Erdbeben: Hilfswerk rechnet mit dem Schlimmsten

Erdbeben: Aargauer Hilfswerk rechnet mit dem Schlimmsten

Glück im Unglück Diese Schulkinder aus Hinche blieben vom Erdbeben verschont.

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Glück im Unglück Diese Schulkinder aus Hinche blieben vom Erdbeben verschont.

Josef und Samuel Schmid vom Bibersteiner Hilfswerk Freundes-Dienst hoffen und bangen. Seit fast einer Woche warten sie auf ein Lebenszeichen aus Haiti.

Maja Sommerhalder

«Diese Ungewissheit ist schlimm», sagt Samuel Schmid (37) und zeigt ein Bild von dunkelhäutigen Schulkindern in blauen Uniformen: «Wir wissen nicht, ob sie noch leben.» Der reformierte Pfarrer und sein Vater Josef Schmid (83) aus Biberstein teilen sich das Präsidium des Aargauer Hilfswerkes Freundes-Dienst. Seit 1962 sind sie in Haiti tätig und haben dort drei Schulen aufgebaut. 1300 Kinder aus den ärmsten Verhältnissen werden unterrichtet. Nach dem Erdbeben vom vergangenen Mittwoch herrschte für zwei Tage absolute Funkstille. «Erst am Freitag konnten wir mit einer Schule Kontakt aufnehmen», so Samuel Schmid. Diese befindet sich in der Stadt Hinche im Zentrum des Landes. Dort bebte die Erde nicht so stark wie in der Hauptstadt Port-au-Prince: «Den Mitarbeitern und Schülern geht es gut. Auch das Gebäude steht noch.»

Doch Josef und Samuel Schmid können noch nicht aufatmen. Denn von den beiden Schulen in Port-au-Prince gab es bisher noch kein Lebenszeichen. Tag und Nacht versucht Samuel Schmid Kontakt aufzunehmen: «Wir wissen leider, dass die Schulen zerstört sind.» Brutal: Die Erde bebte während des Unterrichtes: «Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen», sagt Josef Schmid besorgt. Derzeit seien Mitarbeiter unterwegs nach Port-au-Prince: «Wir hoffen, dass wir morgen oder übermorgen weitere Informationen erhalten.»

Hilfsgüter werden gesammelt

Währenddessen sind Vater und Sohn in der Schweiz aktiv. In ihrem Hilfsgüterlager stapeln sich die Bananenschachteln - Kinderkleider warten darauf, verpackt zu werden. «Wir sammeln Kleider, Medikamente und Lebensmittel. Diese werden so bald wie möglich in einem Container in die Hauptstadt geschickt», sagt Samuel Schmid. Dort sollen sie verteilt werden, wo es am nötigsten ist. Dazu gehört auch die Stadt Hinche im Landesinnern. Diese ist zwar von den Erdbeben nicht so stark betroffen, dafür werden etwa 20 000 Flüchtlinge erwartet. Nicht zum ersten Mal leisten die Männer Soforthilfe in Haiti: «2008 verwüsteten Hurrikane das Land.» Aus dieser Zeit hätten sie ein gutes Netzwerk: «Jetzt können wir deswegen sicher sein, dass die Hilfsgüter nicht in die falschen Hände geraten.»

Katastrophe als Chance

Josef Schmid war in den letzten 48 Jahren mehrere Male in Haiti: «Diktatur, Armut, Korruption und Naturkatastrophen - die Menschen in diesem Land haben so viel Schlimmes erlebt.» Trotzdem seien sie stets zuversichtlich und positiv. Grund zur Zuversicht hätten
die Einheimischen, die vom Hilfswerk Freundes-Dienst profitieren, vor dem Erdbeben auch gehabt: «Wir wollten die Schulen erweitern. Zudem ist eine ambulante Klinik geplant», sagt Samuel Schmid, der in diesen Tagen deswegen nach Haiti reisen wollte. Jetzt wird er sich wohl vor Ort mit dem Wiederaufbau der zerstörten Schulen beschäftigen müssen. «Es ist ganz wichtig, dass man den Menschen möglichst schnell eine Perspektive bietet.» Gleichzeitig sollen die Ausbauprojekte nicht zurückgesteckt werden. Denn Josef und Samuel Schmid haben auch Hoffnung. «Dank der Berichterstattung merkt die Welt, wie sehr dieses Land Hilfe braucht.» Diese Aufmerksamkeit könne für die Einheimischen auch eine Chance sein.

Spenden für Haiti können auf das Konto
PC 50-6857-3 mit dem Stichwort «Haiti» überwiesen werden. Mehr Infos findet man unter www.freundesdienst.org

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