Er verwandelt Kunden in Julia Roberts
Er verwandelt Kunden in Julia Roberts

Weil der ausgebildete Chirurg von seiner Heimatstadt Basel aufs Land ziehen wollte, landete er vor 30 Jahren im Kantonsspital Aarau. Heute kann sich der Gründer der Gemeinschaftspraxis BelCare vor der Flut schönheitsbewusster Frauen und Männer kaum mehr retten.

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Er verwandelt Kunden in Julia Roberts

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Schweiz am Sonntag

Von Barbara Rüfenacht

«Die Zeiten, in denen sich ausschliesslich reife Frauen einer Schönheitsoperation unterzogen, sind endgültig vorbei», erklärt Jürg Schiffmann, Gründer und einer der vier Fachärzte, die in der Praxis am Bahnhof Aarau jährlich rund 1200 ästhetische Eingriffe vornehmen. Bei den Männern ist Schweigen allerdings immer noch Gold. «Herren huschen am liebsten an Feiertagen via Tiefgarage zu uns in die Praxis herauf», weiss der renommierte Spezialist mit einer Zusatzausbildung in rekonstruktiver, plastischer und ästhetischer Chirurgie und einer Vorliebe für elegante Formen.

«Die jüngerenLifestyle-Männer kommen wegen kleiner Fettpölsterchen oder einer Nasenkorrektur zu mir, reifere Männer eher wegen Falten oder hängender Augenlider, die sie müde erscheinen lassen.» Lidstraffungen können ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt werden, die so genannten Filler zum Auffüllen von Falten oder hohlen Gesichtspartien werden auch über Mittag angeboten. «Der Anspruch, rasch wieder gesellschaftsfähig zu sein, nimmt ständig zu», betont Jürg Schiffmann. Lag die Filmdiva Sophia Loren nach ihrem Facelifting einst noch tagelang versteckt mit einbandagiertem Kopf in Genf im Spital, will die neue, nicht selten prominente Kundschaft aus Politik und Wirtschaft sofort wieder einsatzfähig sein. Kein Wunder, kommen immer öfter minimale Eingriffe zum Zug, kaum jemand hat Geduld, und viele wollen vorbeugend verjüngt werden, damit sie sich später eine grosse Operation in Vollnarkose sparen können.

Oft möchte die Klientel aber einfach attraktiver aussehen. «Der häufigste Operationswunsch von Frauen ist eine Brustvergrösserung.» Auch die Nachfrage nach dem nach wie vor umstrittenen Botox steigt ständig. Jürg Schiffmann betont allerdings, Botox sei nur dann gefährlich, wenn es in einer zu hohen Menge am falschen Ort gespritzt werde, und Tierversuche würden bei diesem Mittel von Medisuisse verlangt. «Ob diese sinnvoll und nötig sind, kann man sich wirklich fragen.» Richtig angewendet, sei Botox gar unbedenklicher als Aspirin, das zu gefährlichen Magenstörungen führen könne, weiss der Facharzt, der sich in seiner Freizeit gerne mit Oldtimern beschäftigt. «Wäre ich nicht Chirurg geworden, würde ich heute vielleicht als Autokonstrukteur arbeiten.»

Schöne Linienund Konturen faszinieren den zweifachen Vater, der noch heute von seinem väterlichen Mentor am Kantonsspital Aarau, dem plastischen Chirurgen Kob Wintsch, schwärmt. «Zu Beginn meiner Karriere habe ich mich intensiv der wiederherstellenden Chirurgie, darunter auch der Handchirurgie gewidmet», erinnert sich der Zögling. Als sich jedoch ein Patient nach einer siebenstündigen Operation, in der ihm seine verlorene Hand wieder angenäht wurde, beschwerte, er könne die Finger nicht mehr so gut bewegen wie vor dem Unfall, stellte der Mikrochirurg seine Arbeit erstmals infrage. «Kob Wintsch führte mich in die ästhetische Chirurgie ein, und ich merkte rasch, wie viel Freude ich den Patienten bereiten kann.» Die berufliche Begeisterung sprang auch auf die Kinder über. «Unser Sohn studiert Medizin, die Tochter Health Science.»

Frauen, die dezente Resultate verlangen, pilgern auch gerne von den Ufern des Zürichsees in den Kanton Aargau. «Hier ist Natürlichkeit Trumpf.» Manchmal gelangen auch unzufriedene Patienten an die Fachärzte in Aarau. Solche Herausforderungen schätzt Jürg Schiffmann besonders. «Ein schlechtes Resultat zu berichtigen, ist schwieriger, als gute Ergebnisse in einer ersten Operation zu erzielen.» Bei komplizierten Eingriffen operiert der Spezialist an vier verschiedenen Kliniken im Aargau. «Ich habe immer noch Freude an anspruchsvollen rekonstruktiven Operationen», betont der gebürtige Basler.

Wohin geht der Trend in der Schönheitschirurgie? «Ganz klar zu Kombi-Eingriffen wie etwa einer Brustvergrösserung und -straffung, verbunden mit einer Oberschenkelstraffung.» Bis zu drei Spezialisten sind bei solchen Einsätzen am Kunden beschäftigt. Die Operationsgeschwindigkeit erhöht sich dadurch dramatisch. «Wie in der Privatwirtschaft passen wir uns den Kundenwünschen laufend an.»

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