Er will sie nur auf die Toilette begleitet haben

Vater soll seine zwei Töchter mehr als 30 Mal missbraucht haben

Vater soll seine zwei Töchter mehr als 30 Mal missbraucht haben

In Rheinfelden steht ein Mann vor Gericht, der seine zwei eigenen Töchter 30mal sexuell missbraucht haben soll. Er sagt: «Ich bin unschuldig».

Maja Sommerhalder

Wortkarg ist der Mann, der seine eigenen Töchter mehrfach sexuell missbraucht haben soll. In gebückter Haltung sitzt Peter Meyer* (51) gestern im Rheinfelder Gerichtssaal. «Ich bin unschuldig», sagt er immer wieder. In der Anklage steht hingegen, dass es zwischen dem Sommer 2005 und Dezember 2006 etwa 30-mal zu sexuellen Übergriffen kam. Damals waren seine Töchter gerade mal drei und fünf Jahre alt.

Er soll sich vor ihnen befriedigt und sie an den Geschlechtsteilen berührt haben – manchmal so heftig, dass dort blaue Flecken zu sehen waren. «Ich habe gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Meine Töchter sind sofort weggerannt, wenn mein Mann kam. Zudem haben sie mir davon erzählt», sagt Peters Ex-Frau, Gerda Meyer* (46), der Richterin. Auch die blauen Flecken seien ihr aufgefallen: «Ich habe meinen Ex-Mann mehrmals darauf angesprochen. Er stritt jedoch immer alles ab und wurde wütend.» Deshalb hätte sie auch nichts unternommen: «Ich konnte es nicht glauben, dass er so etwas tun würde.»

Ertappt soll ihn schliesslich am 10.Dezember 2006 seine Schwiegermutter Nina* haben, die damals mit der vierköpfigen Familie im gleichen Haus lebte. «Peter wischte sich auf der Toilette sein steifes Glied ab. Daneben stand seine jüngere Tochter und musste zuschauen», erzählt die ältere Frau unter Tränen. Der Beschuldigte behauptete hingegen, dass er seine Tochter nur auf die Toilette begleitet habe – ohne sexuellen Hintergedanken.

Trotzdem informierte Nina ihren Mann und Tochter Gerda. Zur Polizei gingen sie aber nicht. Stattdessen schickten sie Peter zum Psychiater. «Ich hatte Angst vor ihm. Zudem wollte ich ihm nochmals eine zweite Chance geben», so seine Ex-Frau Gerda.

Er zog Geständnis zurück

Fast drei Wochen nach dem Vorfall machte Peters Schwiegervater dann aber doch eine Anzeige. Peter kam in Untersuchungshaft und legte ein umfassendes Geständnis ab. «Ich befürchtete, dass ich nie mehr aus dem Gefängnis rauskomme und nicht mehr arbeiten kann. Also erzählte ich den Polizisten, was sie hören wollten.» Einige Tage nach seiner Haftentlassung zog er sein Geständnis wieder zurück. Dies belaste den Angeklagten, findet Staatsanwalt Beat Sommerhalder. Er hält ihn deshalb für schuldig und beantragt vor Gericht eine Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren.

Der Opferanwältin Judith Geiser ist das nicht genug. Sie will, dass die Opfer finanziell entschädigt werden: «Die Mädchen leiden unter einem schweren Trauma. Die Fachleute sind sich einig, dass sie sexuell missbraucht worden sind.» Roland Metzger, Anwalt des Angeklagten, plädiert hingegen auf Freispruch: «Es gibt keine handfesten Beweise.» Wie sich das Gericht letztlich entscheidet, wird erst in einigen Wochen bekannt gegeben. Es muss noch auf ein Gutachten gewartet werden.

* Namen geändert

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