Gericht

«Er» gehört nun mal in die Hose

Des Mannes bestes Stück gehört hinter verschlossenen Laden. Jedenfalls in der breiten Öffentlichkeit. Alles andere ist nicht nur meist schockierend und ziemlich unappetitlich, sondern ein Verstoss gegen das Gesetz. Wegen exhibitionistischer Handlung stand in Baden ein 33-Jähriger vor dem Einzelrichter.

Rosmarie Mehlin

Mohamed (Namen geändert) gab sich vor Einzelrichter Peter Rüegg von Beginn an äusserst aufgebracht: Die Anklage sei von Anfang bis Ende ungerecht, denn er habe rein gar nichts getan. Nach dieser Erklärung musste der 33-jährige Nordafrikaner den Verhandlungsraum vorübergehend verlassen. Denn Zeugin Cora wollte nicht mit ihm konfrontiert werden.

Glaubhaft schilderte die 19-Jährige, was ihr letztes Jahr an einem Augustnachmittag widerfahren war. Sie habe mit zwei Kolleginnen am Bahnhof Baden auf den Zug gewartet, als ein Typ sie «so irgendwie auffällig» angesehen habe. Allein war sie danach in den Zug nach Zürich gestiegen. Der Wagen sei, bis auf eine ältere Frau, leer gewesen, als der Typ sich ins Abteil schräg gegenüber von ihr hingesetzt habe. Sie sei, so Cora weiter, mit ihrem Handy beschäftigt gewesen, aber als sie einmal aufgesehen habe, sei sie ganz schön erschrocken.

Leben auf Kosten der Frau

Die Frage von Richter Rüegg, was sie denn genau gesehen habe, brachte Cora verständlicherweise in Verlegenheit. Schliesslich aber bestätigte sie, dass der Mann seinen Penis ans Tageslicht befördert und daselbst mit ihm gespielt habe.

Am Ziel angekommen, erstattete Cora bei der Polizei Anzeige. «Ich musste mir Föteli anschauen, insgesamt etwa 800 Stück, aber der Mann war nicht dabei.» Doch Kommissar Zufall kam Cora zu Hilfe: Nur zwei Tage nach dem Vorfall sah sie den Mann in Baden erneut, worauf Kollegen von ihr ihn ansprachen. Der Mann leugnete, Cora je zuvor schon mal gesehen gehabt zu haben. Sie aber blieb dabei, dass er der Betreffende war.

Monate später war Mohamed per Strafbefehl aufgefordert worden, wegen «exhibitionistischer Handlung eine Geldstrafe von 300 Franken unbedingt plus 359 Franken an Gebühren und Polizeikosten» zu berappen. Mohamed machte Einsprache und musste folglich vor dem Einzelrichter vortraben.

Vor neun Jahren war er als Asylbewerber hierher gekommen. Nachdem sein Antrag abgelehnt worden war, heiratete er vor 16 Monaten eine Schweizerin. Einen Monat lang hatte er mal einen Job, ansonsten lebt er auf Kosten seiner Frau und ist überdies wegen kleinerer Vermögensdelikte mehrfach vorbestraft. Wie sein Anwalt im Plädoyer betonte, fühle Mohamed sich wegen der vorliegenden Beschuldigung zutiefst gekränkt, weil er das ihm zur Last Gelegte nicht getan habe. Seine Identifizierung durch Cora sei ja auch zweifelhaft, sodass Mohamed nach dem Grundsatz in dubio pro reo freizusprechen sei.

Ein teures «Vergnügen»

Nach kurzer Pause tat Einzelrichter Rüegg kund, dass er noch kein Urteil gefällt habe. Er gehe aber davon aus, dass der Tatbestand im Strafbefehl richtig dargelegt sei und ziehe in Erwägung, die Geldstrafe massiv zu erhöhen. Ob, so fragte Rüegg, der Beschuldigte unter diesen Umständen die Einsprache nicht zurückziehen wolle.

Der Anwalt musste zwar offensichtlich harte Überzeugungsarbeit leisten, aber am Ende nutzte Mohamed die Chance und willigte ein. Allerdings gesellt sich nun zu den 659 Franken noch eine Gerichtsgebühr von 250 Franken. Kein billiger Spass, der Drang von Mohameds bestem Stück nach frischer Luft. Zu Recht - der Zug nach Zürich ist schliesslich und endlich Gott sei Dank weder FKK-Strand noch Nacktwandererparadies.

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