Peter Pfiffner
«Er lässt sich durch nichts mehr erschüttern»

Als Wandergeselle wollte Michael Pfiffner aus Knonau die Welt entdecken. Die Hälfte der Wanderjahre ist nun vorüber. Vater Peter und Bruder Tobias Pfiffner haben ihn in Leipzig besucht.

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«Er lässt sich durch nichts mehr erschüttern»

«Er lässt sich durch nichts mehr erschüttern»

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Thomas Stöckli

Peter Pfiffner zeigt sich nach seinem Besuch in Leipzig von der Entwicklung seines Sohnes beeindruckt: «Er ist die Ruhe selbst geworden und lässt sich durch nichts mehr erschüttern.» Alle zwei bis drei Monate meldet sich Michael Pfiffner zu Hause. «Wenn du nichts hörst, ist alles gut», hat er seinem Vater versichert. Dieser berichtet seinem Sprössling in monatlichen Mails aus der Heimat.

Autostopp und «EC-Hotel»
«Ich werde von vielen Leuten angesprochen: wie geht es dem Michi?», sagt Peter Pfiffner. Das erste Drittel seiner dreijährigen Wanderschaft im fremden Freiheitsschacht hat der Knonauer Wandergeselle mehrheitlich in Deutschland, aber auch in Frankreich und in Dänemark verbracht, die Hälfte der Zeit arbeitend, die andere Hälfte reisend.
Unterwegs ist er meist per Anhalter. Die Leute seien oft froh, jemanden zum Reden zu haben, so Michael Pfiffner. Mühsam wird es an Feiertagen oder während den Sommerferien. So musste Pfiffner in Lyon auch schon mal zwei Tage bei einer Autobahneinfahrt ausharren, bis ihn jemand mitnahm. Übernachtet wird zur Not auch mal im «EC-Hotel», wie die mit EC-Karte rund um die Uhr zugänglichen Vorräume von Banken im Wandergesellen-Jargon genannt werden.
40 bis 50 Gesellen sind momentan wie Michael Pfiffner als «Fremde Freiheitsbrüder» unterwegs. Ihr Erkennungsmerkmal ist ein besonderer Schlips, die «rote Ehrbarkeit». Untereinander haben die Gesellen einen extrem starken Zusammenhalt. Sie wissen, wo sie sind, treffen sich und vermitteln einander Arbeit.

Über Russland nach Fernost?
Wo sie hinkommen, da fallen sie auf. Mit dem ersten Lohn als Wandergeselle hat sich Michael Pfiffner massgeschneiderte Zimmermannskleidung gekauft. Immer wieder wird er seither auf seine Tracht mit dem Schweizer Kreuz angesprochen: «Das ist ein Kaminfeger, der bringt Glück», so eine deutsche Frau zu ihrer Tochter, doch die korrigierte prompt: «Nein Mutti, das ist ein Wandergeselle.»
Den vergangenen Winter hat Michael Pfiffner in Andalusien und auf Gran Canaria verbracht. Seit drei Monaten ist er nun mit einem Berliner Wandergesellen unterwegs, momentan gen Rumänien. Diesen Sommer soll es allerdings noch nordwärts gehen in Richtung Baltikum und Skandinavien. Was danach kommt, steht noch nicht fest, doch Michael Pfiffner will über Russland und die Mongolei nach China und Japan. Immer umfangreicher wird das Wanderbuch, immer exotischer die Stempel darin...
Am 19. Dezember 2011 läuft die Mindest-Wanderzeit von drei Jahren und einem Tag ab. Aber Michael Pfiffner dürfte wohl noch etwas länger fortbleiben: «Im Winter will er sowieso nicht heimkommen», so Peter Pfiffner.

«Leben und leben lassen»
Der fremde Freiheitsschacht wurde 1910 in Bern gegründet. Er pflegt den Brauch für Bauhandwerksgesellen nach der Lehrzeit auf Wanderschaft zu gehen und zeichnet sich durch seine liberale Haltung aus.
Infos unter www. fremderfreiheitsschacht.de.

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