Erdbeben
Erdbeben vor Chile fordert fünf Tote – Küste wegen Tsunami-Gefahr evakuiert

Der Norden Chiles ist von einem starken Erdbeben erschüttert worden. Die US-Erdbebenwarte gab die Stärke des Bebens mit 8,0 an. Das Zentrum lag 100 Kilometer von der nördlichen Hafenstadt Iquique entfernt in einer geringen Tiefe im Pazifik.

Drucken
Bewohner warten auf die Evakuierung.
9 Bilder
Die Angst vor einer Tsunami-Flutwelle war gross.
Die Karte der US-Edbebenwarte zeigt das Epizentrum des Bebens.
Bewohner der Stadt Valaparaiso machen sich auf in höher gelegene Gebiete.
Die Evakuierung lief ohne grössere Probleme ab.
Die Stadt Iquique kurz nach dem Beben. In einigen Stadteilen fiel der Strom aus.
Die Angst vor einer Tsunami-Flutwelle war gross.
Ein Restaurant in der Stadt Iquique ging in Flammen auf.
Erdbeben in Chile versetzt Leute in Angst vor Tsunami-Flutwelle.

Bewohner warten auf die Evakuierung.

Keystone

Vier Jahre nach dem verheerenden Beben in Südchile wurde am Dienstag der Norden Chiles schwer erschüttert. Das Epizentrum lag im Meer 100 Kilometer nordwestlich der Hafenstadt Iquique, der Küstenstreifen wurde wegen eines Tsunami-Alarms evakuiert. Mehrere Menschen kamen um.

Drei Regionen zu Katastrophengebiet erklärt

Nach dem schweren Erdbeben in Chile hat Präsidentin Michelle Bachelet drei Regionen im Norden des Landes zum Katastrophengebiet erklärt. Das Militär solle den Betroffenen dort helfen, aber auch Plünderungen vermeiden, sagte sie in der Nacht zum Mittwoch in einer Fernsehansprache.

"Es sind die notwendigen Massnahmen getroffen worden, um die Bürger zu schützen", erklärte sie. Bislang sei alles unter Kontrolle: "Das Land hat die ersten Stunden dieses Notfalls gut gemeistert."

Chiles Innenminister Rodrigo Peñalillo sprach von fünf Todesopfern. Vier Männer und eine Frau seien gestorben.

Zwei Tote waren in der Ortschaft Alto Hospicio, in der Nähe von Iquique, zu beklagen, wie das Nachrichtenportal Emol nach Angaben des lokalen Bürgermeisters berichtete. Drei Personen wurden schwer verletzt. Das Beben am Dienstagabend hatte eine Stärke von 8,2.

Wegen einer Tsunami-Warnung wurde die Bevölkerung an der nordchilenischen Küste aufgefordert, sich in höher gelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen. Das Epizentrum habe sich zwischen Arica und Iquique in 38,9 Kilometer Tiefe befunden, teilte die chilenische Erdbebenwarte CSN mit.

Das Innenministerium gab an, das Wasser vor der Küste habe sich mehrere Meter zurückgezogen - ein Zeichen für bevorstehende hohe Wellen. Im Norden Chiles erreichte nach Angaben der Marine bereits nach 45 Minuten eine erste Flutwelle das Land. Laut dem Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik verursachte das Beben mehrere Tsunami-Wellen, die höchste mit 2,3 Metern. Es wurde erwartet, dass sie sich binnen fünf Stunden immer weiter nach Süden verlagern würden.

In Iquique brachen zwei Brände aus, wie der Radiosender Bio Bio berichtete. Die Landstrasse von Iquique nach Colchane, an der bolivianischen Grenze, sei beschädigt worden. Und in Arica sei Geröll von dem 130 Meter hohen Küstenhügel Morro de Arica gerutscht.

Flucht aus dem Gefängnis

In der Stadt kam es auch zu Stromunterbrüchen. In Iquique seien rund 300 Frauen aus dem lokalen Gefängnis geflüchtet, berichtete Emol nach Angaben von Innenminister Peñalillo.

Die Evakuierung der Küstenstreifen in nordchilenischen Städten wie Arica und Antofagasta sei in der ersten Stunde nach dem Beben problemlos gewesen, berichtete der Radiosender Cooperativa nach Angaben lokaler Behörden. Auch im Süden Perus fanden Evakuierungen statt.

Veronica Castillo aus der Stadt Arica am nördlichsten Ende der chilenischen Küste, berichtete telefonisch, die Strassenbeleuchtung sei während der Evakuierung ausgefallen.

Die Flughäfen von Arica und Iquique wurden geschlossen. Flüge, die von Santiago in die Städte im Norden bereits gestartet waren, kehrten zur chilenischen Hauptstadt zurück. In Antofagasta und Arica wurde der Schulunterricht für Mittwoch abgesagt. In Iquique gab es einige Plünderungsversuche, erklärte der Gouverneur Gonzalo Prieto.

Mehrere Nachbeben

Chiles Staatschefin Michelle Bachelet verfolgte die Situation vom Regierungsgebäude in Santiago de Chile aus. In der ersten Stunde nach dem Erdbeben wurden vier Nachbeben von einer Stärke ab 5,0 verzeichnet.

Das Beben am Abend chilenischer Ortszeit war bis ins Binnenland Boliviens zu spüren. Auch in den peruanischen Städten Tacna, Moquegua und Arequipa fiel teilweise der Strom aus. Berichte über schwere Schäden oder Opfer in dem Land gab es nicht. Auch die Kupferbergwerke im Norden Chiles und im Süden Perus verzeichneten keine schweren Schäden.

Am 27. Februar 2010 waren bei einem Erdbeben der Stärke 8,8 in Südchile mehr als 500 Menschen umgekommen. In Nordchile waren dagegen seit dem 19. Jahrhundert keine Erdbeben dieser Stärke verzeichnet worden. In den vergangenen Wochen hatte rund 400 schwächere Beben das Gebiet erschüttert. Chile befindet sich an der Kontaktgrenze der tektonischen Nazca-Platte mit der südamerikanischen Platte.