Boyzweek

Er ist weder Softie noch Haudegen

Tauchen: Dieser Kurs gehört bei der Boyzweek zu den beliebtesten. Immerhin winkt zum Schluss ein weltweit gültiges Zertifikat. zvg

Tauchen

Tauchen: Dieser Kurs gehört bei der Boyzweek zu den beliebtesten. Immerhin winkt zum Schluss ein weltweit gültiges Zertifikat. zvg

Nächste Woche geht in der Umgebung von Biel die fünfte Boyzweek über die Bühne. 116 Jungen zwischen 10 und 17 Jahren üben in 15 Kursen das Mannsein in Aktion.

Daniela Deck

«Abenteuer, Spannung, Bewegung und viel Spass - welcher Junge wünscht sich das nicht?» Mit diesen Worten ködern die Jugendarbeitsstellen von Einwohner- und Kirchgemeinden um Biel männliche Jugendliche. 116 haben angebissen. Sie verbringen die nächste Woche beim Kurs ihrer Wahl. Da gibt es die Möglichkeit, Bogen schiessen oder Zaubern zu lernen, beim Schmied am Amboss Hand anzulegen oder mit Jäger und Maultier durch den Wald zu streifen.

Fischen ja, Musikvideo nein

«Viele, die letztes Jahr gekommen sind, haben sich wieder eingeschrieben», erklärt Mitorganisator Olivier Paroz auf Anfrage. Die Werbung lief hauptsächlich über die Schulen. Anders als bei der Mädchenwoche, die aufgrund sinkender Teilnehmerinnenzahlen aufgegeben wurde, sieht Paroz für die Boyzweek auch in Zukunft eine grosse Nachfrage.

«13 der 15 Kurse sind diesmal voll. Die beliebtesten sind American Football, Skaten, Fischen und Tauchen», so Olivier Paroz. Selbst bei der fünften Durchführung erleben die Organisatoren Überraschungen. So stiess ihre Idee für einen neuen Kurs auf wenig Gegenliebe. Kaum ein Junge wollte fünf Tage lang ein Musikvideo drehen.

«Wir hatten dafür einen Profi gewinnen können, der ein interessantes Angebot präsentierte. Ich hätte gedacht, dass das heuer der Renner wird. Aber weit gefehlt. Wir mussten den Musikvideokurs mangels Anmeldungen absagen», erzählt Paroz.

Mann sein, nicht TV-Fantom

Die Boyzweek ist mehr als ein Ferienpass für Jungs. «Emotionen stehen im Zentrum», sagt Olivier Paroz. Dabei geht es einerseits um das Erleben und Ausleben von Gefühlen. Andererseits soll ungezwungen über Gefühle und Rollenvorstellungen geredet werden. «Wir setzen auf die Vorbildfunktion der Kursleiter. Sie sollen zeigen, was es heisst, ein Mann zu sein. Ein Mann und kein Superhero aus dem Film.» Da versteht es sich von selbst, dass kein Kurs von einer Frau geleitet wird.

Entsprechend werden die Kursleiter nicht unvorbereitet auf acht bis zehn Teenager losgelassen. An mehreren Abenden erhielten die Leiter Tipps und Gelegenheit zum Austausch. Nach Aussage von Olivier Paroz sind der Umgang mit Störenfrieden in der Gruppe ebenso zur Sprache gekommen, wie Sicherheitsaspekte. Mindestens ein Mitglied des Organisationskomitees sei jeweils über eine Notfallnummer erreichbar. Es habe bisher nie einen grösseren Unfall gegeben, versichert er. Das sei nicht zuletzt auf die sorgfältige Vorbereitung der Boyzweek zurückzuführen.

Gemeinsames Zmittag

Nur die Jäger sind beim Maultiertrekking Selbstversorger. Die übrigen Gruppen treffen sich Montag bis Freitag zum Zmittag im Wyttenbachhaus in Biel. Das gibt den Giele die Gelegenheit, auch ausserhalb der eigenen Gruppe Freundschaften zu knüpfen. In Sachen Alter gibt es nach Angabe der Kursleitung kaum je Probleme. Olivier Paroz erklärt: «17-Jährige haben wir leider kaum. Die meisten sind zwölf- oder 13-jährig.» Entsprechend müssen sich die Kursleiter nicht mit grossen Differenzen in Sachen Kraft und Ausdauer herumschlagen.

Der Höhepunkt der Boyz-week ist der Abschluss, am Freitagnachmittag. Auf dem Zentralplatz in Biel präsentieren sich die Gruppen gegenseitig ihre Erlebnisse und Errungenschaften. «Ich nehme an, dass die Bootfahrer dann mit ihrem Boot kommen», sagt Paroz und lacht. Ob die Fechter den Passanten einen Schaukampf vorführen, bleibt abzuwarten.

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