. Man erkannte, dass «zum Teil schon die wirklichen Zeitgenossen, unausweichlich aber die Nachkommenschaft, in einen sehr harten und drückenden Holzmangel gestürzt werden müssen, wenn diesem Übel nicht auf möglichste Art Einhalt getan und zur Erhaltung und Bewirtschaftung der Waldungen ein zweckmässiges System aufgestellt würde» (aus der Einleitung zum Forstgesetz von 1809).

Arbeitsfeld der Förster im Wandel

Durch diese Einsicht, aber auch durch die grössere Konkurrenz anderer Rohstoffe, konnte sich Solothurn zu einem eigentlichen Waldkanton entwickeln - mit einem Waldanteil von 40 Prozent die Nummer vier der Schweiz. Innerhalb der Kantonsgrenzen weist das Schwarzbubenland 46 Prozent Waldanteil auf, was einem Viertel der gesamten kantonalen Waldfläche entspricht (siehe Kasten). «Wir sind eine eigentliche Waldamtei», freut sich Martin Roth.

Für den Kreisförster im Dorneck-Thierstein ist allerdings klar, dass dies weniger dem guten Forstdienst, sondern eher den geologischen Verhältnissen zu verdanken ist: «Der trockene und wenig fruchtbare Untergrund des Jura-Kalkfelsens erschwerte die Ausbreitung der Landwirtschaft.»

Roth ist seit 1990 Kreisförster. In diesen rund 20 Jahren erlebte er eine rasante Entwicklung seines Arbeitsfeldes: «Anfangs konnte ich drei bis vier Tage pro Woche im Wald arbeiten, heute sind es noch ein bis zwei. Das bedaure ich mitunter schon.» Heute bestehe eine klarere Aufgabenteilung zwischen dem Kreisförster, der eher die mittelfristige Planungsarbeit übernimmt, und dem Revierförster, der aktuelle Aufgaben im Wald erledigt. «Auch wenn mich der Revierförster-Alltag reizt, so bleibe ich doch gerne noch zehn Jahre in meinem Amt», verneint der 55-Jährige Wechselabsichten.

Der Förster als Mediator

Momentan befindet sich der Forstdienst in der Phase der Waldverjüngung, also des Fällens alter, dicker Bäume, bevor diese abzusterben drohen und deren Holz nicht mehr genutzt werden kann. Da der Wald aber immer stärker auch als Freizeitgebiet genutzt wird, stehen die Förster viel stärker im Licht der Öffentlichkeit. «Wir sind keine einsamen Mauerblümchen im Wald mehr», drückt es Roth poetisch aus. Er sei zum «Anwalt der Ökologie», zum Konflikt-Koordinator geworden.

Es sei problematisch, dass viele Menschen eine statische, durch Kindheitserinnerungen emotional aufgeladene Sicht auf den Wald hätten. «Wir müssen die Öffentlichkeit öfter und genauer über unsere Arbeit informieren, um zu zeigen, dass wir beispielsweise mit Fällarbeiten den Wäldern nicht schaden, sondern einen Beitrag zur Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren leisten, weil neue Lebensräume entstehen», sagt Roth und verdeutlicht dies mit einem Vergleich: «Wenn Schlachthäuser Glaswände hätten, müssten sie auch anders mit den Tieren umgehen.»

Auch im Fokus des Forstdienstes stehen momentan die verschiedenen Konfliktherde im Zusammenhang mit Freizeitsportlern. Martin Roth ist unter anderem an Gesprächen mit der Interessensgemeinschaft Klettern Nordwestschweiz beteiligt. «Klettern ist zwar ein naturnaher Sport. Er findet aber in einem ökologisch äusserst sensiblen Bereich statt.» Deshalb versucht Roth, die Kletterer davon zu überzeugen, bei rund zehn Prozent der Felsen auf ihren Sport zu verzichten.

«Eine striktere Regelung dürfte leider kaum realistisch sein.» Auch beim Dialog mit den Bikern sieht der Kreisförster noch viel Arbeit: Es sei ein Geben und Nehmen. Erschwerend käme hinzu, dass Solothurn und Baselland nicht dieselben Regelungen haben und zudem die Mountainbiker keine klar organisierte Struktur aufweisen würden.

Ausstellung soll sensibilisieren

Einen kleinen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit soll die seit April durch den Kanton wandernde Ausstellung leisten. Oberförster Froelicher hebt hervor, dass sich der Besuch für jedermann lohnt: «Neben Infotafeln bieten wir auch einen eigens für die Ausstellung produzierten Videobeitrag, Tastaufgaben oder Audiostationen mit Tiergeschichten. Wir wollen zeigen, dass der Wald alle Sinne anregen kann.»

Wanderausstellung «200 Jahre Forstdienst im Kanton Solothurn»: 29. September bis 20. Oktober im Kulturforum des Alterszentrums Bodenacker in Breitenbach.